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Bayerns Künstler fordern Nachbesserungen am Hilfsprogramm | BR24

© Martina Bogdahn, Audio: BR/Reinhard Kungel

Freie Künstler, wie Roland Hefter, wollen nicht wie Künstler zweiter Klasse behandelt werden.

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Bayerns Künstler fordern Nachbesserungen am Hilfsprogramm

Vor einer Woche gestartet und gleich mit Anträgen geflutet: Das bayerische Programm zur Unterstützung von Kulturschaffenden in Corona-Not. Aber nicht alle sind begeistert, es gibt jede Menge Kritik am Programm.

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"Ich spüre ganz deutlich, dass die Künstler dringend darauf warten, ja heiß darauf sind, ihre Kunst wieder zu präsentieren", sagte Bayerns Kulturminister Bernd Sibler gestern Nachmittag bei der Ankündigung von Lockerungen für die Kulturschaffenden in Bayern. Und das ist wohl der einzige Punkt, in dem ihm kein freier Künstler widersprechen wird: Bayerns Posaunistinnen, Liedermacher, Tänzer sind wirklich heiß auf den Wiederbeginn. Dass ihr Minister ihnen dabei eine große Hilfe wäre, finden sie allerdings nicht. Deshalb haben sie auch zum Pressetermin gerufen. Samt Not-Orchester, das mit Gesang "Wir sind ein paar von ganz, ganz vielen" den Reporter zum Lächeln bringt: Jetzt, da man so unverhofft wieder Livemusik hört, merkt man, wie sie gefehlt hat.

Langfristige Hilfe statt Gnadengeschenke

Das Wort ergreift dann der Kulturveranstalter Wolfgang Ramadan. Wenn etwa der Kabarettist Helmut Schleich in Peißenberg auftritt, dann steckt bisher oft er dahinter. Für die nächsten zwölf Monate aber sieht er schwarz. Auftritte vor 40 maskierten Leuten, sagt Ramadan, machen niemandem Spaß und niemanden satt. Zumindest letzteres kann einem Stadttheater erstmal egal sein, dem Veranstalter Ramadan aber nicht. Deshalb, sagt er, brauchen Solo-Selbständige und Kultur-Unternehmen jetzt auch langfristige Hilfe und nicht nur Sofortmaßnahmen. Dann sagt der Chef der Firma BrotZeit & Spiele noch, was einem gerade so viele Künstler erzählen: Dass sie keine Gnadengeschenke wollen, sondern Hilfe – so wie andere Firmen auch. Denn, so Wolfgang Ramandan, "BrotZeit & Spiele ist ein gesundes, wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen das haben wir mit der Lufthansa gemeinsam. Wir erhalten aber keine öffentlichen Gelder. Stattdessen zahlen wir Steuern."

© BR/Reinhard Kungel

Wolfgang Ramadan will Perspektiven

Ein großer Ärger sind für viele freie Künstler gerade die Antragsbedingungen von Siblers 140 Millionen Euro schwerem "Künstlerhilfsprogramm Plus". Ein Solo-Selbständiger, der aus einem anderen Hilfsprogramm auch nur 300 Euro bekommen hat, ist für Siblers Soforthilfe nämlich gesperrt. Das gleiche gilt für die Grundsicherung: Wer Hartz IV beantragt hat, bleibt bei Sibler außen vor. Auch hier fragt die freie Kultur: Ist das gerecht? Antworten hätten die freischaffenden Künstler gerne von ihrem Minister. Auch auf die wichtigste Frage, die Kabarettist Helmut Schleich formuliert: Wie genau soll’s denn bitte weitergehen? "Ich erwarte aus künstlerischer Sicht eine klare Perspektive", sagt Schleich, "wie der sogenannte Kulturstaat Bayern, verkörpert durch den Kunstminister und den Ministerpräsidenten, es sich vorstellt, dass unser Spielbetrieb wieder starten kann. Konkret!"

Konkrete Perspektiven müssen her

In Österreich gibt’s das schon. 100 Zuschauer jetzt ab Freitag, 250 Zuschauer ab Juli, 500 Zuschauer ab August. So etwas wünscht sich Schleich von seinem Kulturstaat auch. Zu diesem Zeitpunkt wissen die freischaffenden Künstler noch nicht, dass Kunstminister Sibler am frühen Nachmittag enttäuschen wird. Weil er ihnen keinen Weg aufzeigt, sondern nur einen ersten Schritt ankündigt. Am 15. Juni geht’s wieder los, sagen Sibler und Söder. Kino, Theater, Konzerte. Drinnen erstmal nur 50 Leute, draußen maximal 100, alle immer mit Maske – und alles Weitere muss man sehen.

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