BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Picture Alliance
Bildrechte: Picture Alliance

Entspannte Freizeit: "Im Bett"

Per Mail sharen

    Kehrtwende? Netflix will jetzt das Einschlafen erleichtern

    Vor einigen Jahren hatte der Streaming-Gigant den Schlaf noch als "Konkurrenten" bezeichnet und für Dauer-TV-Konsum geworben. Jetzt will Netflix mit einer siebenteiligen Meditations-Serie zur entspannteren Nachtruhe beitragen, was Hollywood amüsiert.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Jungblut

    Letztlich kämpfe Netflix weniger gegen seine Mitbewerber, sondern vor allem gegen den menschlichen Schlaf, so Firmenchef Reed Hastings im November 2017 - und diese Konkurrenz werde der Streamingdienst gewinnen. Damals bejubelte er die veränderten Sehgewohnheiten seiner Kunden, die immer häufiger vier oder fünf Folgen einer neuen Serie am Stück sehen wollten, also stundenlang vor dem Fernseher ausharrten. Manche Fans legten es sogar darauf an, eine komplette Serie am ersten Tag zu konsumieren, was als "binge-racing" bezeichnet wurde, als Rekordjagd beim Power-Fernsehen. Gemessen daran ist es in der Tat verwunderlich, dass Netflix jetzt seinen Abonnenten beim Einschlafen behilflich sein will.

    Gemeinsam mit der amerikanischen Meditions-App "Headspace" hat Netflix sieben Cartoon-Folgen in Auftrag gegeben, die den Zuschauern in jeweils fünfzehn Minuten die nötige Bettschwere vermitteln sollen. Und weil die Amerikaner Superlative lieben, soll neben dem "gesunden Schlaf" gleich noch der "beste, den Sie jemals hatten" trainiert werden. Jede Folge soll sich mit einem anderen Problem beschäftigen: Schlaflosigkeit als solche, Stress, Smartphones, Schlaftabletten, alles, was Menschen unnötig lange wach hält, wie der "Hollywoodreporter" berichtet.

    Auch HBO verspricht "Welt der Ruhe"

    Das Branchenblatt macht sich denn auch weidlich lustig über die vermeintliche "Kehrtwende" von Netflix. Es werde "interessant" sein zu beobachten, ob der Entertainment-Konzern tatsächlich seinen Kunden nahelegen werde, weniger TV zu schauen, denn das sei einer der wesentlichen Gründe für zu wenig Schlaf. Immerhin: Seit einigen Wochen testet Netflix eine automatische Abschaltung seiner Programme, den sogenannten "Sleep Timer". Mit seiner Hilfe sollen Serien-Fanatiker ihre Fernsehstunden im Vorhinein klar begrenzen können, damit sie nicht irgendwann bei laufendem Programm einschlafen und Stunden später total "gerädert" aufwachen.

    Wettbewerber HBO Max hat sich übrigens bereits mit der App "Calm" zusammengetan und verspricht in einer neuen Serie ebenfalls "Eine Welt der Ruhe", was den "New Yorker" im Oktober letzten Jahres förmlich in den Wahnsinn trieb. Dort wurde das Millionen-Geschäft mit "Meditation" als "pervers" gegeißelt, zumal "Calm" jede Menge teure Superstars aufbiete, um Gute-Nacht-Geschichten einzusprechen, etwa Nicole Kidman, Matthew McConaughey, Harry Styles oder Keanu Reeves. Im Grunde sei das alles nur kommerzieller "Seelenkitzel", vergleichbar mit Bildertapeten, die etwa Blubberblasen vor Korallenriffen oder dahinziehende Wolken zeigen. Dank eines schwunghaften Merchandising-Handels etwa mit Aroma-Sprays habe "Calm" 100 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt.

    © Zoonar/Picture Alliance
    Bildrechte: Zoonar/Picture Alliance

    Gesunder Schlaf kann nie schaden

    Für Menschen, die spät abends und nachts noch viel vor Bildschirmen sitzen, werden seit einiger Zeit Brillen mit "Blaulichtfilter" angeboten, damit der Hormonhaushalt beruhigt wird, der wegen des Lichtspektrums von Fernsehern und Computern ansonsten zur falschen Tageszeit auf "Wachheit" schaltet. Experten verweisen allerdings auch darauf, dass moderne Bildschirme auf einen "Nachtmodus" umgeschaltet werden können, so dass sie weniger stimulierendes "Blaulicht" emittieren.

    Nach Umfragen soll die Schlaflosigkeit in der Pandemie zumindest in den USA deutlich zugenommen haben: 37 Prozent mehr Befragte leiden demnach unter unruhigen Nächten. Fachleute führen das auf "Home-Office" und falsche Ernährung zurück. Vielen Arbeitnehmern fehle der Sonnenschein auf dem Weg zur Arbeit, sie konsumierten zu viel Zucker und litten unter Magnesiummangel. Aber auch langwierige Dialoge in sozialen Medien am späten Abend seien sehr schädlich.

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

    Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!