BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Klimaneutral in die Zukunft? Neue Ideen beim Designfestival | BR24

© Audio: BR / Bild: ökoRAUSCH

Erweitere dein Bewußtsein durch Design - ein Motto des Festivals. Mit diesem Flowerprint kein Problem.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Klimaneutral in die Zukunft? Neue Ideen beim Designfestival

Wie können wir möglichst klimaneutral leben? Müssen PCs immer in einem Plastikgehäuse stecken? Lässt sich Kleidung von der Stange nicht selbst gestalten? Im Kölner Museum für Angewandte Kunst hat die Zukunft schon begonnen.

Per Mail sharen
Von
  • Sabine Oelze

Die Zukunft der Mode ist bunt. Und kommt aus Afrika, genauer gesagt, aus dem Kibera-Viertel in Nairobi. In einem der größten Slums von Kenia arbeitet der Modedesigner David Ochieng alias Avido. Er betreibt dort sein Label "Lookslike Avido", mit dem er nachhaltige Mode aus Afrika für die ganze Welt produziert. Sein Partner in Deutschland, Ruven Börger, stellt das Label auf dem Festival ÖkoRausch vor.

Zu sehen sind etwa drei Blousons mit afrikanischen Mustern, die die Firma produziert hat: Kleidung aus hundert Prozent Baumwolle. Das Endprodukt kann der Kunde auf der Webseite selbst gestalten, Stoffe auswählen und zusammenstellen. Der Kunde hat die Möglichkeit, das Kleidungsstück nach eigenem Geschmack zu gestalten.Das spart Lagerkapazität, sorgt für weniger Müll und stärke lokale Strukturen. Ökologie spiele dabei eine ebenso große Rolle wie Empowerment, also die Stärkung des afrikanischen Selbstbewusstseins.

Feuerwerk kreativer Ideen

Das Festival ÖkoRausch in Köln präsentiert bereits zum fünften Mal nachhaltige Design-Innovationen. Es geht darum, grüne Produkte vorzustellen, neue Werte zu vermitteln, aber auch auf die Gesellschaft zu wirken, sie umweltfreundlich zu gestalten, sagt Dunja Karabaic, eine der Initiatorinnen. Das Thema Klimawandel, Klima, Anpassung – sei schließlich nicht mehr aus der Welt zu bekommen. Deshalb, so Karabaic weiter, möchte man möglichst viel Bewusstsein dafür schaffen, dass man auch anders umgehen könne mit der Welt. Es gehe auch darum, mit ein bisschen mehr Mut zu schauen, dass es schon viele Beispiele gäbe, die man nachahmen könne.

Computer mit Pappgehäuse & Biogas-Rucksäcke

"Shiftphones" heißen sie: modulare, leicht zu reparierende Smartphones, hergestellt von einem kleinen Familienunternehmen in Hessen. "Studio Persea Design" aus Dortmund etwa stellt aus Abfällen wie Avocadokernen und Kokosnüssen stilvolle Leuchten und Vasen im 3-D-Drucker her. Erstaunlich auch, was sich alles aus Pappe herstellen lässt. Das Startup "Pappenheimer" entwickelt Pappgehäuse für den beliebten Minicomputer Raspberry.

Genial ist auch der Biogas-Rucksack. Er sieht aus wie eine gigantische Einkaufstasche, die sich auf den Rücken schnallen lässt. Der Inhalt: Biogas, hergestellt aus Küchenabfällen oder Tierdung. Das sei, weiß Dunja Karabaic, gerade in Ländern Afrikas, wo die Infrastruktur nicht so gut ist, wichtig. Denn man kann man sich an Stellen, wo Gas vergoren wird, den Rucksack befüllen. Er ist riesig, zwei Meter breit, aber sehr leicht. "Ist schließlich nur Gas." Man könne ihn umschnallen und damit vielleicht fünf Kilometer zu einem Haus laufen und dort dann kochen. Und das Entscheidende daran sei, dass man kein Holz mehr brauche, um zu kochen. Und das ist besonders umweltfreundlich. Eine Technik, die die Leute in die Lage versetzt, selbst zu handeln, ohne Abhängigkeiten zu erzeugen.

© ÖkoRausch

Du selbst bist der Dünger: "Schlaraffenstadt 2040" von Sabrina Großkopp

Bei so vielen kreativen und zugleich simplen Ideen fragt man sich, warum so wenige davon in unserem Alltag zu finden sind. Noch immer brauchen Designer viel Idealismus, um sich auf dem Markt zu behaupten. Sabrina Großkopp blickt mit ihrem Projekt "Schlaraffenstadt 2040" in die Zukunft. In 20 Jahren könnten die Bürger von Oberhausen ihre Lebensmittel selbst in der Stadt anbauen. Dafür sollen sie ihre Ausscheidungen gegen Nahrung tauschen. Ein fiktives Recyclingsystem, bei dem Dünger aus Biomüll und Exkrementen gewonnen wird. Für die Eingaben gibt es eine Belohnung in Form von Bonuspunkten. Teil der Anlage, so Sabrina Großkopp, sei auch ein Toilettensystem, das digitalisiert ist. Es misst, was der Einzelne ins System gibt, dafür bekommt er dann Bonuspunkte. Salopp gesagt ist das die Art und Weise, wie man aus Scheiße Gold machen könne, lächelt Großkopp.

Handlungsanleitung für eine bessere Welt ...

ÖkoRausch präsentiert nicht nur viele Konzepte, sondern auch Workshops und eine kleine Extra-Ausstellung zur wissenschaftlichen Vertiefung. So sollen Theorie und Praxis miteinander ins Gespräch kommen. Es gehe auch ums Netzwerken, erläutert Dunja Karabaic. So werden hier auch Hintergrundinformationen geliefert, Adressen angegeben, an die sich Interessierte wenden können. Karabaic sagt: "Wenn man motiviert ist und denkt, Mensch, das hat mich jetzt aber sehr inspiriert, dass die Methode möglich ist, der findet hier allerlei Informationen, um im besten Fall das Museum zu verlassen und gleich handeln zu können."

ökoRAUSCH Festival – noch bis 24. September im Kölner Museum für Angewandte Kunst.

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!