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Maskenfrei: Nina Ruge bei "Oper für alle" inmitten des Publikums

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    Keine Masken mehr: Bayerische Theater fast im "Normalzustand"?

    Alles ist wieder "fast wie vor Corona", so Kunstminister Bernd Sibler: Zuschauer können demnach künftig wieder auf Mund-Nasen-Schutz und Mindestabstände verzichten, alle Plätze besetzt werden. Doch die Theater wollen nichts überstürzen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Mit einer "strikten Einlasskontrolle" könnten bald im bayerischen Kulturleben wieder "normale" Zustände herrschen wie vor der Pandemie. Jedenfalls hat das Kabinett den Weg freigemacht für eine durchgreifende Lockerung der bisherigen Corona-Regeln. Veranstalter, die demnach nur noch Geimpfte und Genesene zulassen, können sowohl auf Maskenpflicht, als auch auf Mindestabstände verzichten. Auch ein Alkoholverbot gibt es dann nicht mehr. Zusätzlich können Zuschauer einen PCR-Test vorweisen und dann ebenfalls ohne Einschränkungen eingelassen werden ("3Gplus").

    "Mit der neuen Regelung können wir das ursprüngliche Kulturerlebnis mit der notwendigen Sicherheit angesichts der noch nicht beendeten Pandemie verbinden. Das freut mich sehr, denn es ist ein weiterer Schritt hin zur früheren Normalität", so Kunstminister Bernd Sibler in einer Pressemitteilung. Er habe in "zahlreichen Gesprächen mit Kulturveranstalterinnen und -veranstaltern sowie Kunstschaffenden bereits durchweg positive Rückmeldungen auf die neue Regelung erhalten".

    Gesundheitsminister Klaus Holetschek äußerte sich ähnlich: "Jede Impfung bedeutet einen weiteren Schritt zu mehr Normalität und Freiheit. Aktuell sind fast zwei Drittel der Bayern erstgeimpft, daher können wir diese Veränderungen wagen. Ich freue mich, dass wir gerade auch die Kultur in den Vordergrund stellen, die viele Menschen schmerzlich vermisst haben. Mit 2G oder 3G+ fahren wir einen umsichtigen Kurs, der Kulturgenuss fast wie früher ermöglicht."

    Theater noch zurückhaltend

    Allerdings äußerten sich vom BR befragte Theater noch zurückhaltend. Das Gärtnerplatztheater in München verwies zunächst darauf, dass es vorerst bei den "alten" Regeln, also auch Maskenpflicht am Platz, bleibe. Grund dafür: "2G" sei für das Haus "keine Option", und PCR-Tests seien sehr teuer. Etwa zehn Prozent des Publikums habe bisher die noch kostenlosen Schnelltests vorgelegt. Unter dieser Maßgabe seien auch schon zahlreiche Karten verkauft worden. Es müsse abgewartet werden, welche Auswirkungen die Kostenpflichtigkeit von Tests haben werde. Außerdem sei noch nicht geklärt, welche Regeln für die Darsteller und Backstage-Mitarbeiter gelten.

    Erst ab 13. Oktober soll die "3Gplus"-Regel gelten. Besucher, die damit nicht einverstanden sind, könnten ihre Karten an Dritte weitergeben: "Bitte beachten Sie, dass Sie im Bedarfsfall zur Nachverfolgung von Infektionen mit SARS-CoV-2 die Kontaktdaten der Besucher/in zur Verfügung stellen müssen."

    © Anna-Maria Löffelberger/Salzburger Landestheater
    Bildrechte: Anna-Maria Löffelberger/Salzburger Landestheater

    "Schuh des Manitou"-Premiere im Deutschen Theater geplant

    Auch das Theater Augsburg hält vorerst an den bisherigen Regeln fest. PCR-Tests seien möglicherweise manchem Zuschauer "zu umständlich". In einem Statement heißt es: "Als Staatstheater möchten wir unter den aktuellen Auflagen möglichst allen Interessierten ein Theaterangebot unterbreiten und kurzfristige Umstellungen der Einlasskriterien zu Gunsten der Kundenfreundlichkeit möglichst vermeiden. Wir werden die Möglichkeiten im Rahmen von 3G Plus prüfen, aktuell ist jedoch keine Umstellung geplant."

