BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Klassikstiftung Weimar: Tausende von "Raubkunst"-Archivalien | BR24

© dpa

Archiv-Saal der Klassikstiftung Weimar

Per Mail sharen

    Klassikstiftung Weimar: Tausende von "Raubkunst"-Archivalien

    Bei rund 10.000 Büchern im jetzigen Besitz der Klassikstiftung Weimar konnte die genaue Herkunft bisher nicht geklärt werden: Sie kamen in der NS-Zeit in den Bestand und könnten "Raubkunst" sein. Nachforschungen sollen Aufklärung bringen.

    Per Mail sharen

    Neben vielen tausend Büchern besteht nach Angaben der Stiftung auch bei knapp 900 Gemälden, Grafiken und Archivalien aus den Museen und dem Goethe- und Schiller-Archiv der Verdacht, dass jüdische Vor-Eigentümer zwangsenteignet wurden. Seit 2009 forscht die Stiftung intensiv zu NS-Raubgut in ihren Sammlungen, auch mit Mitteln des Bundes. Gewöhnlich hält sich das Interesse der möglichen Erben, der Rechtsanwälte und der Öffentlichkeit bei "Raubkunst"-Büchern in Grenzen, weil diese auf dem Antiquariats-Markt selten höhere Preise erzielen und häufig nur einen "ideellen" Wert haben. 

    Goethe-Briefe beschlagnahmt

    Dennoch will die Klassikstiftung das Thema weiter bearbeiten. Im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar sollen nach und nach Archivalien mit dubioser Herkunft ausgestellt werden.  Das beginnt mit einem Brief, den Goethe im Jahr 1827 an Caroline von Wolzogen, Schillers Schwägerin, geschrieben hatte. Diesen sowie einen weiteren Goethe-Brief hatte die Geheime Staatspolizei (Gestapo)  im Jahr 1939 bei Josephine Lechner, einer in Wien lebenden Jüdin, beschlagnahmt. Über Berlin gelangten die Briefe nach Weimar zum Thüringischen Reichsstatthalter Fritz Sauckel, der sie an das Goethe- und Schiller-Archiv übergab. Nach intensiven Forschungen konnte die Klassik Stiftung beide Goethe-Briefe im November 2011 an die rechtmäßigen Erben zurückgeben.

    Arbeitsgruppe "NS-Raubkunst"

    Mit einem Vortrag am 25. November 2015 um 18 Uhr in der Petersen-Bibliothek des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar will die Klassik Stiftung eine regelmäßige Vitrinen-Ausstellung eröffnen, bei der Dokumente präsentiert werden. Provenienzforscher der Klassik Stiftung geben einen Einblick in ihre Arbeit. Seit 2009 verwirklicht die Klassik Stiftung Rechercheprojekte zu NS-Raubgut. 2011 ist diese Aufgabe auch in das Leitbild der Stiftung eingegangen. Alle Projekte werden durch eine ebenfalls seit 2009 in der Klassik Stiftung etablierte Arbeitsgruppe NS-Raubgut begleitet. Ihr zur Seite steht seit 2014 ein Fachbeirat.