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Kepler und die Hexe: Ulinka Rublack erhält Historikerpreis | BR24

© AKG/Picture Alliance

Johannes Kepler im Porträt

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    Kepler und die Hexe: Ulinka Rublack erhält Historikerpreis

    Sie lehrt im britischen Cambridge Geschichte und landete mit ihrem Buch über den Star-Astrologen Johannes Kepler und dessen Mutter einen Bestseller-Erfolg: Jetzt wurde Ulinka Rublack in München mit dem Preis des Historischen Kollegs ausgezeichnet.

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    Johannes Kepler (1571 - 1630) machte als Sterndeuter große Karriere, war der Astrologe von drei Kaisern und vielen anderen Prominenten seiner Zeit, darunter auch der General Albrecht von Wallenstein. Als Mathematiker und Astronom schrieb Kepler ebenso herausragende Werke wie als Optiker und protestantischer Theologe und entsprach insofern dem Idealbild des Universalgelehrten im wissensdurstigen Zeitalter der Renaissance. Dennoch wurde Keplers verwitwete Mutter Katharina 1615 der Hexerei angeklagt. Der Sohn musste eilends anreisen, um sie vor dem Scheiterhaufen zu bewahren. Aus dem spannenden Stoff, der gerade von BR, SWR und ARTE zu einem Doku-Drama verfilmt und von Tim Watts sogar zu einer Oper vertont wurde ("Keplers Trial", 2017), machte Ulinka Rublack ein zuerst 2015 auf englisch erschienenes Sachbuch, das in der deutschen Fassung jetzt bereits in 5. Auflage gedruckt wurde: "Der Astronom und die Hexe - Johannes Kepler und seine Zeit" (Klett-Cotta, 26 Euro).

    © Klett-Cotta

    Ulinka Rublack

    Für ihr 400-seitiges Werk wurde Rublack, die sich selbst in Interviews als "historische Anthropologin" versteht, mit dem Preis des Historischen Kollegs an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. In der Begründung heißt es mit dem Hinweis auf Fach-Rezensionen, die Autorin habe eine "bislang wenig bekannte Episode" im Leben von Kepler "auf der Basis einer einzigartig dichten Quellenlage" aufbereitet. Dabei verbinde Rublack "fundiertes Fachwissen mit anglo-amerikanischer Erzähltradition" und mache ein schwieriges wissenschaftliches Thema für die Allgemeinheit zugänglich. Der Autorin ist es wichtig, nicht nur die traditionellen Forschungsansätze der Diplomatie- und Politikgeschichte zu verfolgen, sondern auch Bevölkerungsgruppen in den Blick zu nehmen, die nicht zu den Eliten ihrer Zeit gehörten, etwa die Landbevölkerung, aber auch Frauen, die im 17. Jahrhundert von der Macht weitgehend ausgeschlossen waren.

    Ulinka Rublack wurde 1967 in Tübingen geboren und studierte in Hamburg und Cambridge. Seit 1996 unterrichtet sie am dortigen St. John´s College Geschichte. Für ihr Buch über die Mode der Renaissance, "Dressing Up: Cultural Identity in Renaissance Europe" (Oxford 2010) wurde sie mit dem Roland H. Bainton-Preis bedacht, 2017 in die British Academy gewählt und ein Jahr darauf abermals ausgezeichnet, mit dem Reimar Lüst-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Gewürdigt wurden damit Rublacks Verdienste um die wissenschaftliche Vermittlung zwischen Deutschland und Großbritannien.

    © Klett-Cotta

    Erfolgreich in fünfter Auflage

    Rublacks Buch ist inzwischen nicht nur vom Englischen ins Deutsche, sondern auch ins Chinesische und Italienische übersetzt. Die Preisverleihung fand am 8. November im Rahmen einer Festveranstaltung an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften statt. Der Preis ist mit 30 000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Karl Schlögel (2016), Barbara Stollberg-Rilinger (2013) und Christopher Clark (2010).

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