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Klassiker-Empfehlungen: Diese Bücher können gute Begleiter sein | BR24

© picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Die berühmtesten Windmühlen der Weltliteratur. Die Bauwerke in der Nähe der spanischen Gemeinde Consuegra inspirierten Miguel de Cervantes.

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    Klassiker-Empfehlungen: Diese Bücher können gute Begleiter sein

    Nachrichten sind die Textform der Stunde, zu Recht. Andererseits könnte jetzt auch die Gelegenheit sein, Werke der Weltliteratur neu zu lesen. Nicht weil sie uns die Krise erklären, sondern weil sie großartig sind. Fünf Tipps für den Büchertisch.

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    Von
    • Niels Beintker

    Miguel de Cervantes' "Don Quijote"

    Da ist zum Beispiel der großartige Roman über einen trefflichen und tapferen Hidalgo, mit dem – ganz nebenbei – die Literatur der Neuzeit beginnt. Dieser Edelmann – Don Quijote von der Mancha – ist um die 50, von zähem Leib und hagerem Wuchs. Zudem ein leidenschaftlicher Frühaufsteher und ein Liebhaber der Jagd. Und mehr noch: ein Liebhaber von Rittergeschichten. Da er den lieben langen Tag in den alten Büchern verschwindet, hat er den Verstand verloren.

    Dennoch ist Don Quijote einer der liebenswertesten Helden der Weltliteratur. Miguel de Cervantes schickt ihn als fahrenden Ritter auf eine lange Reise. Zusammen mit seinem Knappen Sancho Panza besteht Don Quijote eine Vielzahl von Abenteuern, stets zu Ehren der verehrten wie unerreichbaren Herzensdame Dulcinea. Viele sind bekannt, etwa der kühne Kampf des Hidalgos gegen die Windmühlen oder sein Feldzug gegen die Schafe. Der Roman aus dem frühen 17. Jahrhundert feiert die Außenseiter und die großartige Zaubermacht der Fantasie. Eine Neuübersetzung stammt von Susanne Lange.

    © picture alliance

    Laurence Sterne, Autor des Romans "Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien"

    Laurence Sternes "Empfindsame Reise"

    "In Frankreich, sagt' ich, geht man die Chose besser an": Mit diesen Worten beginnt Laurence Sternes Roman "Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien", erschienen 1768. Der erste Satz ist mehr als gut gewählt. Denn die Frage, welche Chose denn nun eigentlich gemeint ist, was es mit ihr auf sich hat, begleitet die Reise durch die Geschichte. Wie die Antwort ausfällt, liegt an uns, die wir Sternes Alter ego Mr. Yorick folgen. Und folgen können wir diesem Erzähler bei der Erkundung einer anderen Welt jederzeit.

    Laurence Sternes Roman gab gleich einem ganzen Zeitalter – dem der Empfindsamkeit – den Namen. In Deutschland assoziierte man damit gerne Innerlichkeit, Sentimentalität und Melancholie. Derweil ist dieser Roman voller Witz und Komik, typisch Sterne eben. Und er empfiehlt eine besondere Haltung: das Reisen mit dem offenen Herzen. Das, das offene Herz, ist eine gute Anregung auch für die Tage und Wochen, in denen wir nicht reisen können. Michael Walter hat das Gesamtwerk von Laurence Sterne übersetzt, so auch die „Empfindsame Reise“. Den zweiten Roman Sternes – "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" – gibt es übrigens auch als Hörspiel in einer Produktion des Bayerischen Rundfunks.

    © picture alliance/Photo12

    Ein anderer Blick auf einen der Großen der Weltliteratur: Gustave Flaubert

    Gustave Flauberts "Madame Bovary"

    Mit Superlativen sollte man zurückhaltend sein, im Fall von Gustave Flauberts "Madame Bovary" ist dieser hehre Vorsatz aber schwierig einzuhalten. Der Roman, im Herbst 1856 zunächst in einzelnen Folgen in der "Revue de Paris" veröffentlicht, ist ein Hauptwerk der literarischen Moderne. Er führt seinen Leserinnen und Lesern die ganze menschliche Existenz vor Augen, in all ihren Facetten, in allen Irrungen und Widersprüchen.

