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Nach innen gehen, ins Gebet, oder nach außen, in die Welt hinaus? Über den richtigen Weg zur Erleuchtung sind sich nicht einmal die Mönche einig. Was also tun, wenn der Alltag über den Kopf wächst und der Geist unruhig wird?

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Kindliche Erleuchtungsmomente und wie sie das Leben prägen

Die Autorin und evangelische Theologin Marion Küstenmacher hat ein neues Buch geschrieben. In "Mein fliegender Teppich des Geistes" geht es um Kindheitserinnerungen und wie diese einen auf seinem spirituellen Lebensweg begleiten können.

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Von
  • Andrea Neumeier
  • BR24 Redaktion

Im neuen Buch "Mein fliegender Teppich des Geistes" von Marion Küstenmacher, Frau des evangelischen Theologen, Künstlers und Autors Werner Tiki Küstenmacher, geht es um Erfahrungen aus der Kindheit, wie jede und jeder sie haben kann. Ganz alltägliche Lebenssituationen, die doch durchlässig sind fürs große Ganze, fürs Heilige. Spirituelle Momente schon in Kindertagen, die durch das Leben tragen können.

Kindheitserinnerungen begleiten auf dem spirituellen Weg

Im Theo.Logik-Interview auf Bayern 2 spricht Marion Küstenmacher über diese besonderen Kindheitserinnerungen und wie sie diese auf ihrem spirituellen Weg begleitet haben. "Menschen sollen ihre eigene spirituelle Lebensgeschichte aufschreiben und erzählen, damit sie sich solche Erlebnisse aus der frühen Kindheit bewusst machen und rekapitulieren können. Dafür ist es wichtig, auch in Worten Begegnungen mit Transzendenz oder Erleuchtungsmomente zu rekapitulieren: Was hat mich geprägt?", erklärt die Theologin.

"Mystische Erfahrungen", das klinge ihrer Meinung nach zu hoch. Trotzdem: "Wir erfahren rund um die Uhr verschiedene Bewusstseinszustände und Mystik. Das ist ein Weg, in tiefe Bewusstseinszustände hineinzugelangen, die wir alle kennen. In der Nacht sind wir im Traumschlaf und im Tiefschlaf", erklärt sie. Diese Bewusstseinszustände würden Mystiker nicht schlafend, sondern wach steuern. Dafür brauche es aber natürlich Übung.

Naturerlebnis mit zwei Salamander

Etwa ab dem dritten Lebensjahr entwickle ein Kind ein Ich-Bewusstsein. Zwischen dem achten und dem zwölften Lebensjahr gebe es ein Zeitfenster in der Kindheit, in dem man noch nicht so im rationalen Bewusstsein gefestigt sei wie Erwachsene, meint Marion Küstenmacher. Im Theo.Logik-Interview erzählt die Autorin von besonderen Momenten aus ihrer Kindheit. "Ich hatte ein wunderbares Naturerlebnis", erzählt sie. Damals sei sie acht Jahre alt gewesen, es habe sehr stark geregnet, als sie im Spessart im Wald in einem Gästehaus war. "Dieser prasselnde Regen, dieser Rhythmus: Ich stand am Badezimmer-Fenster und habe draußen zwei Salamander gesehen, die auf einem Moos-Kissen saßen. Und ich hatte das Gefühl, die schauen mich an", beschreibt Marion Küstenmacher die Situation. Sie habe damals das Gefühl einer Verbundenheit gehabt. Als Kind konnte sie die Situation damals nicht einordnen, trotzdem sei die Situation wie ein Schatz, der in ihrer Seele verblieben sei.

Ziel ist es, das Bewusstsein zu trainieren und zu öffnen

Später als Theologin habe sie dann Texte vieler Mystikerinnen und Mystiker kennengelernt, die sie dazu eingeladen hätten, in der Natur solche ursprünglichen Momente zu erleben. Ziel sei es, das Bewusstsein als Erwachsener zu trainieren und sich zu öffnen. "Das ist natürlich klasse, wenn Menschen das mit Meditation oder mit tiefen Kontemplation üben. Aber letztendlich ist das Entscheidende, dass wir es mitten im Alltag praktisch anwenden können, dass wir selber immer transparenter werden", so Marion Küstenmacher. "Es gibt einen islamischen Mystiker, der hat mal gesagt, wir müssen uns vorstellen, dass Gott in uns das Licht ist, und wir selber sind der Lampenschirm. Aber wir sollten dafür sorgen, dass die Löcher im Lampenschirm immer mehr werden, dass das Licht hinaus und hinein scheinen kann. Das finde ich ein wunderschönes Bild."

Die Löcher im Lampenschirm können im Alltag zu Freudenmomenten werden. Marion Küstenmacher erzählt in Theo.Logik, wie sie einmal von einem Wochenmarkt nach Hause gelaufen sei und sie hinter sich das Hupen eines Hochzeitskorsos gehört habe. "Und das ist nun nichts Besonderes eigentlich", meint die Theologin. Doch plötzlich begann ein Freudensturm ihren ganzen Körper zu erfüllen, sodass sie nicht mehr weitergehen konnte. Nach einer Minute war der Hochzeitskorso vorbei, doch die Wellen der Freude hielten den ganzen Tag an. "Jesus wählt immer wieder diese wunderschönen Bilder von der Hochzeit, um die Freude im Reich Gottes auszudrücken. Das ist ein Geschenk und ich erlebe das in meinen Seminaren, wie viele Menschen als Erwachsene diese Erfahrungen kennen und nach Austauschmöglichkeiten suchen", sagt die Theologin.

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