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Nur ein Fragment: Prince-Autobiografie "The Beautiful Ones" | BR24

© Bayern 2

In den 80er-Jahren hat Prince die Popmusik neu erfunden. 2016 ist er im Alter von nur 57 Jahren überraschend verstorben. Seine unvollendete Autobiografie will Wissenslücken füllen – hinterlässt aber das Gefühl einer noch größeren Lücke.

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Nur ein Fragment: Prince-Autobiografie "The Beautiful Ones"

In den 80er-Jahren hat Prince die Popmusik neu erfunden. 2016 ist er im Alter von nur 57 Jahren überraschend verstorben. Seine unvollendete Autobiografie will Wissenslücken füllen – hinterlässt aber das Gefühl einer noch größeren Lücke.

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Ja, man erfährt in der Autobiografie durchaus Neues über Prince, den rätselhaften Popstar, der vor drei Jahren überraschend starb. Dass er als Kind unter epileptischen Anfällen litt, wusste man bisher nicht. Dass er sich in Hotels unter dem Namen Peter Bravestrong anmeldete, war zumindest unter Fans bekannt. Außerdem finden sich in diesem mühsam auf 300 Seiten aufgeblähten Werk viele, unbekannte Privatfotos von Prince – Bilder aus der Zeit, als er noch nicht bekannt war, bis er 1978 sein erstes Studioalbum aufnahm.

Neue Details, aber auch große Lücken

Freunde der Black Music erfahren, dass Prince – wen wundert’s – im Grunde ausschließlich von der Musik des schwarzen Amerika angetan war, von Rufus feat. Chaka Kahn, den Ohio Players und und und. Ein Schlüsselmoment war für den Zwölfjährigen, der von seiner Mutter Skipper gerufen wurde, als er mit seinem Vater, einem halbprofessionellen Jazzpianisten, den Kinofilm über das Woodstock-Festival besuchte. Ab da war klar, dass Musik machen, Songs schreiben und alle möglichen Instrumente spielen die Rettung war für den schwarzen Teenager, der in Minneapolis auswuchs, an der Grenze zu Kanada. Kein Wort findet sich in dem Buch über die große Zeit von Prince, als er während der 80er-Jahre mit dem Linn-Drum-Computer, um dessen Patterns herum er seine Songs strickte, die Popmusik aus den Angeln hob.

© Heyne

Prince: "The Beautiful Ones" - Bei Heyne erschienen

Das Buch besteht auch aus einer knapp 40-seitigen, aufschlussreichen Einleitung des Herausgebers Dan Piepenbring, einem Redakteur der renommierten Paris Review. Piepenbring berichtet, wie er Prince kennenlernte, ihn mehrmals traf und sich mit ihm über den ersten Schreibschub verständigte. Er stellte nach dem Tod auch aus dem Nachlass des Stars das Buch zusammen. Prince hatte dafür einen Vertrag abgeschlossen. Es ist also rechtens, das bisher einzige Kapitel zu veröffentlichen, allerdings wäre der Untertitel "Autobiografie-Fragment" passender.

Musiker im goldenen Käfig

Interessant ist Piepenbrings Bericht, weil darin deutlich wird, wie stark das Thema Rassismus den Afroamerikaner beschäftigt hat. In den knapp 40 Seiten von Princes Manuskript ist davon kein einziges Mal die Rede. Aufschlussreich ist auch, wie Piepenbring Prince traf. Mit welch wahnwitzigem Aufwand hier jede Begegnung von Star und Autobiograf inszeniert wurde. Der Musiker bewegte sich in einem goldenen Käfig, der aus seinen legendären Paisley Park-Studios bestand, aus einer treu ergebenen Entourage, aus Star-Auftritten und von der Öffentlichkeit abgeschotteten Parties. Das Leben eines Musikmaniacs wird hier sichtbar, eines Menschen abseits der Normalität – ein genialer Künstler im luftleeren Raum, aber das ist eine andere Geschichte.

"The Beautiful Ones" von Prince ist, aus dem Amerikanischen übersetzt von Claudia Wuttke und Eike Schönfeld, bei Heyne erschienen.

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