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Kirchenidee ohne Kirche: Soziales Wirtschaften als neuer Trend | BR24

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    Kirchenidee ohne Kirche: Soziales Wirtschaften als neuer Trend

    Immer mehr junge Unternehmer setzen nicht mehr nur auf Gewinnmaximierung. Social Entrepreneurship ist en vogue. Bei den Kirchen, die eigentlich für sozial-caritatives Engagement stehen, ist dieser Trend aber noch wenig präsent.

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    Nicht erst Papst Franziskus sieht die Folgen eines scheinbar weltweit erfolgreichen Raubtier-Kapitalismus kritisch, auch viele junge Wirtschaftsstudierende sind längst nicht mehr nur an schnellem Geld und einem luxuriösen Leben interessiert. Kristina Notz, Direktorin der Social Entrepreneurship Akademie in München sieht einen neuen Trend: Es gehe weniger um Konsum, denn um einen Job mit Sinn. Viele fragen: "Was tue ich eigentlich, wofür setze ich meine Arbeitskraft ein. Ist es für irgendein Produkt oder bewirkt dieses Produkt etwas Gutes, ist es etwas Neues?" Oft höre sie von Studierenden, dass sie die Welt verändern oder besser machen wollten.

    Bei den Kirchen ist das Sozialunternehmertum noch wenig verbreitet

    "Social Entrepreneurship", soziales Unternehmertum, nennt sich dieser Trend, der in Deutschland seit 2010 dabei ist, aus dem Nischendasein herauszutreten. Das Themenspektrum reicht Kristina Notz zufolge von Ökologie bis zur Integration Geflüchteter. Die Kirchen als große Player im sozial-caritativen Bereich seien allerdings bislang kaum vertreten. "Es gibt bisher noch sehr wenige Berührungspunkte zwischen der Social Entrepreneurshipszene und der kirchlichen Welt oder religiösen Ansätzen, obwohl aus meiner Sicht vieles klassisch der Katholischen Soziallehre entspringt." Die Kirche sei unter jungen Leuten nicht besonders en vogue. Auch wenn manche Sozialunternehmer Probleme lösen würden, die auch die Kirche löse, wie etwa das Kloster Andechs zeige. "Das ist im Prinzip ein Sozialunternehmen."

    Ökonom Jeffrey Sachs: Es braucht mehr Vernetzung

    Es gibt allerdings auch einige Gruppierungen von Christen verschiedener Kirchen, die unternehmerisch tätig sind. Der Kongress christlicher Führungskräfte führt alle zwei Jahre knapp 3000 von ihnen zusammen. Doch immer wissen diese Gruppierungen oft wenig oder gar nichts voneinander, geschweige denn von nicht christlichen Netzwerken, die aber für die gleichen Ziele in der Wirtschaft eintreten. Jeffrey Sachs, US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, ist schon seit langem unterwegs in der Mission, die engen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit aufzuzeigen und zur stärkeren Vernetzung zu ermutigen.

    Papst Franziskus als Ideengeber und Motivator?

    Sachs hat die Hoffnung, dass mit dem jetzigen Papst ein neuer Schub in diese Richtung passieren kann. Seine Enzyklika "Laudato Sì", ein weltweit vielbeachtetes Lehrschreiben mit den Schwerpunkten soziale Gerechtigkeit sowie Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen habe gerade die Sehnsüchte und Bedürfnisse junger Menschen angesprochen. Die Aspekte von Gerechtigkeit und Solidarität würden damit in Verbindung gebracht mit dem Klimaschutz und dem Ruf nach Nachhaltigkeit. Sachs hofft auf ein Umdenken. "Es geht darum, mit den Ärmsten der Welt teilen und die Bedingungen schaffen, dass alle Menschen leben können."