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Kirchentag im Zeichen des Kreuzes und der Nachhaltigkeit | BR24

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Der 37. Deutsche evangelische Kirchentag will ganz bewusst mit Mut in die Zukunft schauen, aus Krisen Chancen machen - auch bei den großen Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit. Mit dabei sind Schülerinnen und Schüler von "Fridays for Future".

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Kirchentag im Zeichen des Kreuzes und der Nachhaltigkeit

Der 37. Deutsche evangelische Kirchentag will ganz bewusst mit Mut in die Zukunft schauen, aus Krisen Chancen machen - auch bei den großen Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit. Mit dabei sind Schülerinnen und Schüler von "Fridays for Future".

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Das Motto des Kirchentags in diesem Jahr lautet "Was für ein Vertrauen". In Sachen Nachhaltigkeit dürfen die Besucher jedenfalls auf einen großen Aufwand vertrauen:

"Der Kirchentag ist die einzige Großveranstaltung in Deutschland, die EMAS zertifiziert ist und damit ein Ökosiegel hat für ihre Nachhaltigkeit. Und das zieht sich durch die ganze Organisation des Kirchentags." Pfarrer Steve Kennedy

Steve Kennedy Henkel, Pfarrer aus München, ist derzeit ausgeliehen für die Organisation des Evangelischen Kirchentags in Dortmund.

Vertrauen und zertifizierte Nachhaltigkeit auf dem Kirchentag

Der Kirchentag ist ein Massenevent für Hunderttausend Menschen, ist eine Veranstaltung mit Biosiegel und regionaler Verpflegung. Es gibt kein Plastik, dafür grünen Strom und CO2-Ausgleich.

Schon in den siebziger Jahren war der Kirchentag DIE Plattform in Deutschland für die Ökobewegung, noch bevor sich die Grünen gründeten. Jetzt gibt’s Aufschwung fürs alte Thema von unerwarteter Seite, auch "Fridays for Future"-Aktivisten kommen und diskutieren mit – und die Jugendlichen finden es gut, dass hier ernst gemacht wird mit Nachhaltigkeit.

"Wir haben beim Essen darüber geredet, dass es eigentlich cool ist, dass alles so regional ist, und dass es kein Plastikgeschirr gibt. Das ist echt stark hier, dann mache ich das im privaten Bereich auch." Kirchentagsbesucher

Fridays-for-Future-Jugendliche als Inspiration

Auf jedem Kirchentag diskutieren Politiker anders. Unzählige Organisationen und Aktivisten tauschen sich hier aus - auch über Nachhaltigkeit, zum Beispiel in der Messehalle, die umbenannt wurde in "ZENTRUM Stadt und Umwelt". Klaus Breyer baut seit Tagen dort Stände auf.

"Ich glaube, dass Fridays-for-Future-Aktivisten hier sehr viele Bündnispartner treffen, die seit langen Jahren auch sich abgerackert haben. Ich weiß, sie werden mit offenen Armen hier empfangen. Weil sie die Sachen aus ihrer Generationenperspektive, für die wir gekämpft haben, noch einmal auf den Punkt bringen. Es ist ja wirklich sehr sehr wenig Zeit nur noch."

Altes Thema mit neuer Dringlichkeit

Der ehrenamtliche Kopf des Evangelischen Kirchentags in Dortmund, der Präsident des Kirchentags, ist dieses Mal der Investigativjournalist Hans Leyendecker. Er sagt: Gewarnt und gemahnt wurde auf dem Kirchentag schon lange nach dem Motto "Schöpfung bewahren" – doch auch er erhofft sich von den Jugendlichen jetzt eine neue Dringlichkeit.

"Carl-Friedrich von Weizsäcker, wer alles da war und früh gewarnt hat. Aber manchmal ist es mit den Warnungen auch so, dass sie nicht aufgenommen werden und jetzt begreifen doch ganz viele im Moment durch die Anregung der Jungen, wir können nicht mehr unser normales Programm machen, dass wir eine Kommission gründen." Kirchentagspräsident Leyendecker

Sorge vor Systemveränderern von Rechts

Weit über 2.000 Veranstaltungen in Dortmund, bis Sonntag: Es geht um Angst und Wandel der Gesellschaft; Klimawandel ist nur ein Aspekt der großen Zukunftsangst. Wir leben in einer seltsamen Zeit, sagt Hans Leyendecker.

"Wer hätte gedacht, dass in Deutschland Leute Unterstützung finden würden, die über die Abschaffung der Demokratie nachdenken, Systemveränderer von ganz rechts. 188-Grad-Wende der Erinnerungskultur, die Nazizeit ein 'Vogelschiss', Überlegungen, auf Flüchtlinge an der Grenze zu schießen. Wer hätte gedacht, dass solche Parolen, dass die rabiate Missachtung der Menschenwürde so einen Resonanzboden in dieser Stadt finden würde."

Am Abend wird sich die Dortmunder Innenstadt in ein Kerzenmeer verwandeln, ab morgen trifft sich die Politprominenz mit Wissenschaftlern und Religionsvertretern, und dann geht’s auf ganz verschiedene Weise darum, Zukunft zu gestalten – NACHHALTIG.