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Kirchen als Vorbild: So geht es weiter mit Kunst und Kultur | BR24

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Nach zahlreichen Hilferufen aus Kunst und Kultur stellt Ministerpräsident Söder heute sein Konzept für die gebeutelte Szene vor. Wie geht es weiter für Theater, Kinos und Konzertsäle? Die Pressekonferenz in voller Länge.

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Kirchen als Vorbild: So geht es weiter mit Kunst und Kultur

Mehr Geld für hilfsbedürftige Solo-Selbstständige in Medien und Kunst, für kleine Theater und Kinos, für Musikschulen und Filmproduzenten: Die Bayerische Staatsregierung spannt einen "Rettungsschirm" auf. Was bedeutet das für den Neustart der Kultur?

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Viele Künstler sind schon in "normalen" Zeiten nicht gerade "auf Rosen gebettet", wie Ministerpräsident Markus Söder treffend sagte. Die aktuelle Statistik der Künstlersozialkasse (KSK) gibt ihm recht. Demnach verdienten Musiker durchschnittlich 14.600 Euro im Jahr, Schauspieler 18.000 Euro, experimentelle Künstler 9.100 Euro. Alle KSK-Versicherten zusammen kamen nach den jüngsten Zahlen auf ein durchschnittliches Jahreseinkommen von knapp 18.000 Euro, deutlich weniger als die deutschen Beschäftigten insgesamt. Für all diese gering verdienenden Solo-Selbstständigen sind 1.000 Euro monatlich also vergleichsweise viel Geld.

Alles über Kultur in Corona-Zeiten hier auf der BR KulturBühne.

Software macht Probleme

Das bisher mit insgesamt 90 Millionen Euro ausgestattete Sofortprogramm der Bayerischen Staatsregierung für diese Personengruppe soll jetzt auf 140 Millionen Euro erhöht werden. Antragsteller können über drei Monate mit jeweils 1.000 Euro rechnen. Berechtigt sind alle, die entweder bei der KSK Mitglied sind, oder, und das ist neu, die Kriterien erfüllen, um dort Mitglied sein zu können. Nach Angaben der Staatsregierung sind das rund 60.000 Beschäftigte, darunter nicht nur Künstler im engeren Sinne, sondern auch Medienschaffende wie Freie Journalisten und Fotografen, aber auch Studierende an Theater- und Musik-Akademien. Allerdings sind die Formulare bis jetzt noch nicht online, die entsprechende Software macht offenkundig deutlich mehr Probleme als erwartet. Immerhin: Kunstminister Bernd Sibler versprach bis nächste Woche Abhilfe und erschien bei der Pressekonferenz selbst etwas ungehalten zu sein über die IT-Schwierigkeiten.

© Georg Wendt/dpa

Musik im Treppenhaus: Viele Künstler leben prekär

Zusätzliche Hilfen wurden auch Honorar-Kräften an Theatern versprochen, darunter auch technisches Personal oder Freie Beschäftigte etwa in der Maske, in den Kostümabteilungen oder bei der Lichtregie. Sie dürfen je nach der Höhe ihrer Honorare bis zu 2.500 Euro Unterstützung erwarten.

Mit dreißig Millionen Euro will Kunstminister Bernd Sibler kleinen Theatern unter die Arme greifen, also Kleinkunstbühnen, Kabarett-Anbietern, privaten Boulevardtheatern. Jeweils mit zehn Millionen Euro werden Musikschulen und die Laien-Musik unterstützt, was bei etwa 10.000 entsprechenden Vereinen in Bayern nach einer Überschlagsrechnung von Markus Söder einem Betrag von rund 1.000 Euro pro Verein entspricht.

Ab Pfingsten Open-Air-Theater möglich?