    Das Erscheinen von Gustave Flauberts Debüt sorgte für einen handfesten Eklat. Der Schriftsteller musste sich vor Gericht verantworten, da sein Roman die öffentlichen Sitten und auch die Religion verletzt haben sollte. Er wurde freigesprochen. "Madame Bovary" wäre vermutlich auch ohne diese unbeabsichtigte Öffentlichkeitsarbeit juristischer Art weithin bekannt geworden. Die Geschichte der Apothekers-Gemahlin in der französischen Provinz ist voller Radikalität, immer wieder unerbittlich und böse und letztlich tieftraurig. Eine neue Übersetzung stammt von Elisabeth Edl.

    © picture alliance/United Archives/WHA

    Die amerikanische Dichterin Emily Dickinson

    Emily Dickinsons Gedichte

    Fast 1.800 Gedichte hat die amerikanische Lyrikerin Emily Dickinson im Lauf ihres Lebens (1830-1886) geschrieben. Zu ihrer Biografie gehört die traurige Tatsache, dass dieses beeindruckende poetische Werk in seiner Bedeutung erst nach dem Tod der Dichterin überhaupt erkannt wurde. Emily Dickinson schrieb ohne Publikum. Manche ihrer Texte fügte sie ihren Briefen bei, zwei Drittel hingegen gelangten erst posthum an die Öffentlichkeit. Emily Dickinson zählt zu den großen Außenseiterinnen der Literaturgeschichte.

    Ihre Verse sind voller Schönheit und auch voller Modernität. Die deutsche Übersetzung des Gesamtwerks von Gunhild Kübler zeigt das immer wieder. Wir können uns verlieren in den Worten, Zeilen und Bildern, wo immer wir auch beginnen mit der Lektüre. An den Gekreuzigten gerichtet schrieb Emily Dickinson zum Beispiel: "dein zweit Gesicht / Erinnere dich im Paradies / An unseres!" Ein Bild des Trostes und der Zuversicht. Um ein anderes Gedicht leicht abzuwandeln ("To see her is a picture"): Diese Verse nicht zu kennen, ist Trübsal.

    © dpa Bilderdienste

    Porträt des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann.

    Thomas Manns "Joseph und seine Brüder"

    "Tief ist der Brunnen der Vergangenheit": Der Auftakt zu den vier Joseph-Romanen von Thomas Mann gibt die Richtung vor. Es gilt, mit dem Erzähler, dem raunenden Beschwörer des Imperfekts, in die Tiefe der Zeit zurückzugehen. Aus der bekannten Geschichte aus dem Alten Testament hat Thomas Mann einen gewaltigen Romanzyklus gestaltet. Die Geschichte des zuerst reichlich eitlen Joseph, der von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft wurde, wurde mehr und mehr zu einem Roman über Thomas Manns Gegenwart, über Vertreibung, Diktatur, Exil und das Leben in Amerika. Ferne Vergangenheit und unmittelbare Zeit fanden zusammen.

    Die vier Romane standen in der Rezeption lange im Schatten von Thomas Manns "Zauberberg" wie auch von "Doktor Faustus". Im Rahmen der großen Frankfurter Ausgabe der Werke Thomas Manns sind sie in einer umfassenden Neuausgabe erschienen, kommentiert unter anderem vom Ägyptologen Jan Assmann. Neben einer kritischen Textfassung wird so auch Thomas Manns intensive Auseinandersetzung mit der alten ägyptischen Welt umfangreich rekonstruiert. Zu entdecken ist nunmehr ein Hauptwerk des Literaturnobelpreisträgers.

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