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Seit April 2020 ist die Pastorale Covid19 Einsatzgruppe im Erzbistum München und Freising im Einsatz.

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Kommunion und Krankensalbung: Seelsorge in Corona-Zeiten

Die Einsamkeit vieler Corona-Patienten ist bedrückend. Speziell geschulte Seelsorger leisten Sterbenden zuhause oder in Pflegeeinrichtungen Beistand. In Schutzausrüstung bringen sie die Kommunion, die Krankensalbung und beten mit Erkrankten.

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Von
  • Angela Graas

Ein Jahr ist es her: Bergamo. Das Militär muss die Toten abholen. Tausende Menschen sind gestorben. Einsam und verzweifelt, weil Freunde und Familie nicht mehr zu ihnen durften. Priester standen den Sterbenden bei. Damals ohne ausreichende Schutzausrüstung. Über 100 Geistliche haben das in Italien mit ihrem Leben bezahlt.

Bilder, die Pfarrer Daniel Lerch aufgerüttelt haben. Er ist einer von rund 50 Seelsorgern der pastoralen Einsatzgruppe für Covid-19 Erkrankte im Erzbistum München und Freising, die seit April 2020 im Einsatz ist. Vor allem was die Schutzmaßnahmen angeht wurden die Seelsorger intensiv geschult. Da darf ihnen kein Fehler unterlaufen.

Seelsorge in Schutzanzügen

Pfarrer Daniel Lerch, Seelsorger am Klinikum der Universität München, besucht Covid-19-Erkrankte in Schutzausrüstung und begleitet sie spirituell: "Es ist eine Herausforderung", sagt er, "auch mit der technischen Ausrüstung. Beim kleinsten Fehler kann der Virus überspringen. Da muss man auch innerlich ruhig bleiben. Ich spreche vor jedem Einsatz ein kurzes Gebet, um mich zu erden", sagt Pfarrer Lerch. Die Besuche müssen gut geplant sein: Denn alles, was der Seelsorger ins Zimmer der Patienten bringt, muss dort bleiben. Das Öl für die Krankensalbung bringt er deshalb in kleinen Plastikflaschen mit, die vor Ort noch entsorgt werden können.

Dankbarkeit bei Betroffenen und Angehörigen

Pfarrer Lerch erinnert sich an ein an Covid-19 erkranktes älteres Ehepaar, bei dem er zur Krankensalbung war. "Es war eine bedrückende Situation. Die beiden haben sich aus dem Krankenhaus selbst entlassen, weil sie zu Hause sterben wollten. Mit der Tochter hatte ich nach meinem Besuch noch telefonischen Kontakt. Sie meinte, der Vater hätte vorher noch Probleme mit der Atmung gehabt. Doch nach dem Gebet hätte er friedlich geschlafen. Ich spüre sowohl bei Betroffenen als auch bei den Angehörigen eine große Dankbarkeit."

Geeignete Formen für die Krankenkommunion

Für die Besuche in dieser Ausnahmesituation entwickelten Seelsorger des Erzbistums München-Freising geeignete Formen für Krankenkommunion, Krankensalbung, Sterbesegen und Gebet am Totenbett. Damit wollen sie eine seelsorgerische Begleitung auch für Patienten schaffen, die daheim sind. In den Krankenhäusern betreuen nach wie vor Klinikseelsorger die Patienten. Sowohl dort als auch zuhause beobachtet Pfarrer Lerch ein bedrückendes Maß an Einsamkeit.

Als Seelsorger sieht er sich als wichtige Brücke zwischen Erkrankten und deren Angehörigen: "Mich hat schon mal eine Frau gebeten, dass ich das Hochzeitsbild mitnehme in die Klinik und auf den Nachttisch ihres Mannes stelle oder ein anderes Beispiel war, dass die Enkeltochter noch ein Bild für den Opa gemalt hat, das konnte ich auch mitbringen." Die Dankbarkeit für solche kleinen Gesten sei unglaublich groß.

Dem älteren Ehepaar, dem Lerch die Krankensalbung gespendet hat, geht es übrigens unerwartet besser. Manchmal spendet Trost eben neue Lebenskraft.

Die Einsatzgruppe Seelsorge ist für alle an Covid-19-Erkrankten und deren Angehörige sowie für Ärzte und Pflegende unter der Telefonnummer 0151 / 42 40 25 12 rund um die Uhr für Notfälle erreichbar sowie per Mail: einsatzgruppeseelsorge@eomuc.de.

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