Wann die Theater tatsächlich wieder spielen können, bleibt weiter offen. Zwar kann sich Bernd Sibler vorstellen, dass es um Pfingsten herum weitere Lockerungen gibt, doch die Ideen bleiben noch wenig konkret. So seien möglicherweise Open-Air-Aufführungen mit großen Sicherheitsabständen denkbar, auch personalisierte Eintrittskarten, aber ob die von den Häusern so schnell überhaupt hergestellt werden können, ist fraglich. Immerhin: Das Landestheater Dinkelsbühl bekam vom zuständigen Landratsamt Ansbach bereits eine Genehmigung, ein Kinderstück im Freien aufzuführen, mit 80 statt 330 Sitzplätzen. Mundschutz muss demnach nur beim Eintreten, nicht am Sitzplatz getragen werden. Am kommenden Sonntag soll der "Kleine Vampir" erstmals gezeigt werden.

© Karsten Schmalz/dpa

Vorbild für Theater? Open Air-Gottesdienst mit Sicherheitsabstand

Söder betonte ausdrücklich, die Kirchen könnten "Vorbild" für die Theater sein, was die hygienischen Sicherheitsmaßnahmen in geschlossenen Räumen betreffe. Allerdings haben viele, darunter fast alle staatlichen und städtischen Häuser, ihre Spielzeit ohnehin abgebrochen und wollen frühestens im September wieder starten.

Viele Theater haben Spielzeit abgebrochen

Anders als Kirchen können Theater nämlich nicht kurzfristig von einem auf den anderen Tag wieder öffnen: Das meist internationale Personal kann derzeit nicht an- und abreisen, Proben sind ausgesetzt, die Sommerferien nicht ohne Weiteres verschiebbar, die Pläne für 2020/21 längst gemacht. Vorläufe von mehreren Jahren sind im Musiktheater nicht unüblich, selbst provisorische Produktionen eine Herausforderung. Und dass Orchestermusiker künftig einen deutlich größeren Abstand von bis zu acht Metern bei Blechbläsern einhalten sollen, wie es Virologen empfehlen, halten Fachleute für absurd.

Bei der Förderung von Kulturprojekten, für die Kunstminister Bernd Sibler 5,3 Millionen Euro zur Verfügung hat, wird weiterhin "so getan", als ob es Corona nicht gäbe. Mit anderen Worten: Auch diejenigen, die bereits hohe Ausgaben hatten und ihre entsprechenden Projekte wegen der Pandemie nicht realisieren können, sind antragsberechtigt und dürfen Geld erwarten. Hellhörig dürften alle Avantgardisten und Experimentierfreudigen geworden sein, weil Markus Söder ausdrücklich versprach, "innovative Konzepte" zu fördern und die entsprechenden "Strukturen" in Bayern zu retten.

Anschubfinanzierung für Kino-Betreiber

Die Filmtheater dürfen sich über Programm-Prämien bis zu 25.000 Euro freuen, die nicht wie sonst üblich erst im November ausgezahlt werden, sondern schon im Juli, wie Digital- und Film-Ministerin Judith Gerlach ankündigte. Mit zwölf Millionen Euro will sie den Neustart der Kinos mit bis zu sieben Sälen anschieben, wobei sie allerdings betonte, dass viele Kino-Betreiber noch gar nicht wiedereröffnen wollen bzw. können, weil es noch an attraktiven Filmen fehlt. Die Verleiher haben sämtliche Blockbuster auf den Herbst oder sogar ins nächste Jahr verschoben.

Geholfen werden soll auch den Filmproduzenten, die sich derzeit zum Beispiel nicht gegen Corona-bedingte Ausfälle versichern lassen können, die geplante Filme entweder gar nicht mehr oder erst deutlich später realisieren können. Dafür sind fünf Millionen Euro vorgesehen. Große Fernsehsender, darunter auch ARD und ZDF hatten bereits versprochen, die Hälfte der entstehenden Mehrkosten zu übernehmen, falls sich die Produzenten vorher um alle staatlichen Unterstützungsmitteln bemüht haben.

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