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STATIONEN-Moderatorin Irene Esmann hilft beim Sensen einer insektenfreundlichen Blühwiese.

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    Kirchen wollen mehr Verantwortung für Artenschutz zeigen

    Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. In seiner Enzyklika "Laudato si" fordert Papst Franziskus ein radikales Umdenken aller zum Schutz unseres Planeten. Was tun die Kirchen in Deutschland als Großgrundbesitzer?

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    Von
    • Elisabeth Möst

    Es brummt und blüht im Kirchgarten der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt in Sinzing. In Hochbeeten wachsen Salat und Radieschen, auf der Wiese steht ein Insektenhotel, im Kirchturm wohnen Fledermäuse, eine Benjeshecke aus Geäst und Totholz bietet Wohnraum und Nahrung für Vögel, Nagetiere und Insekten. Pfarrer Bernhard Reber hat Imkern gelernt und kümmert sich um zwölf Bienenvölker.

    Viele Gruppen der Pfarrgemeinde haben sich an Projekten für Umwelt- und Artenschutz beteiligt und sind damit sogar noch mehr zusammengewachsen, erzählt Gemeindereferentin Maria Sporrer. Für diesen ökologisch wertvollen Pfarrgarten erhielt die Gemeinde den Schöpfungspreis des Bistums Regensburg.

    Artenschutz aus christlicher Verantwortung

    Damit will die Umweltbeauftragte der Diözese, Beate Eichinger, Anreize schaffen und motivieren, dass viele Pfarreien ihre Flächen und Gärten für umweltfreundliche Projekte nutzen. Das alles beruht auf Freiwilligkeit. Aber Eichinger sieht sich im Auftrag der Enzyklika von Papst Franziskus, der alle Christinnen und Christen aufruft, radikal umzudenken und sich für Artenschutz und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

    "Alle, junge und alte Menschen, Menschen auf der ganzen Welt, können an der Bewahrung der Schöpfung mitarbeiten, ein jeder von seiner Kultur, seiner Erfahrung, seinen Initiativen und seinen Fähigkeiten aus." Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika "Laudato si"

    Flächen wie den eigenen Pfarrgarten, den Friedhof oder den Grünstreifen rund um die Kirche können Pfarreien einfach selbst gestalten. Doch die evangelische und katholische Kirche gehören zu den größten privaten Grundbesitzern, verfügen über immense landwirtschaftliche Flächen und Wälder. Wie viele Flächen genau und wie groß sie sind, ist nicht veröffentlicht, denn die Eigentumsverhältnisse und die Verwaltungen sind komplex.

    Umweltschutz als Teil des Vertrags

    In Bayern haben sich die Bischöfe nun darauf geeinigt, auf kircheneigenem Landbesitz einen aktiven Beitrag zum Arten- und Klimaschutz zu leisten. Doch die Umsetzung hakt, erklärt der Umweltbeauftragte des Erzbistums München und Freising, Mattias Kiefer, auf Nachfrage. Umweltarbeit sei Organisationsarbeit, nicht nur in der Kirche, auch beim Staat. Wer bei der kirchlichen Verpachtung von Flächen etwas ändern wolle, müsse Lethargie und Widerstände überwinden. Doch die Zeit drängt, im Herbst wollen die bayerischen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung Ergebnisse sehen.

    "Der Wunsch kirchlicher Umweltbeauftragter ist, dass das Thema Schöpfungsverantwortung in den Pachtverträgen abgebildet wird. Dass auf kirchlichen Flächen Verantwortung für Boden-, Wasser-, Klima- und Artenschutz übernommen wird und dass dies vertraglich abgesichert wird." Mattias Kiefer, Sprecher der AG der Umweltbeauftragten der deutschen (Erz)Bistümer

    Gegen das Artensterben – Blühpakt-Allianz

    Mehr Artenvielfalt und Blühwiesen gibt es künftig auch auf vielen Grundstücken der evangelisch-lutherischen Kirche in Oberfranken. Im Mai ist sie der Blühpakt-Allianz Bayern beigetreten und hat sich verpflichtet, rund 100.000 Quadratmeter Fläche insektenfreundlich zu gestalten. Ganz im Sinne von Dekan Peter Bauer aus Wunsiedel, der aus dem Friedhof eine blühende Oase machen will: "Das ist erstmal nicht viel, wenn jeden Tag, jede Minute viele Hektar Regenwald verloren gehen. Aber es hat auch theologischen Gründe. Wenn Jesus sagt Nächstenliebe, dann heißt es, jeder schaut, was erstmal um ihn herum möglich ist. Und dann gibt es keine Ausrede."

    Für viele Insekten- und Vogelarten ist es schon zu spät, sie sind ausgestorben. Aber um weiteres Artensterben zu stoppen, können auch schon kleine Schritte Wirkung zeigen: Auf dem Friedhof Wunsiedel werden Büsche und Rosensträucher gepflanzt, aus Rasenflächen entstehen Blühwiesen, an Bäumen hängen Nistkästen.

    Die Kirchengemeinden werden beim Projekt "Unsere Zukunft blüht aus" fachgerecht beraten. Claudia Büttner ist im Landratsamt Wunsiedel für Gartenkultur und Landespflege zuständig. Sie weiß, dass jeder etwas zum Artenschutz beitragen kann, selbst wenn man keinen Garten oder Balkon hat, sondern auch durch das eigene Konsumverhalten. Wenn jeder bereit wäre, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, könnten auch Landwirte umweltschonender arbeiten.

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