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Kleiner Fünf: Radikale Höflichkeit gegen Rechtspopulismus | BR24

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Die Initiative "Kleiner Fünf" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Demokratie zu stärken. Ihr erklärtes Ziel: Rechtspopulistische Parteien sollen aus den Parlamenten gewählt werden.

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Kleiner Fünf: Radikale Höflichkeit gegen Rechtspopulismus

2021 stehen sechs Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. Die Initiative "Kleiner Fünf" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Demokratie zu stärken. Ihr erklärtes Ziel: Rechtspopulistische Parteien sollen aus den Parlamenten gewählt werden.

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Von
  • Iris Tsakiridis

Die Verrohung des politischen Dialogs kann Jasmin Fick nicht hinnehmen. Die PR-Beraterin möchte Haltung zeigen und kämpft seit 2017 gegen den Rechtspopulismus. Die Trump-Wahl, der Brexit und das Erstarken der AfD waren für sie der Auslöser, sich bei "Kleiner Fünf" zu engagieren. Das Ziel der Initiative ist, dass die AfD künftig weniger als fünf Prozent der Wählerstimmen bekommt und somit langfristig aus den Parlamenten verschwindet.

Doch es geht dabei nicht nur um diese eine Partei. "Rechtspopulistische Positionen werden hauptsächlich von der AfD vertreten", sagt die Aktivistin, "aber es bedienen sich auch andere Politikerinnen und Politiker an diesen Sprachbildern."

Rechtspopulismus soll an Fünf-Prozent-Hürde scheitern

Die 170 Mitglieder von "Kleiner Fünf" möchten Menschen mit politischer Bildungsarbeit an Schulen, Universitäten und in der Erwachsenenbildung wachrütteln. Die Initiative finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Projektgelder. In diesem Jahr haben sich Jasmin Fick und ihre Mitstreiter viel vorgenommen. Sechs Landtagswahlen und eine Bundestagswahl werden für neue politische Machtverhältnisse sorgen.

Die Politikwissenschaftlerin Marlene Schönberger forscht seit gut zwei Jahren forscht am Projekt "For Democracy" und beschäftigt sich mit der Zukunft der Demokratie in Deutschland. "Die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sagt, es gibt durchaus Anlass zur Sorge", so Schönberger, "weil rechtspopulistische Tendenzen, wie Rassismus, immer weiter verbreitet sind und das nicht nur an den sogenannten Rändern der Gesellschaft."

Radikale Höflichkeit

Zur Bildungsarbeit von "Kleiner Fünf" gehören Kommunikationstipps für den Alltag, etwa für hitzige Gespräche mit Rechten und ihren Sympathisanten, sei es auf Familienfeiern oder in der Öffentlichkeit. Das Motto dabei: "Radikale Höflichkeit". Diskriminierende Bemerkungen sollen nicht einfach stehen gelassen werden.

"In manchen Fällen kann eine Diskussion über Begriffe sehr fruchtbar sein. Frag zum Beispiel nach, was und wen dein Gegenüber eigentlich mit 'Wirtschaftsflüchtling' meint." Tipp von der Kleiner-Fünf-Webseite

"Jede Aussage, die unwidersprochen bleibt, bekommt damit eine Zustimmung", sagt Jasmin Fick. "Das führt dazu, dass die Menschen, die diese Aussagen treffen, glauben, dass diese in unserer Gesellschaft toleriert würden." Gegenrede sei nicht einfach, findet Jasmin Fick, aber sie lohne sich.

Ruhig und beim Thema bleiben

Wichtig ist, ruhig zu bleiben und das Gegenüber nicht zu provozieren oder vor anderen bloßzustellen. Bei Freunden, Verwandten, Arbeitskollegen oder Bekannten sei es sinnvoll, später in einer ruhigen Minute unter vier Augen ein klärendes Gespräch zu führen.

"Überzeugte RechtspopulistInnen werfen gerne alles in einen Topf: Europa, Islam, Geschlechterbeziehungen, Medien etc.. Lasse dich von dieser Flut an Themen nicht treiben. Dein Gegenüber will damit nur von Widersprüchen in der eigenen Argumentation ablenken. Beharre darauf, über ein Thema konkret zu sprechen und nagle dein Gegenüber auf dem fest, was er oder sie sagt." Tipp von der Kleiner-Fünf-Webseite

Die private initiative "Kleiner Fünf" möchte 2021 alle Wahlen mit Kampagnen begleiten. Auf Social Media oder auf Demos wollen sie vor allem junge Wähler ansprechen und so den politischen Einfluss der Rechtspopulisten zurückzudrängen.

Mehr zum Thema sehen Sie in STATIONEN am 27. Januar 2021 im BR Fernsehen oder in der BR Mediathek.