    Staatsoper will erst mal Dialog mit dem Publikum

    Ein Pressesprecher des Landestheaters Niederbayern teilte dem BR mit, dass die Stadt Passau für die dortige Spielstätte ab Samstag, dem 9. Oktober die "3Gplus"-Regel einführt, in Landshut solle das ab 15. Oktober der Fall sein. Die Stadt Straubing habe sich gegenüber dem Theater noch nicht geäußert.

    Die Bayerische Staatsoper prüft derzeit die neuen Vorgaben, wie es gegenüber dem BR hieß, und will sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Zunächst solle ein "Dialog mit dem Publikum" in Gang kommen, um dessen Erwartungen in eine mögliche Neuregelung mit einfließen zu lassen. Erst danach werde entschieden.

    "Schuh des Manitou" mit Alkohol und "3Gplus"

    Das Deutsche Theater München, Bayerns größte Musical-Spielstätte, startet am 14. Oktober mit dem "Schuh des Manitou" in die Spielzeit. Dann wird die "3Gplus"-Regel gelten, so ein Pressesprecher. Schon an den Eingängen in den großzügigen Innenhof werde kontrolliert, so dass sich das Publikum dahinter völlig ungezwungen und "maskenfrei" bewegen könne. Bisher konnten nur 999 der insgesamt rund 1.500 Plätze verkauft werden, weil nach den alten Bestimmungen ab 1.000 Gästen kein Alkohol mehr verkauft werden durfte. Auch das sei nun Vergangenheit, eine Vollauslastung sei nun machbar: "Und jeder kann seinen Prosecco bekommen."

    Maske wird in Nürnberg "freiwillige Schutzmaßnahme"

    Das Staatstheater Nürnberg setzt ab 8. Oktober auf die "3Gplus"-Regel: "Wir freuen uns, dass dadurch für unser Publikum wieder mehr Normalität beim Theaterbesuch möglich ist", so Staatsintendant Jens-Daniel Herzog. Viele Besucherinnen und Besucher hätten gerade die Maskenpflicht am Sitzplatz, sowie den bislang nicht gestatteten Barbetrieb in den Pausen als störende Einschränkungen empfunden. Durch die nun in Kraft getretenen Erleichterungen könne die Theatergastronomie wieder in vollem Umfang öffnen, das Tragen einer Maske werde zu einer "optionalen, freiwilligen Schutzmaßnahme".

    An den Eingängen stünden Scanner bereit, die Impf- und Testnachweise digital erfassen könnten. Aber auch der gelbe Impfpass auf Papier werde selbstverständlich akzeptiert. Kinder unter sechs Jahren, sowie alle Schülerinnen und Schüler bräuchten keinerlei Nachweise, bei ihnen reiche der "Schulausweis". Jens-Daniel Herzog in einer Pressemitteilung: "Unsere Erfahrung zeigt, dass unser Publikum grundsätzlich sehr rücksichtsvoll ist. Wir sind daher zuversichtlich, dass unsere Besucherinnen und Besucher die Erleichterungen ebenso verantwortungsbewusst nutzen werden, wie sie sich bislang an die notwendigen Auflagen gehalten haben."

    Auch in Würzburg "3Gplus"

    Das Würzburger Mainfrankentheater hält sich ab Sonntag, dem 10. Oktober, ebenfalls an die "3Gplus"-Regel: "Selbstverständlich dürfen Sie freiwillig gerne weiterhin eine Maske tragen und auf die Abstände zu anderen Personen achten", heißt es auf der Homepage. Ein Garderobenservice könne "bis auf Weiteres" zwar noch nicht angeboten werden, wohl aber ein Pausen-Catering. Das Mainfrankentheater spielt derzeit wegen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten in einem Ausweichquartier, der "Theaterfabrik Blaue Halle" im Ortsteil Dürrbachau.

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