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"Kosmetik reicht nicht": "Golden Globe"-Jury zu alt und zu weiß? | BR24

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Bildrechte: Jim Ruymen/Picture Alliance

Archivbild: Vorbereitungen für die Gala 2019.

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    "Kosmetik reicht nicht": "Golden Globe"-Jury zu alt und zu weiß?

    Kurz vor ihrer prestigeträchtigen Preis-Gala geraten die 87 Auslandsjournalisten, die die "Golden Globes" vergeben, unter massiven Druck: Sie ignorierten ganze Kulturen und hätten kein einziges schwarzes Mitglied. Der Verband gelobt Besserung.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Seit Wochen gibt es wenig schmeichelhafte Schlagzeilen über Hollywoods Auslandsjournalisten. Ihr Verband, die "Hollywood Foreign Press Association" (HFPA) sei völlig überaltert, ziemlich korrupt und die Auswahlkriterien für die alljährlichen "Golden Globes" seien bizarr. Unmittelbar vor der Gala, die den 87 Mitgliedern des Elite-Klubs rund 28 Millionen Dollar in die Kasse spült, meldeten sich weitere Kritiker zu Wort, darunter der Verband "Directors Guild of America" (DGA), in dem immerhin 18.000 Regisseure organisiert sind. Im Aufsichtsrat sitzen so prominente Filmschaffende wie Jon Avnet, Steven Spielberg, Christopher Nolan und TV-Produzent Oz Scott. "Kosmetik reicht nicht. Wenn die Vertreter ganzer Kulturen von vorneherein gar nicht erst mit am Tisch sitzen, werden ihre Künste und ihre Stimmen ebenfalls ignoriert", so die DGA in ihrer Stellungnahme. Tatsächlich gibt es in der HFPA seit zwanzig Jahren kein einziges nicht-weißes Mitglied. Allerdings soll die Mehrheit weiblich sein und 35 Prozent der Mitglieder nicht aus Europa stammen, wie ein Sprecher mitteilte.

    Ava DuVernay, die Regisseurin von "Selma", einem Film über Martin Luther King und den Kampf der Bürgerrechtsbewegung in den sechziger Jahren, zeigte sich erstaunt darüber, dass die Presse von einer "Enthüllung" sprach, nachdem bekannt geworden war, dass die HFPA keinen einzigen schwarzen Journalisten in ihren Reihen hat: "Als ob das nicht jeder wüsste, dass es Leute gibt, die sich so verhalten. Seit Jahren", twitterte sie. Die HFPA war auch dafür getadelt worden, dass sie Zendaya Maree Stoermer Coleman nicht nominiert hat, die in Sam Levinsons "Malcolm & Marie" brillierte, und dass der hoch gehandelte Delroy Lindo leer ausging, der in Spike Lees Vietnam-Kriegsdrama "Da 5 Bloods" eine Hauptrolle übernommen hatte. Von den insgesamt zehn für einen Golden Globe nominierten Filmen in den Kategorien Drama und Musical sei "Hamilton" die einzige Produktion, in der überwiegend Nicht-Weiße besetzt seien.

    "Aktionsplan" soll Verband diverser machen

    Dass kein einziger Schwarzer bei der Vergabe der "Golden Globes" mitentscheidet, soll sich nun schnellstmöglich ändern, gelobte der Verband in einer Mitteilung, und will das heikle Thema auch während der Fernsehübertragung der Gala anschneiden. Ein "Aktionsplan" wurde angekündigt, mit dem nicht nur Schwarze, sondern auch Angehörige anderer diskriminierter Bevölkerungsgruppen in die HFPA aufgenommen werden sollen. Bisher allerdings ist der Verband ausgesprochen zurückhaltend gewesen, wenn es darum ging, neue Mitglieder zu rekrutieren: Damit würde der zu verteilende Kuchen kleiner, und es ist in Hollywood kein Geheimnis, dass unter den 87 Alt-Mitgliedern nicht wenige sind, die auf die Einnahmen aus dem Verband dringend angewiesen sind.

    Mit der Berichterstattung aus der amerikanischen Filmmetropole ist nämlich längst nicht mehr so viel Geld zu verdienen wie ehedem. Außerdem winken Vorteile wie Exklusiv-Interviews, lukrative Pressereisen, jede Menge Nobel-Partys und nach den Recherchen der "Los Angeles Times" und anderen Medien auch immer wieder Barzahlungen, um "Golden Globes"-Entscheidungen zu beeinflussen.

    Vor der kritischen Stellungnahme der DGA hatten sich zahlreiche Hollywood-Stars bereits aufgebracht gezeigt, was die personelle Zusammensetzung der "Golden Globe"-Jury betrifft. Ava DuVernay, JJ Abrams, Shonda Rhimes, Olivia Wilde, Courtney Kemp, Kerry Washington, Drehbuchautor Damon Lindelof, Sterling K Brown und viele weitere drängten auf einen umfassenden personellen Neuanfang. Ellen Pompeo ("Grey´s Anatomy") schrieb einen "Offenen Brief": "Ich möchte meine geschätzten weißen Kollegen in dieser von uns allen geliebten Industrie, die uns enorme Privilegien beschert, freundlich aufrufen, sich zu zeigen, einzugreifen und dieses Problem zu lösen. Lasst uns unseren schwarzen Kollegen zeigen, dass wir uns darum kümmern und fest entschlossen sind, die Unzulänglichkeiten, die wir zu verantworten haben, in Ordnung zu bringen. Jetzt ist nicht die Zeit zu schweigen."

    In einem aktuellen Gleichstellungsbericht hatte die DGA vor einer Woche übrigens festgestellt, dass inzwischen Frauen und schwarze Männer zwar sehr viel häufiger Regie führen, dass schwarze Frauen und Latinos aber immer noch deutlich benachteiligt sind.

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