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Kevin, Sissi und Loriot: Was sagen Weihnachtsklassiker über uns? | BR24

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Kerzenschein und Weihnachtsbaum sorgen in vielen Wohnzimmern an den Feiertagen für eine heimelige Atmosphäre. Für viele gehört aber auch das Flimmern des Fernsehens quasi zur häuslichen Weihnachtsbeleuchtung dazu.

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Kevin, Sissi und Loriot: Was sagen Weihnachtsklassiker über uns?

Was haben Aschenputtel, Heinz Rühmann und Bruce Willis gemeinsam? Sie alle gehören zum Weihnachts-Fernsehprogramm wie die Kugeln zum Christbaum. Doch was sagen die Filmklassiker über unsere Sehnsüchte und Wünsche rund um die Feiertage aus?

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Alle Jahre wieder warten die öffentlich-rechtlichen wie privaten Sender oder inzwischen auch die Streaming-Dienste mit einem speziellen Weihnachtsprogramm auf: „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, „Die Feuerzangenbowle“ – und ja – auch „Stirb langsam“ sind Weihnachtsklassiker, deren Handlung oft nur am Rande mit dem Fest zu tun hat. Weihnachtlich ist vor allem das Setting. Weiße Winterlandschaften, weihnachtlich dekorierte Wohnsiedlungen, Weihnachtsfeiern oder Familientreffen an Heilig Abend: Vor solchen Kulissen spielen sich dann die unterschiedlichsten Geschichten ab.

"Was könnten wir vergessen haben?" - "Kevin!"

Beim Publikum hoch im Kurs stehen Komödien für die ganze Familie wie "Kevin allein zu Haus", über einen Achtjährigen, der - von der Familie im Weihnachtsurlaub vergessen - zuhause Einbrecher verjagt. Oder „Schöne Bescherung“ mit Chevie Chase, der einen spießigen Familienvater spielt, der einfach nur ein gemütliches Fest mit der Familie vorbereiten will – und dann geht alles schief. Weihnachtsklamauk, bei dem man vielleicht auch die eigene Anspannung rund ums Weihnachtsbaumschmücken, Kochen und Geschenke-Einpacken, einfach weglachen kann. So wie auch beim Feiertagsklassiker von Loriot: „Weihnachten bei den Hoppenstedts“.

Harald Steinwender plant das Weihnachts-Spielfilmprogramm im BR Fernsehen und weiß, was das Publikum an den Feiertagen erwartet: "Ein bisschen was zum Wohlfühlen, aber mit weihnachtlichen Themen. Wir haben zum Beispiel 'Was machen Frauen morgens um halb vier?' im Programm. Das ist eine Komödie über eine junge bayerische Bäckerin, die 3.000 Christstollen backen muss. Das sind Filme, die weniger auf dramatische Konflikte setzen, sondern Sachen humorvoll auflösen." Das Weihnachtsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender sei für die ganze Familie gedacht, so Steinwender.

Konflikte in Humor aufgelöst

In den Weihnachtsklassikern lösen sich Probleme oft in Wohlgefallen auf. Sie sorgen für die wohlig-herzenswarme Stimmung, nach der sich wohl viele Menschen sehnen. Und ein bisschen Moral und Besinnlichkeit soll auch dabei sein. In einigen Filmen verändern sich Menschen zum Guten, wie der Geizhals Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens zig Mal verfilmter Novelle „A Christmas Carol“, oder der kaltherzige Großvater des „Kleinen Lord“. Es geht um Mitgefühl und Nächstenliebe, um Menschen die neue Hoffnung finden, wie in Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“.

Capras Film kam Weihnachten 1946 in die Kinos. Der Schwarz-Weiß-Streifen erzählt auch heute noch regelmäßig zu Weihnachten die Geschichte des lebensmüden Sparkassenleiters George Bailey, der sich an Heiligabend von einer Brücke stürzen will. Doch dann erscheint ihm ein Engel und verhilft ihm zu neuem Lebensmut, indem er George vor Augen führt, wie die Welt ohne ihn ausgesehen hätte.

Sieg über das Böse

Das filmische Weihnachtsprogramm zeigt jedes Jahr aufs Neue: An Weihnachten wollen wir uns in heile Welten hinein träumen oder zumindest sehen wie das Böse vom Guten besiegt wird – in Actionfilmen wie „Stirb langsam“ oder den vielen Fantasy-Epen und Märchenfilmen im Programm. Den Unfrieden, der uns alltäglich in den Nachrichten oder zu Hause begegnet, einfach mal ausblenden. Besonders gut funktioniert das offenbar auch heute noch bei älteren Filmen wie „Sissi“ oder der „Feuerzangenbowle“.

Der Ufa-Kultfilm kam im Januar 1944, während des Zweiten Weltkriegs in die Kinos, nach persönlicher Freigabe durch Adolf Hitler. Einen Tag nachdem die Rote Armee die Belagerung von Leningrad beendet hatte. „Die Feuerzangenbowle“ – die Geschichte des Schriftstellers Dr. Pfeiffer, der 41-jährig noch einmal die Schulbank drückt, war damals als Ablenkung an der kriegsgebeutelten Heimatfront. Und heute? In der evangelischen Filmzeitschrift epd Film heißt es in einer Filmanalyse:

"Der Film vermittelt eine Strategie des Vergessens, der sich niemand vollständig entziehen kann. Sie entfernt von der historischen Wirklichkeit ebenso wie von den wirklichen Erfahrungen der Institution Schule, wie von dem Ärger, den wir heute morgen im Büro hatten."

Die historischen Umstände haben sich geändert. Die Sehnsucht nach heiler Welt ist per se nichts Schlechtes. An Weihnachten scheint sie besonders groß zu sein. Diesen Eindruck vermitteln viele Filme, die wir alle Jahre wieder sehen. Sie zeigen das Bedürfnis nach einem Neustart, nach Klärung und Versöhnung. Und bisweilen erzählen sie davon wie das möglich wird. Im Antikriegsfilm „Merry Christmas“ zum Beispiel legen zu Weihnachten während des Ersten Weltkriegs deutsche, französische und schottische Soldaten an der Front die Waffen nieder. Ein Film nach einer wahren Begebenheit.