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Krise der Greensill Bank: Bühnen Köln droht Millionen-Verlust | BR24

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Patrick Wasserbauer, Geschäftsführer der Oper Köln

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    Krise der Greensill Bank: Bühnen Köln droht Millionen-Verlust

    Die städtischen Bühnen Köln müssen um 15 Millionen Euro bangen: Sie haben ihr Geld bei der kriselnden Greensill Bank angelegt, die mit hohen Zinsen geworben hatte. "Spekulativ" sei die Anlage nicht gewesen, so Geschäftsführer Patrick Wasserbauer.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Das ging gründlich schief: Die Bühnen der Stadt Köln haben im Januar insgesamt 15 Millionen Euro bei der Bremer Filiale der britisch-australischen Greensill-Bank angelegt. Das Geld sollte ohne Minus-Zinsen aufbewahrt werden, was in diesen Zeiten bei solch hohen Beträgen ungewöhnlich ist. Ein Finanzdienstleister habe garantiert, dass die Einlagen "sicher" seien, so Bühnen-Geschäftsführer Patrick Wasserbauer in einer Stellungnahme. Tatsächlich hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 3. März nach einer Sonderprüfung wegen drohender Überschuldung ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot gegenüber der Greensill Bank verhängt. Damit sollen Vermögenswerte gesichert und eine Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden. Das Geldinstitut bewarb sich als "dynamisch und innovativ".

    Die Bühnen der Stadt Köln legen Wert auf den Hinweis, dass die Bank noch nicht "insolvent" sei: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht klar, ob es Geschädigte der Greensill Bank geben wird und inwieweit die Bühnen möglicherweise dazu gehören", so Christoph Braun, der Kommunikationsleiter der Bühnen Köln: "Die BaFin hat einen Sonderbeauftragten eingesetzt und eine Entscheidung dazu bis Mitte April 2021 angekündigt. Die Bühnen lassen sich hinsichtlich der Wahrnehmung ihrer Rechte anwaltlich vertreten."

    "Uns ging es bei der Anlage vor allen Dingen um Sicherheit und darum, dass möglichst keine Steuergelder durch Negativzinsen verloren gehen“, so Wasserbauer in der Stellungnahme, die dem BR vorliegt. "Spekulativ" sei die Anlage in keiner Weise gewesen: "Darum haben wir die Gelder auch auf verschiedene Banken aufgeteilt. Dadurch ist die Liquidität des Sanierungsprojekts gesichert."

    Stadt: Gelder mussten geparkt werden

    Nach der Pressemitteilung haben die städtischen Bühnen Köln im Dezember 2020 ein Schuldscheindarlehen über 100 Millionen Euro mit einem auf vierzig Jahre festgeschriebenen Zinssatz in Höhe von 0,98% zur Finanzierung der Oper und des Schauspielhauses aufgenommen: "Damit sind die Finanzierungskonditionen über den gesamten Abschreibungszeitraum des Projekts gesichert. Diese Planungssicherheit ist derzeit nur für Kreditvolumina in diesen Höhen am Finanzmarkt zu bekommen. Im Rahmen des Projektfortschrittes auf der Baustelle stehen den Kreditaufnahmen nicht unmittelbar Zahlungsverpflichtungen in gleicher Höhe gegenüber, so dass die Gelder bis zum Auszahlungszeitpunkt auf Bankkonten hinterlegt werden müssen." Die Gelder mussten demnach also "geparkt" werden.

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    Hohe Baukosten, wacklige Gelder

    Nach deutschem Recht sind nur Einlagen bis zu 100.000 Euro abgesichert. Wie es mit der Greensill-Bank weitergeht, steht noch nicht fest. Auszahlungen sind jedoch vorerst nicht möglich, auch keine Überweisungen. Schuldner des Instituts dagegen müssen ihre Kreditzinsen weiterzahlen.

    Kölner Oper abermals im trüben Licht

    Der Vorgang dürfte die Debatte über die krisengeschüttelte Oper Köln neu entfachen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte den Vertrag von Intendantin Birgit Meyer nicht verlängert, ohne dafür nähere Gründe anzugeben. Das hatte zu einer Welle der Solidarität mit Meyer geführt, die auf künstlerische Erfolge verwies. Die Intendantin hatte in einem Interview geäußert, sie könne die Entscheidung "nicht nachvollziehen". Die Finanzen liegen zwar in der Hand des Geschäftsführers, der Finanz-Skandal rückt die Oper Köln, die seit Jahren in Ausweichquartieren spielt, weil das Stammhaus renoviert wird, jedoch abermals in ein trübes Licht. Die Baukosten für die Sanierung des Opernhauses waren völlig aus dem Ruder gelaufen, die technische Koordination ähnlich konfus wie beim Berliner Flughafen.

    Auch die niedersächsische Stadt Osnabrück hat nach eigenen Angaben 14 Millionen Euro bei der Greensill Bank angelegt und fordert vom Bund die Übernahme etwaiger Verluste: "Aufgrund des sehr guten Ratings dieser Bank mussten wir von einer sehr sicheren Anlageform ausgehen", sagte Kämmerer Thomas Fillep am Freitag laut dpa. Der Bürgermeister von Monheim teilte ebenfalls mit, seine Stadt habe Geld bei Greensill angelegt.

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