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"Klimahysterie" ist Unwort des Jahres 2019 | BR24

© dpa/picture alliance

Klimahysterie: Unwort des Jahres 2019

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    "Klimahysterie" ist Unwort des Jahres 2019

    "Klimahysterie" ist Unwort des Jahres 2019. Der Ausdruck diffamiere die gegenwärtigen Umweltschutzbewegungen, so die Jury der sprachkritischen Aktion "Unwort des Jahres" am Dienstag in Darmstadt. Kritisiert werden auch "Umvolkung" und "Ethikmauer".

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    "Mit dem Wort 'Klimahysterie' werden Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert. Der Ausdruck wurde 2019 von vielen in Politik, Wirtschaft und Medien – von der F.A.Z. über Unternehmer bis hin insbesondere zu AfD-Politikern – verwendet. Er pathologisiert pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose. Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen." So begründet die Jury die Wahl.

    In die engere Wahl der Jury kamen dieses Jahr Worte wie "Verschmutzungsrechte", "Ethikmauer", "Bauernbashing", "Ökodiktatur" oder "Umvolkung": Nach Angaben der unabhängigen sprachkritischen Initiative "Unwort des Jahres" sind bis 31. Dezember 2019 insgesamt 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen eingereicht worden.

    Die Unworte der vergangenen Jahre

    In den "Unworten" spiegeln sich stets die Debattenschwerpunkte der Zeit: 2018 war es der von Alexander Dobrindt (CSU) geprägte Ausdruck "Anti-Abschiebe-Industrie", 2017 "alternative Fakten", ein Ausdruck, der Falschbehauptungen auf das Level von Tatsachenwahrheiten hebt. 2016 wählte die Jury "Volksverräter" zum "Unwort des Jahres", um auf die alarmierende Konjunktur dieses aus diktatorischen Zeiten Deutschlands stammenden Begriffs aufmerksam zu machen. 2015 war das im Zuge der Flüchtlings-Debatte despektierlich gebrauchte Wort "Gutmensch" gekürt worden, 2014 "Lügenpresse", ein aus der NS-Zeit stammender Begriff, der häufig wieder bei Pegida-Demonstrationen auftaucht.

    Sprache, die gegen Demokratie verstößt

    Die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Initiative wählt jährlich aus den Vorschlägen, die alle Bürger*innen einsenden können, ein "Unwort" aus, das nach Einschätzung der Jury gegen die Prinzipien der Demokratie und Humanität verstößt oder Missstände verschleiert.

    Zur institutionell unabhängigen und ehrenamtlich arbeitenden Jury gehören in diesem Jahr die Sprachwissenschaftler Professor Dr. Nina Janich (TU Darmstadt), Dr. Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Professor Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Professor. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der Autor und freie Journalist Stephan Hebel. Als kooperiertes Mitglied war dieses Jahr der Kabarettist Urban Priol im Boot.

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