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Werner Zrenner

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    Kriegsdienst verweigert: Als Werner Zrenners Vater getötet wurde

    Werner Zrenner ist erst dreieinhalb Jahre alt, als sein Vater 1941 seine Kriegsdienstverweigerung mit dem Leben bezahlen muss. 16 Jahre später verweigert auch er den Dienst an der Waffe.

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    Von
    • Jutta Neupert

    Werner Zrenner auf Spurensuche im Bayerischen Hauptstaatsarchiv nach Erwähnungen seines Vaters Leander Zrenner: Zusammen mit Helmut Welker, dem Chronisten der Glaubensgemeinschaft der Reformadventisten, der auch Leander Zrenner angehörte, hat er dort eine Akte heben lassen, in der sich auf wenigen Seiten das Schicksal dieses mutigen, entschlossenen und sehr gläubigen Mannes verbirgt. Er bezahlte seinen Widerstand gegen den Kriegsdienst mit seinem Leben. Kein Foto erinnert an ihn, nur Archivalien hinter einem Aktendeckel.

    Im Visier der Behörden

    Entspannt scheint der Alltag unter dem NS-Regime. Die Glaubensgemeinschaft der Reformadventisten, die nur etwa 1.500 Menschen umfasst, gerät jedoch schnell ins Visier der Behörden. Sie wird im April 1936 mit der Begründung verboten, sie verfolge "Ziele, die der Weltanschauung des Nationalsozialismus zuwiderlaufen".

    Es dauert nur wenige Tage, bis die deutschlandweite Verfolgung der Mitglieder beginnt. Alle hauptberuflich Beschäftigten werden steckbrieflich gesucht und zur Schutzhaft ausgeschrieben, berichtet der Chronist der Glaubensgemeinschaft, Helmut Welker.

    Zu den ersten Reformadventisten, die als Mitglieder einer verbotenen Organisation zu einem Monat Haft verurteilt werden, gehört auch Leander Zrenner.

    Hingerichtet, weil er nicht töten wollte

    Leander Zrenner fällt weiterhin auf, weil er den Sabbat als göttlichen Ruhetag feiert und - im Krieg einem Bau-Ersatzbataillon zugeteilt - am Samstag den Dienst verweigert. Zudem erklärt er, im Einsatz niemals auf andere Menschen zu schießen. Sein damals dreieinhalbjähriger Sohn erinnert sich noch heute an den letzten Besuch des Vaters.

    "Zum älteren Bruder, zum Leander, hat er gesagt: 'Gebt’s auf die Mam Obacht, ich weiß net, ob ich wiederkomme.' Ich hab dann noch gesagt: 'Ja, ich geb auch Obacht.' Wenn ich in die Erinnerung gehe, dann geht’s mir nicht gut." Werner Zrenner

    Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung am 9. August 1941 schreibt Leander Zrenner einen Abschiedsbrief. Aufgewachsen in einem Waisenhaus, arbeitete er zuletzt auf dem Münchner Großmarkt. Mit Zitaten aus der Bibel und der Zuversicht, seine Frau und seine fünf Söhne in der Ewigkeit wiedersehen zu dürfen, nimmt der 36-Jährige Abschied.

    "Neben Herrn Zrenner wissen wir von acht bis neun andern, dass sie wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtet wurden. Wir haben aber noch eine relativ große Dunkelziffer von Leuten, die einfach verschwunden sind", sagt Chronist Helmut Welker.

    "Wir waren zu religiös"

    Die Befreiung Münchens durch US-amerikanische Truppen verhindert die bereits angeordnete Überstellung von Anna Zrenner und ihren Kindern ins KZ. Sie kämpft wie eine Löwin, um ihre Familie durch Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten. Sie habe damals Papier und Schrott gesammelt, erzählt ihr Sohn Werner Zrenner.

    1948 werden Anna Zrenner ihre Kinder weggenommen und in ein Heim gebracht. Das Jugendamt ist der Ansicht, die Mutter sei nicht in der Lage, ihre Kinder richtig zu erziehen, erinnert sich Werner Zrenner: "Die haben uns sozusagen umerziehen sollen, weil wir zu religiös waren."

    Wehrdienstverweigerung im Gedenken an den Vater

    Im Juli 1956 sorgt ein Wehrpflichtgesetz dafür, dass auch Werner Zrenner seinen Dienst an den Waffen der Bundeswehr erfüllen soll. Er schreibt an das Kreiswehrersatzamt, keine Art von Krieg, weder direkt noch indirekt, unterstützen zu wollen.

    Vor Gericht muss Werner Zrenner damals seine Entscheidung verteidigen: "Da habe ich dann nur gesagt, dass der Krieg sozusagen ein Verbrechen an der Menschheit ist." Es ist seine Art, das Gedenken an den getöteten Vater hochzuhalten. Der Prüfungsausschuss für Kriegsdienstverweigerer entscheidet 16 Jahre nach dessen Hinrichtung, dass Werner Zrenner berechtigt sei, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern.

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