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"Könnten morgen loslegen": Öffnungskonzept für Sport und Kultur | BR24

© picture alliance/dpa | Matthias Balk

Der leere Saal des Münchner Gärtnerplatztheaters.

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    "Könnten morgen loslegen": Öffnungskonzept für Sport und Kultur

    Ein breites Bündnis aus Wissenschaftlern hat ein Öffnungskonzept für Sport- und Kulturveranstaltungen erarbeitet. Beide Branchen betonen, sie könnten sofort loslegen, wenn die Politik sie nur lasse.

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    Von
    • Anita Fünffinger

    Die Corona-Pandemie hat vor allem die Kulturbranche in die Knie gezwungen. Große Open-Air-Festivals sind ebenso unmöglich wie eine Theaterpremiere im vollbesetzten Staatstheater oder ein Liederabend in einem kleinen Ensemble. Auch der Sport leidet. Denn obwohl zum Beispiel die Fußball-Bundesliga stattfinden kann, wünschen sich doch Künstlerinnen und Künstler sowie Sportler nur eines: Publikum!

    "Es geht um das Wie, nicht um das Wann"

    Bevor die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Öffnungsstrategie präsentieren, betonen sie eines vorweg: Man wolle mit dem Konzept keine Diskussion führen, wann Veranstaltungen wieder möglich sind. Das müsse die Politik entscheiden. Der Gesundheitsökonom Dr. Florian Kainzinger sagt: "Es geht um das Wie, nicht um das Wann."

    Er gehört einem Bündnis von 20 Wissenschaftlern an. Darin sind Hygienemediziner und Fachärzte für Infektiologie genauso vertreten wie Rechtsanwälte und Mikrobiologen. Unterstützt werden sie unter anderem vom Deutschen Bühnenverein und vom Deutschen Fußballbund.

    Keine Differenzierung nach Impfstatus oder Inzidenzen

    Die Wissenschaftler haben bei der Erarbeitung ihres Konzepts darauf verzichtet, starr nach Zahlen vorzugehen. Dr. Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, sagt sogar: "Die Inzidenzzahlen müssen an Bedeutung verlieren." Wichtiger als die Inzidenzzahl solle die Belastung des Gesundheitswesens sein. Dies sei notwendig, weil mit der Impfung von Risikogruppen sich die Infektionszahlen nicht mehr parallel zur Belegung von Intensivstationen und Krankenhäusern bewegten.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verzichten außerdem darauf, das Publikum in "geimpft" und "nicht geimpft" zu unterscheiden. Besucher könnten freiwillig einen Impfnachweis oder einen Immunitätsnachweis vorlegen. Dies hätte bei einem Konzept mit Teststrategie lediglich zur Folge, dass diese Besucher vor der Veranstaltung keinen Schnelltest mehr machen müssen.

    Unterschiedliche Konzepte für draußen und drinnen

    Die Wissenschaftler unterscheiden grundsätzlich zwischen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen wie Konzerthäusern, Theatern oder Sportevents in Hallen und Outdoor-Veranstaltungen. Allen gemeinsam sind folgende Eckpunkte:

    Ein Hygiene- und Lüftungskonzept, eine maximale Gesamtauslastung von 25 bis 30 Prozent im Indoor-Bereich und bis zu 40 Prozent im Outdoor-Bereich, personalisierte Tickets, generelle Maskenpflicht – die im Outdoor-Bereich aber nur bis zum zugeteilten Sitzplatz besteht. Bei mehr als 1.000 Besuchern ist der Ausschank von alkoholischen Getränken nicht erlaubt, benachbarte Plätze sollen ausschließlich an gemeinsame Haushalte verkauft werden.

    Mit Teststrategie sogar Vollauslastung möglich

    Die Expertinnen und Experten haben außerdem ein "Maximalmodell" vorgelegt. Auf Basis einer Teststrategie wäre mit umfassenden Tests für das Publikum sogar eine Vollauslastung von Opern, Konzerten und Sportereignissen möglich. Die Tests dürften nur von geschultem Personal durchgeführt werden. Selbsttests wären wegen der Gefahr von Manipulation nicht erlaubt.

    Vor allem die Kulturbranche wartet sehnlichst darauf, wieder vor Publikum spielen zu können. Die Intendantin der Berliner Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, berichtet von der beunruhigenden Situation soloselbständiger Künstlerinnen und Künstler. Allein in Berlin habe ein Drittel der Musiker aufgegeben, sagt Zietzschmann.

    Klaus Dörr, der Intendant der Volksbühne Berlin, erzählt, sein Haus mache Pläne im Zeitraum von acht Wochen. Er habe die letzten Spielpläne immer wieder verworfen, weil die Volksbühne geschlossen war. Die Kunst aber stehe bereit: "Wir könnten im Prinzip morgen loslegen."

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