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In Danny Boyles "Yesterday" hat die Welt die Beatles vergessen | BR24

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Was würde es für die Welt und die Popkultur bedeuten, wenn niemand die Beatles kennen würde. In Danny Boyles Film "Yesterday" erinnert sich nur ein erfolgloser Musiker an die "Fab Four" und macht damit Karriere.

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In Danny Boyles "Yesterday" hat die Welt die Beatles vergessen

So viel Pop-Realismus muss sein: Ed Sheeran gibt es noch in "Yesterday". Doch an die Beatles kann sich hier nur ein Mann erinnern. Was wäre wenn, fragt Danny Boyle in seinem neuen Film – und verbindet das Gedankenspiel mit einer Liebesgeschichte.

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Man stelle sich das mal vor: eine Welt ohne die Beatles. Also eine Welt ohne ihre Songs. John, Paul, George und Ringo haben zwar gelebt, jedoch nie eine Band gegründet, haben nie "Let it be“ komponiert, nie "Help“ geschrien, nie "She loves you“ geschmettert. Würde man etwas vermissen? Nein. Wie denn auch.

Weil das als Basis für eine Liebeserklärung an die Fab Four und ihre unsterblichen Songs nicht wirklich funktioniert, ist die Prämisse in Danny Boyles neuem Spielfilm "Yesterday“ eine andere. Es gab die Beatles, mit allen Hits, allen Höhen und Tiefen, mit Yoko Ono und Mark David Chapman. Dann allerdings knipst ein zwölf Sekunden kurzer weltweiter Stromausfall nicht nur alle Lichter auf der Erdkugel aus, er eliminiert auch die kollektive Pilzkopf-Popkultur und ändert den Lauf der Geschichte.

Das ist nicht logisch, aber egal, denn wichtig ist: Nur einer kann sich noch an alles erinnern – Jack Malick, ein erfolgloser Musiker aus Suffolk, der eigentlich beschlossen hatte, seine nicht vorhandene Karriere endgültig zu beenden. Vorher allerdings gibt er seinen Freunden noch ein Abschiedsständchen mit Beatlessongs – die sind fassungslos, und er muss erkennen: Keiner erinnert sich an das berühmte Quartett. Und so steht der vor der Entscheidung: Nutzt er die allein in seinem Gedächtnis abgespeicherten Songjuwelen, um endlich den großen Durchbruch als Musiker zu feiern? Und kann er das mit seinem Gewissen vereinbaren? Letztlich bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Die Songs sind zu brillant, als dass er sie nur im ignoranten Umfeld seines Elternhauses spielen sollte.

Die Klaviatur der Musical-Komödie

Doch die Sache mit der ergaunerten Karriere ist nicht der eigentliche Kern der Geschichte. Denn auch wenn Danny Boyle Regie geführt hat: Eigentlich ist "Yesterday“ ein Richard-Curtis-Film. Von ihm stammt das Drehbuch. Und von ihm stammen auch die Drehbücher zu generationsübergreifend glorifizierten romantischen Komödien wie "Tatsächlich... Liebe“, "Notting Hill“ oder "Vier Hochzeiten und ein Todesfall“.

Der sich gern selbst kopierende Curtis klimpert auch in dieser Musical-Komödie auf seiner "All you need is love“-Klaviatur: Hauptfigur ist wie so oft ein leicht neben sich stehender Single, der nicht merkt, dass sich die Frau seiner Träume in seinem direkten Umfeld bewegt. Sie umkreisen sich, finden nicht zueinander, driften auseinander, der Blitz der Erkenntnis schlägt ein und schließlich Amors Pfeil. Letzteres geschieht mit Unterstützung seiner Freunde, die in guten wie in schlechten Zeiten zu ihm stehen, allesamt liebenswerte Nebenfiguren sind und wie auch die Hauptfiguren von eher unbekannten Schauspielern verkörpert werden. Ihre Hauptaufgabe: Im fliegenden Wechsel für eine wohldosierte Anzahl mehr oder weniger guter Witze sorgen.

Die eigentlichen Stars sind die Songs

Curtis‘ neu arrangierten, aber doch immer gleichen Erfolgselemente lassen "Yesterday“ wie eine filmgewordene Schichttorte mit ordentlich Zuckerguss erscheinen – und exakt das bekommt man auch serviert. Ganz oben thront eine prominente Marzipanfigur namens Ed Sheeran, der sich selbst spielt. Philosophische Tiefe oder gar eine Antwort auf die Frage, ob Gott oder wer auch immer die Beatles eliminiert hat, Anhänger der Rolling Stones ist – die gibt es nicht. Finale Erkenntnis: Das Konzept Curtis funktioniert, auch ohne prominente Darstellerriege. Denn die eigentlichen Stars in "Yesterday“ – das sind die Songs.

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