Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Kirche gibt Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten | BR24

© picture alliance / dpa

Anhänger des «Pegida»-Bündnisses demonstrieren am 22.12.2014 in Dresden gegen die angebliche Überfremdung durch Flüchtlinge

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Kirche gibt Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten

Was antwortet man auf die Aussage, das christliche Abendland werde durch andere Kulturen bedroht? Die katholische Kirche hat eine Arbeitshilfe herausgebracht, die dabei helfen soll, Fragen ernst zu nehmen, aber dem Rechtspopulismus zu widerstehen.

Per Mail sharen

"Dem Populismus widerstehen" heißt die neue Arbeitshilfe der katholischen Bischöfe, die auf rund 70 Seiten den Gemeinden dabei helfen soll, mit rechten und populistischen Tendenzen umzugehen. Nationalistisches Gedankengut stehe im Konflikt mit der katholischen Kirche, so der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode: "Man muss dem widerstehen, wo es nur um das Eigene geht, wo es nur um narzisstische und nationalistische Sichten geht, also das eigene Land zuerst und Katholiken zuerst." Die Kirche hingegen sei für alle da, insbesondere für Menschen in Not, sagt der Bischof, "und der Papst macht deutlich, dass es eine Pastoral geben soll, die an die Ränder geht."

"Der Populismus zeigt tagtäglich sein bedrohliches Gesicht, weil er zu Schwarz-Weiß-Malerei und neuer Kleingeistigkeit verführt. Tatsächlich wird die Welt immer komplexer, und es ist unbestreitbar, dass diese Komplexität manchen überfordert. Der Populismus aber verspricht zu einfache Antworten." Aus der Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz

Die deutsche Bischofskonferenz hatte im Vorfeld zahlreiche Anfragen aus den Kirchengemeinden erhalten mit der Bitte um Hilfe im Umgang mit Populismus und Fremdenfeindlichkeit. Konfliktpotential gibt es zum Beispiel dort, wo Gemeinden sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. "Unser Anliegen ist, dass das nicht weggeschwiegen wird, sondern dass die Menschen über diese schwierige Fragestellung ins Gespräch kommen", sagt der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der in der Bischofskonferenz für Migrationsfragen zuständig ist. Doch oft sei es nicht einfach, mit Menschen zu diskutieren, die rechte Ideen vertreten. Man müsse besonders viel Faktenwissen mitbringen.

Verteidigung des christlichen Abendlandes?

Ein Beispiel: Oftmals würden sich Rechtspopulisten auf die Verteidigung des sogenannten christlichen Abendlandes berufen, so Erzbischof Heße, und dabei wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes ausblenden.

In der Broschüre gibt es dazu ein eigenes Kapitel, das aufgrund historischer Fakten anzweifelt, ob es das christliche Abendland, auf das sich Rechtspopulisten oft beziehen, je in dieser kulturellen und religiösen Homogenität gegeben hat. Vielmehr fuße Europa auf Werten, die sich aus einer Vielfalt von Kulturen und Glaubensüberzeugungen gebildet haben. Deswegen sollten gerade Christen sich für Dialog und Verständigung einsetzen, anstatt Andersgläubigen auftrumpfend oder ablehnend zu begegnen.

"Wir sind überzeugt, dass unser Glaube und unsere katholische Tradition als Weltkirche im Widerspruch stehen zu entscheidenden Merkmalen des Populismus. Wir denken an die absolute Gleichheit aller Menschen als Geschöpfe Gottes. Wir denken an das fundamentale Gebot der Nächstenliebe, die gerade auch den erreicht, der uns vielleicht am fernsten steht, der aber in seiner Hilfsbedürftigkeit uns zum Nächsten wird." Aus der Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz

Rechte Tendenzen in der Kirche

Dass es durchaus rechtspopulistische Gedanken in der katholischen Kirche gibt, zeigte sich beispielsweise Mitte Juni beim Kongress des konservativen "Forums Deutscher Katholiken" in Ingolstadt. Der Schirmherr des Kongresses, Werner Münch, sprach dort im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk von einem "zwangsfinanziertem Staatsfunk" und der "Gleichschaltung von Meinungen". Dabei ginge es laut Münch um eine "Machtergreifung" und die "Ausschaltung der Meinungsfreiheit" - klassische populistische Rhetorik.

Sowohl der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, als auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke feierten Gottesdienste im Rahmen der Ingolstädter Veranstaltung. Eine klare inhaltliche Abgrenzung gab es nicht. Auch auf der Pressekonferenz zur Arbeitshilfe gegen Populismus wollte man das Verhalten der Bischöfe und die populistischen Äußerungen aus dem rechtskatholischen Umfeld nicht kommentieren. Vielmehr verwies man auf bereits bestehende Erfolgsmodelle, aus denen Kirchengemeinden lernen könnten.

Der Hamburger Erzbischof Heße verweist zum Beispiel auf die Aktion "Tacheles", bei der versucht werden soll, an Stammtischen "platten Parolen" zu widersprechen. Für Heße ist die Arbeitshilfe zum Thema Rechtspopulismus nur ein Anfang. Nun liege es an den vielen engagierten Christinnen und Christen, den Populismus mit Fakten und Argumenten zu bekämpfen.