Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Darum zweifelt ein Historiker den Tod Jesu am Kreuz an | BR24

© dpa-Bildfunk

Der Historiker Johannes Fried hat die These erneuert, Jesus habe die Kreuzigung überlebt. Wie gehen wir mit den Befunden um?

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Darum zweifelt ein Historiker den Tod Jesu am Kreuz an

Jesus starb nicht am Kreuz, ein vermeintlich tödlicher Lanzenstoß habe ihn vorm Ersticken bewahrt: So argumentiert der Historiker Johannes Fried in seinem Buch "Kein Tod auf Golgatha" – und greift damit eine alte Debatte wieder auf.

Per Mail sharen

Eigentlich ist die Kreuzigung zur Zeit Jesu eine gängige Hinrichtungsmethode unter den römischen Besatzern. Medizinisch betrachtet erleidet der Gekreuzigte erst einen Kreislaufkollaps und erstickt so langsam am Kreuz. Der Historiker Johannes Fried aber glaubt nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben ist: Die Kreuzigung führe nicht immer zum Tod. "Wir haben Belege aus dem 1. Jahrhundert, aus der Jesuszeit, dass Gekreuzigte überlebt haben."

Nicht tot, sondern quasi narkotisiert

Der emeritierte Mittelalter-Professor aus Köln und Frankfurt glaubt, der Gekreuzigte erlitt eine Kohlenstoffdioxid-Vergiftung. Er fiel in ein Koma. Verletzungen des Brustfells, der sogenannten Pleura, könnten einen Pleura-Erguss hervorgerufen haben. Dabei sammelt sich ein Gemisch aus Blut und Wundwasser in der Pleurahöhle, die den Lungenflügel umgibt. Die Wundflüssigkeit kann den Lungenflügel so weit zusammenpressen, dass der eingeatmete Sauerstoff nicht mehr abgeatmet werden kann. Es folgt eine Kohlendioxid-Vergiftung und diese wirkt wie eine Vollnarkose. Der Druck in der Lunge muss abgelassen werden, damit der Verletzte nicht erstickt.

Der angeblich tödliche Lanzenstoß soll Jesus zum Leben erweckt haben

Genau das soll bei dem gekreuzigten Jesus passiert sein. Völlig unbeabsichtigt. Durch den Lanzenstich eines Römers, den die Bibel als Todesstoß beschreibt.

Der Historiker geht weiter davon aus, dass Jesus nicht tot in ein Grab gelegt wurde, sondern ohnmächtig. Dazu zieht er das Johannesevangelium heran, das als einziges Evangelium die Geschichte des am Kreuz hängenden Jesus genauer thematisiere. Demnach haben Joseph von Arimathia und Nikodemus Jesus vom Kreuz abgenommen. Historiker Fried vermutet, dass auch sie es gewesen sein könnten, die Jesus zur Flucht aus dem Grab verholfen haben – eben weil es im Evangelium heißt, "der Stein war weggerollt". "Wenn, wie die Theologen heute gerne unterstellen, die Auferstehung ein rein geistiges Phänomen war, dann müsste der Stein überhaupt nicht weggerollt gewesen sein. Dann könnte der Leib tatsächlich darin vermodern. Weil das Geistige, die Vision, ist davon völlig unabhängig."

Flucht nach Jordanien und Syrien statt Himmelfahrt

Die Nachricht vom leeren Grab breitet sich rasch aus. Gleichzeitig muss die gescheiterte Hinrichtung geheim gehalten werden. So kommt es, dass das Wunder der "Auferstehung" verbreitet wird. Dass Jesus mit seinen Jüngern speist, wertet Fried als weiteren Beleg: "Ein Toter kann nicht essen." Die Himmelfahrt Jesu nach 40 Tagen könnte auch eine Flucht gewesen sein, meint der Historiker. So könnte Jesus erst in der Dekapolis im heutigen Jordanien gewirkt haben. Anschließend nach Ägypten geflohen sein – zu einer jüdischen Sekte namens „Therapeuten“. Möglicherweise war Jesus auch identisch mit einem Unruhestifter, der sich um das Jahr 57 in Jerusalem herumtrieb und den der jüdische Chronist Flavius Josephus „Den Ägypter“ nannte.

Um das Jahr 60 bis 70 könnte der Gekreuzigte dann tatsächlich gestorben sein – in Ostsyrien, wo er bis zu seinem Tod anonym als Heiler auftrat.