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Im Münchner Pfarrverband Haidhausen wurde ein Raum zur Kleiderkammer, andernorts sind Geflüchtete selbst aufgenommen worden.

Bildrechte: Picture Alliance/dpa/Peter Kneffel
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Kirchenobdach für Ukraine-Geflüchtete – Wäre mehr möglich?

Klöster, Pfarrheime, Gemeindesäle: Die Kirchen besitzen etliche Immobilien, viele davon stehen leer. Dabei wird derzeit händeringend nach verfügbaren Räumlichkeiten für Ukraine-Geflüchtete gesucht. Bleibt die Kirche hinter ihren Möglichkeiten zurück?

Von
Martin SchmidMartin Schmid
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Statt Franziskanerinnen sollen im ehemaligen Kloster St. Elisabeth unweit des Augsburger Doms jetzt Geflüchtete unterkommen. Auf drei Stockwerken können bis zu 90 Menschen aus der Ukraine einziehen, eben dort, wo bis vor zwei Jahren noch Franziskanerinnen von Maria Stern ansässig waren.

Eigentlich war in dem ehemaligen Klostergebäude eine Kindertagesstätte in Trägerschaft des diözesanen Schulwerks vorgesehen. Doch die Planungen dafür ziehen sich. Also entschieden die Verantwortlichen, vorübergehend Geflüchtete aus der Ukraine in dem ehemaligen Kloster aufzunehmen.

Größte Herausforderung Materialmangel

Seitens der Stadt Augsburg war ein bezugsfertiges Gebäude Voraussetzung: Alles, was man zum Leben braucht, sollte da sein – also unter anderem Möbel, Handtücher, Geschirr. In jedem der Doppel- oder Viererzimmer steht nun ein Kühlschrank. Eine logistische Herausforderung, zumal das Schulwerk der Diözese Augsburg als solches mit der Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft eigentlich "nichts zu tun hat", sagt dessen Direktor Peter Kosak. "Plötzlich 50 Kühlschränke, 50 Stockbetten – das müssen Sie alles verteilen, aufbauen."

Der Augsburger Bischof Bertram Meier zu Besuch im umfunktionierten Franziskanerinnen-Kloster St. Elisabeth.

Bildrechte: Pressestelle Bistum Augsburg/Julian Schmidt

Im dritten Stock gibt es nun sogar ein paar ruhige Räume, in denen beispielsweise Schüler ihre Hausaufgaben machen können. Sanitäranlagen und Küchen müssen gemeinsam benutzt werden.

Etwa 300 Arbeitsstunden haben die Mitarbeiter von Peter Kosak in den letzten Wochen investiert, um das Gebäude flott zu kriegen. Das größte Problem sei die derzeitige Materialknappheit gewesen, der Schulwerks-Direktor spricht von einem "Gewaltakt". Unterm Strich ist Kosak aber zufrieden mit dem Ergebnis "mitten in der Stadt direkt am Dom". Für ihn steht fest: "Besser geht's nicht, mit Garten. Also man sieht, es geht in Deutschland auch sehr unbürokratisch und schnell."

Architekt: Immobilien-Potenzial der Kirchen vielfach ungenutzt

Laut dem Architekten Christian Taufenbach ist das Augsburger Flüchtlingswohnheim allerdings nicht repräsentativ für den Umgang der Kirche mit ihren Immobilien. Er spricht aus Erfahrung, denn in seinen Architekturbüros in München und Heidelberg arbeitet er immer wieder auch für die Kirche. Leerstehende Klöster, Kirchen oder brachliegende Grundstücke in guten Lagen: Die Kirchen in Deutschland hätten mehr Potenzial, um Wohnraum zu schaffen – nicht nur für Geflüchtete. Aber: "Es gibt das Kirchenlied: 'Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land'. Diese Kirche gibt es nicht mehr. Das ist natürlich schwer für Kirchenangehörige, sich das einzugestehen und dann auch anzufangen, zu handeln."

Es gebe gute Beispiele, sagt Taufenbach, wie kirchliche Gebäude und Grundstücke neu genutzt werden. Dazu gehöre das Hospiz, das in München-Giesing auf dem Grundstück eines evangelischen Gemeindezentrums entstehen soll. Solche Projekte könnten wirtschaftlich tragfähig sein und blieben langfristig unabhängig von Steuereinnahmen und Mitgliederzahlen. Die Kirchen müssten nur mehr davon anstoßen, denn: "Dieser Auftrag, also gerade auch für Geflüchtete da zu sein, ist ein im Kirchenverständnis konstitutives Element", sagt Taufenbach. "Vielleicht fehlt es da an der Übertragung auf den wirklich nicht unbedeutenden Immobilienbesitz."

Bistum Würzburg: Mehr als 460 Wohnplätze für Ukraine-Geflüchtete

In Augsburg habe das katholische Schulwerk einstweilen sein Potenzial ausgeschöpft, sagt Direktor Peter Kosak. An drei weiteren Standorten, darunter am Kloster St. Ottilien, werde Wohnraum zur Verfügung gestellt. Das Schulwerk verlange an allen Standorten nur die Betriebskosten, aber keine Miete.

Auch andernorts gibt es zahlreiche Initiativen für Geflüchtete aus der Ukraine: Das Bistum Würzburg etwa listet mindestens 460 Wohnplätze auf. Evangelische Organisationen wie die Diakonie sammeln Spenden, in München etwa bietet der evangelische Wohlfahrtsverband psychologische Unterstützung für traumatisierte Menschen an.

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