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Kirchliche Prunkbauten – Luxus für den lieben Gott | BR24

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Himmelsvisionen in Gold und Silber, Engel als Boten des Lichts: Eine Verheißung auf ein besseres Leben im Jenseits. Verspielte Formen und verschwenderische Pracht prägen das Bild der Barockkirche. Ein Besuch in der Münchner Asamkirche.

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Kirchliche Prunkbauten – Luxus für den lieben Gott

Himmelsvisionen in Gold und Silber, Engel als Boten des Lichts: Eine Verheißung auf ein besseres Leben im Jenseits. Verspielte Formen und verschwenderische Pracht prägen das Bild der Barockkirche. Ein Besuch in der Münchner Asamkirche.

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Die Asamkirche in der Münchner Altstadt ist ein spätbarocker Prunkbau. Die Brüder Asam haben 1733 angefangen, eine Privatkapelle neben ihrem Wohnhaus zu bauen.

"Wörtlich bedeutet Luxus ein unnützes, vielleicht moralisch-ethisches anrüchiges Zu-Viel. Davon kann man bei dieser Kirche nicht sprechen. Denn es soll alles zur größeren Ehre Gottes passieren. Insofern ist es ein Luxus um der Verherrlichung Gottes willen." Christoph Kürzeder, Direktor Diözesanmuseum Freising

Pluspunkte für das Jenseits

Dieser Luxus für den lieben Gott war für die Brüder Asam also zugleich Vorsorge für das eigene Seelenheil. Sie haben ihr gesamtes Privatvermögen in die Kirche gesteckt.

"Die beiden Künstler hatten natürlich, und das ist in der Barockzeit ganz wichtig, ein gewisses Kalkül verfolgt: Eine große Inszenierung." Christoph Kürzeder, Direktor Diözesanmuseum Freising
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Christoph Kürzeder, Direktor Diözesanmuseum Freising

Im Jahr 1746, nach 13 Jahren Bauzeit, wird die Kirche - noch unvollendet - geweiht. Proteste in der Bevölkerung zwangen die Brüder letztendlich dazu, ihre Hauskapelle auch öffentlich zugänglich zu machen. Die Ausstattung der Asamkirche übertrifft die Münchner Privatkapellen der damaligen Zeit bei weitem.

Spiel mit Licht, Farbe und Glanz

Maler und Architekt Cosmas Damian und Bildhauer und Stuckateur Egid Quirin beherrschten virtuos das Spiel mit dem Tageslicht. Es erhellt immer neue Details eines spätbarocken Illusionstheaters. Das Bildprogramm ist vielschichtig und auch dem Leben und Sterben des Kirchenpatrons, des Heiligen Nepomuk gewidmet.

Kulisse eines Königspalasts

"Sie haben es wirklich krachen lassen in dieser Kirche, sie haben gezeigt, was sie können. In allen Bereichen, in der Architektur, in der Malerei und in der Ausgestaltung in den Strukturen, in den Stuckarbeiten, in den Vergoldungen. Sie haben ein Feuerwerk an Möglichkeiten barocker Formen und barocker Techniken losgelassen." Christoph Kürzeder, Direktor Diözesanmuseum Freising

Irdische Laster im dunkel gehaltenen unteren Kirchenraum und Überirdisches, golden Glänzendes an der Decke. Dünne Blattgoldauflagen zieren die gesamte Kirche.

© BR / Gebert

Mit Blattgold verziertes künstliches Skelett

Architekt Cosmas Damian hatte die Päpstliche Kunstakademie besucht und römisches Spätbarock nach Bayern gebracht. Die Strahlenmonstranz mit Diamanten, Rubinen und anderen Edelsteinen hat Bildhauer Egid Quirin entworfen. Wohltäter haben dafür ihre Halsketten und Ringe gestiftet.

Luxusausstattung und Wanderprediger?!

Gottes Sohn kam in einer Krippe zur Welt, arm und ganz ohne Luxus. Wie passt so viel Blattgold zum Wanderprediger aus Galiläa?

"Bei uns ist das alles sehr negativ besetzt. Und auch klar moralisch und ethisch beurteilt als ein Zu-Viel, was wir nicht brauchen, was verwerflich ist. Aber: Der Mensch erlebt auch die Überfülle im Leben. Was ja auch eine ganz wichtige Erfahrung des Menschen ist. Das Leben ist nicht nur der Verzicht, durch Not, durch Krankheit, Elend, Tod, sondern auch von Fülle, Schönheit und auch von Zu-Viel geprägt." Christoph Kürzeder, Direktor Diözesanmuseum Freising
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Autor
  • Iris Tsakiridis
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