BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Kommentar: Aus für Nürnberger Konzerthaus ist ein Schock | BR24

© BR

Kommentar zum Aus für die Nürnberger Konzerthalle von Ursula Adamski-Störmer, Leiterin der Musikabteilung im Studio Franken in Nürnberg.

2
Per Mail sharen

    Kommentar: Aus für Nürnberger Konzerthaus ist ein Schock

    Das coronabedingte, vorläufige Aus für den geplanten neuen Konzertsaal in Nürnberg ist ein Schlag ins Gesicht der fränkischen Kulturszene. Und nur einer von vielen. Gab es wirklich keine andere Lösung? Ein Kommentar von Ursula Adamski-Störmer.

    2
    Per Mail sharen

    Nein, 2020 ist kein gutes Jahr für die Kultur. Und schon gar nicht für die Kultur in Nürnberg. Vor nicht einmal vier Wochen gab es die bittere Enttäuschung über geplatzte Kulturhauptstadtträume und nun das Aus des geplanten neuen Konzerthauses. Auch wenn der Oberbürgermeister der Stadt, Marcus König (CSU), in der virtuellen Pressekonferenz lediglich von einem "Moratorium" gesprochen hat, ist klar: dieses so dringend benötigte, akustisch wettbewerbsfähige neue Konzerthaus wird es in den kommenden Jahren nicht geben. Obwohl König nicht müde wurde, immer wieder zu unterstreichen, dass man den Neubau "im Moment" aufgrund der durch Corona schwerst angeschlagenen Haushaltslage nicht weiterverfolgen könne. Aber war es wirklich nötig, gleich in die Vollbremsung zu gehen?

    Alle städtischen Bauprojekte im Kulturbereich auf Eis gelegt

    Keine Frage, die Corona-Pandemie kostet die öffentlichen Haushalte Milliarden. Fehlende Steuereinnahmen reißen riesige Haushaltslöcher in die Kassen. Die Gesamtverschuldung der Stadt Nürnberg beläuft sich im Haushalt 2021 auf rund 1,74 Milliarden Euro. Selbstverständlich ist es angesichts einer solchen Misere von der Stadtspitze nur verantwortlich, den Haushalt einer Generalinventur zu unterziehen und auch Maßnahmen, Planungen auf den Prüfstand zu stellen. Nicht selbstverständlich jedoch aber muss es sein, hier den Scheinwerfer gleich – na worauf denn wohl? – auf die Kultur zu richten und damit alle städtischen Bauprojekte im Kulturbereich auf Eis zu legen.

    Nach Aus für Kulturhauptstadt: Nürnberg wollte Projekte trotzdem verfolgen

    Hat nicht die Stadtspitze nach der verlorenen Kulturhauptstadtbewerbung am 28. Oktober dieses Jahres gebetsmühlenartig immer wieder und wieder betont, an den zukunftsweisenden Kulturprojekten gerade auch im Baubereich dennoch festzuhalten? Auch da waren die finanziellen Rahmenbedingungen, die Corona uns als Fakten in der Zukunft aufdrückt, bereits bekannt. Und nun, drei Wochen später, ist alles anders?

    Erst sollen bestehende Gebäude renoviert werden

    Man habe, so König und die zweite Bürgermeisterin Prof. Julia Lehner, in einer solchen Lage zuallererst die Verantwortung, dringend notwendige Renovierungen im Gebäudebestand anzugehen, bevor Gelder in neue Gebäude fließen können. Und sie meint damit u.a. die zweifelsfrei notwendige Sanierung des Opernhauses wie auch der in die Jahre gekommenen Meistersingerhalle. Die mangelhafte Akustik wollen wir hier gar nicht erst ansprechen… Sanierung geht vor Neubau, ist die Devise. Nachvollziehbar.

    Warum werden Pläne für Konzerthalle nicht beendet?

    Aber was wäre denn, wenn man wenigstens die Planungen zum Neubau des Konzerthauses beenden würde und dann die fertigen Pläne erst einmal auf Eis legen würde? Die Planungsphase des Konzerthauses steht ohnehin kurz vor dem Abschluss. Stattdessen werden nun die dreiviertel fertigen Pläne in den Schubladen verstauben und irgendwann endgültig zu Grabe getragen. Ein schleichender Tod auf Raten.

    Finanzieller Topf für Neubau wohl für Jahrzehnte geschlossen

    Wenn man nur einen kurzen Blick auf das bis 2030 kalkulierte Investitionsbudget von 500 Millionen Euro wirft, die der Kämmerer der Stadt allein für die Sanierung des Opernhauses veranschlagt hat, und dann noch die veranschlagten 100 Millionen für die Sanierung der Meistersingerhalle on top rechnet, ahnt man, dass nach solchen Sanierungskosten der Topf für einen Neubau eines Konzerthauses in Nürnberg für lange Jahrzehnte verplombt ist. Zumal das Beispiel der Stuttgarter Opernhaussanierung uns derzeit lehrt, wie rasant Opernhaussanierungskosten auch schon einmal die Milliardenhürde reißen können. Keine Frage: Das Opernhaus bedarf dringender Sanierung. Das ist unaufschiebbar, aber kein Grund, die Planungen zum jetzigen Zeitpunkt für den Neubau des Konzerthauses einzustampfen.

    Musikalischer Traum für Nürnberg geplatzt

    Es ist ein rabenschwarzer Tag für die Musik in Nürnberg. Aus der Traum von einem prosperierenden musikalischen Zentrum im Norden Bayerns mit zwei Klangkörpern am Ort, die sich unter dem Dach eines akustisch professionellen Konzerthauses gegenseitig beflügeln. Aus der Traum von internationalen Orchestern und Künstlern, die Nürnberg als feste Größe auf ihrer Tourneekarte gespeichert hätten. Aus der Traum von einem professionellen, akustisch akzeptablen Konzertsaal in Nürnberg. Als nähme die Kultur in dieser Coronapandemie nicht ohnehin schon genügend Schaden. Ein Trauerspiel.

    Ein Kommentar von Ursula Adamski-Störmer, Musikabteilung Studio Franken, Redaktionsleiterin