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Konzertabsagen: Frankreich schockiert über Tod eines Musikers | BR24

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Bildrechte: Philippe Turpin/Picture Alliance

Theater in Calais: Heimstatt vom Ensemble Hemiolia

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    Konzertabsagen: Frankreich schockiert über Tod eines Musikers

    Aus Verzweiflung über die Pandemie schied der Cembalist François Grenier aus dem Leben. Der Tod des 39-jährigen erschüttert Frankreich und löste in der Presse eine breite Debatte über die aktuellen psychischen Belastungen von Kulturschaffenden aus.

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    Von
    • Peter Jungblut

    "Er konnte die Konzertabsagen nicht mehr ertragen" sagte die Cellistin Claire Lamquet über ihren langjährigen Kollegen François Grenier, der mit ihr als Cembalist im Ensemble Hemiolia tätig war. Die Musiker haben ihr Stammquartier im Theater von Calais. Am 17. März war Grenier gestorben, ein Tod, der von seinen Angehörigen und Kollegen direkt mit der Pandemie in Verbindung gebracht wird und in der französischen Presse breit diskutiert wird.

    Finanziell und moralisch, so die Zeitung "Tele-Loisir", würden die Künstler an den Rand des Erträglichen gebracht. Claire Lamquet sprach von einem "Ozean der Stille", der schier nicht auszuhalten sei, und berichtete dort, sie habe bei Grenier seit der Pandemie und insbesondere im zweiten Lockdown "eine deutliche Veränderung" wahrgenommen: "Er hatte viel weniger Energie, er war so traurig." Dabei sei die aktuelle Saison für das Ensemble ungeheuer wichtig gewesen, Tourneen in Bolivien und Kanada seien auf dem Programm gestanden.

    "Es wird nie wieder dasselbe sein"

    Claire Lamquets Rat, Grenier solle doch die Zeit nutzen, über neue Projekte nachzudenken, hat ihn nach Auffassung der Ensemble-Chefin nicht erreicht: "Er hatte sich in seiner Blase eingeschlossen und nur noch über die Absagen gebrütet. Die Zukunft ängstigte ihn, immer mehr." Er sei eigentlich sehr "fröhlich" gewesen, so Lamquet, aber auch "äußerst sensibel" und schüchtern: "Wir alle werden uns neu erfinden müssen, aber es wird nie wieder dasselbe sein." Im Ensemble Hemiolia sei es sehr familiär zugegangen, fast alle Mitglieder stammten aus dem Norden Frankreichs und sprächen den aus der Komödie "Sch'tis" bekannten Dialekt.

    Der Tod von Grenier, der aus Avesnes-sur-Helpe stammte und im nordfranzösischen Lille lebte, sorgte auch in der Pariser Presse für Aufsehen. Der konservative "Figaro" brachte die Selbsttötung von Grenier in seiner Schlagzeile direkt mit Konzertabsagen in Verbindung. Die Beerdigung des Musikers am gestrigen Mittwoch erschütterte viele Wegbegleiter und Journalisten.

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