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Kommentar: Die Tür war geöffnet - der Papst blieb draußen | BR24

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Tilmann Kleinjung, Redaktion Religion und Orientierung

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    Kommentar: Die Tür war geöffnet - der Papst blieb draußen

    Nach dem Votum der Amazonas-Synode für verheiratete Männer als Priester war der Weg bereitet. Doch eine Reform der Kirche scheint der Papst weder beim Zölibat noch bei der Rolle der Frauen zu wollen. Eine vertane Chance, meint Tilmann Kleinjung.

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    Die Tür stand sperrangelweit offen. Papst Franziskus hätte nur durchgehen müssen. Im Herbst hat die Amazonas-Synode mit Zwei-Drittel-Mehrheit eine vorsichtige Öffnung des Priesteramtes auch für verheiratete Männer vorgeschlagen. Keine Revolution. Eine Ausnahmeregelung für die Amazonas-Region, in der der Priestermangel noch größer ist als in Europa.

    Keine Revolution, noch nicht einmal eine Reform

    Der Papst hat diesen Vorschlag nicht aufgegriffen und so die Katholikinnen und Katholiken enttäuscht, die die Hoffnung hatten: "Mit Franziskus ändert sich etwas in unserer Kirche." Er selbst hat ja diese Hoffnung immer wieder genährt. Vor allem mit seiner Rede von einer "synodalen Kirche". Nun hat eine Synode getagt, mit Bischöfen, Kardinälen und vielen Vertretern aus der Amazonas-Region. Und der Papst ignoriert deren Vorschläge zu einer behutsamen Reform.

    Ein Frauenbild von vorgestern

    Keine Lockerung der Zölibatspflicht, keine Weiheämter für Frauen. Ab Punkt 99 folgende kommt Franziskus auf die "Gabe von Frauen" zu sprechen, die seiner Meinung nach nicht darin besteht, Diakonin oder Priesterin zu sein. Dazu Sätze, die auch von seinen Vorgängern stammen könnten: "Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben."

    Mit so einem Frauenbild ist Kirche nicht zukunftsfähig. Die Realität hat das katholische Kirchenbild ohnehin schon überholt: Nicht nur am Amazonas, auch hierzulande werden Gemeinden von Frauen getragen, geleitet, seelsorgerlich betreut. Welche Rolle Frauen künftig spielen, ist für die katholische Kirche existenziell. Existenzieller noch als die Frage, ob Priester heiraten dürfen oder nicht.

    Regenwald retten - ja, Reform bei der Rolle der Frau - nein

    Die deutsche katholische Kirche hat sich gerade auf einen "Synodalen Weg" gemacht, einen Reformprozess, in dem es auch um die Themen der Amazonassynode geht: Frauen, Kirche, Macht. Und immer wieder hat man bei der ersten Synodalversammlung vor zwei Wochen in Frankfurt auf das Schreiben zur Amazonassynode verwiesen. Der Amazonas als katholisches Experimentierfeld. Die Möglichkeit, vor Ort Dinge eigenständig zu regeln. Wie klein der Spielraum für Veränderungen ist, wurde nun deutlich.

    Man kann diesen Text natürlich auch anders lesen, als leidenschaftliche Kampfschrift für die Rettung des Regenwaldes und seiner Bewohner, gegen den Raubbau an den natürlichen Ressourcen und die Vertreibung der indigenen Völker.

    Wer allerdings das Papst-Schreiben durch die Brille einer engagierten Katholikin, eines offenen Theologen oder eines reformwilligen Bischofs aus Deutschland liest, muss enttäuscht sein. Konservative Vertreter sind dagegen erleichtert. Der Papst belässt es beim Status quo.

    Papst verharrt in Vergangenheit

    An einer Stelle in dem Schreiben spricht der Papst von der "Kühnheit des Geistes", der die Kultur der Kirche verwandeln kann. Papst Franziskus war nicht so kühn, diesen katholischen Kulturwandel zu beschleunigen. Dabei hätte er nur durch eine geöffnete Tür gehen müssen.

    Ein Kommentar von Tilmann Kleinjung, Redaktion Religion und Orientierung

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