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Das Wassertreten hat er in Deutschland als Therapieform etabliert: Sebastian Kneipp.

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    Kneipps Therapien: Nach 200 Jahren immer noch aktuell

    Das Wort "kneippen" steht seit 1934 im Duden. Benannt ist das Wassertreten nach dem Pfarrer Sebastian Kneipp. Von Patienten wurde er als "Wasserdoktor" gefeiert, von Ärzten als Quacksalber verspottet. Geboren wurde er vor 200 Jahren, am 17. Mai 1821.

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    • BR24 Redaktion

    Wenn der eigene Name zum Verb wird, dann hat man es geschafft. Das Kneippen ist nach dem Pfarrer Sebastian Kneipp benannt, der das Wassertreten, die Wasserkuren und die Kalte-Bäder-Therapie entwickelt hat.

    Über Umwege zum Theologiestudium

    Das nach ihm benannte Kneippen wurde 1934 als eigenständiges Wort in den Duden aufgenommen. Zur Welt kam Kneipp am 17. Mai 1821 in Stephansried bei Ottobeuren im Unterallgäu. Er wurde in eine arme Weberfamilie geboren und musste schon als Kind arbeiten.

    Erst mit Mitte 20 beendete er das Gymnasium und begann Theologie in Dillingen an der Donau und in München zu studieren. Damals litt er an Tuberkulose und während der Krankheit fiel ihm ein besonderes Buch in die Hände: "Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen" von Johann Siegmund Hahn.

    Kneipp entwickelte Kalte-Bäder-Therapie weiter

    Kneipp testete seine Kalte-Bäder-Therapie an sich selbst, verfeinerte sie und wandte sie auch an anderen Patienten an. Nachdem er immer mehr Zulauf bekam, erhielt er den Namen "Wasserdoktor", was aber auch Neider auf den Plan rief: Ärzte und Apotheker beschimpften Kneipp als Quacksalber.

    1855 kam er nach Wörishofen im Unterallgäu. Dort entwickelte er die Hydrotherapie zu einer ganzheitlichen Naturheilkunde mit fünf Wirkprinzipien weiter. Zur Heilkraft des Wassers kamen Heilpflanzenanwendungen, gesunde Ernährung, Bewegung und Ordnung, was Kneipp als Ausgeglichenheit der Seele definierte.

    Therapieansätze sind bis heute aktuell

    Kneipps Ansätze sind auch heute noch aktuell: Als erstes Ziel von Wassergüssen und Kräutergaben als Tee und Tinktur definierte Kneipp die Prävention von Krankheiten. Aber auch Schmerzlinderung und Heilung versprach er durch sein Konzept. So ließen sich auch Erzherzog Joseph von Österreich und Papst Leo XIII. für das Kneippen begeistern. Es war aber keineswegs eine Luxusbehandlung - Kneipp behandelte Arme kostenlos.

    Kneipp förderte mehrere Sozialeinrichtungen

    In Wörishofen löste sein Wirken einen Massenansturm aus. Das Dorf bekam einen Bahnanschluss und entwickelte sich zu einer Kurstadt. Den Ausbau förderte Kneipp mit der Stiftung mehrerer Sozialeinrichtungen aus seinen beträchtlichen Einnahmen. Kneipp starb am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren. Sein Name beschert der "Gesundheitsstadt" Bad Wörishofen bis heute eine hohe Zahl an Besuchern: 654.099 Übernachtungen waren es im Jahr 2019.

    Bad Wörishofen gedenkt seinem berühmten Bürger zum 200. Geburtstag mit Ausstellungen, Vorträgen und Konzerten. Auch ein Festgottesdienste ist für den 16. Mai geplant, bei dem u.a. der Augsburger Bischof Bertram Meier dabei sein soll. Freilich stehen alle Pläne unter Corona-Vorbehalt.

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