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Kommentar: Frau an der Spitze - allein unter Männern | BR24

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Tilmann Kleinjung, Leiter der Redaktion Religion & Orientierung

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    Kommentar: Frau an der Spitze - allein unter Männern

    Mehr Macht für eine Frau gibt es nicht in der katholischen Kirche. Die Wahl von Beate Gilles zur Generalsekretärin der Bischofskonferenz sei ein starkes Zeichen - ändere aber nichts an der systemimmanenten Ungleichbehandlung, meint Tilmann Kleinjung.

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    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Mehr Macht gibt es nicht. Nicht für eine Frau in der katholischen Kirche. Beate Gilles koordiniert künftig als Generalsekretärin die Geschäfte der Bischofskonferenz. Sie kann Themen setzen, sie muss Konflikte entschärfen und hat außerdem noch Mitspracherecht, wenn es um den Einsatz von Millionensummen geht.

    Leitung in der Kirche: Nicht Qualifikation, sondern Weihe zählt

    Das ist immer noch ungewöhnlich in der katholischen Kirche. Denn in dieser Institution werden Leitungspositionen nicht nach den üblichen Kriterien vergeben. Es geht in erster Linie nicht um Qualifikation, Erfahrung, Führungskompetenz. Es geht darum, ob ein Kandidat geweiht ist oder geweiht werden kann: zum Diakon, zum Priester, zum Bischof. Und da die Weiheämter in der katholischen Kirche nur Männern vorbehalten sind, scheidet eine Hälfte der Menschheit bei der Postenvergabe kategorisch aus.

    Dabei gäbe es jede Menge Kandidatinnen. In der katholischen Kirche in Deutschland arbeiten in den Gemeinden und in den Verwaltungszentralen hoch qualifizierte Frauen, Theologinnen wie Beate Gilles. Die 50-Jährige war bereits Geschäftsführerin des katholischen Bildungswerks in Stuttgart, sie ist Abteilungsleiterin im Bistum Limburg. Auch das war früher einmal eine Männerdomäne. Und heute? Immer mehr Bischöfe besetzen Top-Stellen mit Top-Managerinnen. Sie nutzen den Spielraum dessen, was heute schon möglich ist – ohne katholische Grundsätze fundamental in Frage zu stellen.

    Das letzte Wort hat der Bischof - ein Mann

    Die neue Personalpolitik ändert allerdings nichts an der systemimmanenten Ungleichbehandlung: Das letzte Wort hat der Bischof, und der ist per Definition ein Mann. Auch in der Kirchengemeinde vor Ort gilt diese Regel. Auch dort darf nur der Priester Chef sein. Das hat der Vatikan im vergangenen Sommer noch einmal in Erinnerung gerufen und damit zaghaften Versuchen in Deutschland, Leitungsteams zu etablieren oder Frauen die Gemeindeleitung anzuvertrauen, eine klare Absage erteilt.

    Der Unmut der Katholikinnen in Deutschland ist mit Händen zu greifen. Am Wochenende hat die katholische Frauenbewegung Maria 2.0 ihre Thesen an die Kirchentüren geheftet. Ganz oben steht die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Und dabei denken die Frauen von Maria 2.0 nicht an das, "was heute schon möglich ist": Pastoralreferentin, Religionslehrerin, Abteilungsleiterin. Sie wollen echte Teilhabe an allen Ämtern der Kirche.

    Wahl von Beate Gilles ist starkes Zeichen

    Da ist die Wahl von Beate Gilles zur Generalsekretärin der Bischofskonferenz schon ein starkes Zeichen. Auch ihre ersten öffentlichen Äußerungen dürfen enttäuschten Katholikinnen Mut machen. Sie hat deutlich gemacht, dass ihr die Anliegen von Maria 2.0 nicht fremd sind. Und sie hat auch klargestellt: Diese Frauen stehen "in der Mitte der Kirche", mehr noch: "Das sind die Frauen, die die Kirche tragen."

    Ein Kommentar von Tilmann Kleinjung, Redaktionsleiter Religion & Orientierung

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