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Katholische Kirche: Mehr Frauen in die Chef-Sessel | BR24

© picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Teilnehmer einer Protestaktion der Initiative Maria 2.0 protestieren dagegen, dass die katholische Kirche Frauen von Weiheämtern ausschließt.

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    Katholische Kirche: Mehr Frauen in die Chef-Sessel

    Viele sehen die katholische Kirche als eine patriarchale Institution, die Frauen von vielen Führungspositionen ausschließt. Ein Mentoring-Programm soll nun mehr Frauen in die Chef-Sessel holen. Allerdings nur in die, für die keine Weihe nötig ist.

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    "Wir wären als Kirche verrückt, wenn wir auf die Begabung von Frauen verzichten würden!", sagt der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Unter seinem Vorsitz hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) 2019 eine Frauenquote vereinbart. Bis 2023 soll der Frauenanteil in Leitungspositionen der Bistümer auf 30 Prozent und mehr erhöht werden, und zwar mit Hilfe des Programms "Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf". Daran haben bisher 100 weibliche Nachwuchskräfte aus ganz Deutschland teilgenommen.

    "Crazy?" Als Frau bei der Kirche arbeiten

    Auch Danijela Pöschl ist Teil des Programms. Die Abteilungsleiterin im Erzbischöflichen Ordinariat in München coacht seit einem Jahr eine jüngere Kollegin. "Mit Frauen in Kommunikation zu kommen, zu schauen, wo sind da die Kompetenzen, wie können wir die fruchtbar einsetzen für die Kirche?", das schätzt Danijela Pöschl an dem Programm. Für sie ist es ein Anfang, keinesfalls aber ein Trostpflaster. Ihre Mentee Franziska Pichler hat bereits nach wenigen Monaten Mentoring eine Führungsposition in der Erzdiözese bekommen: Die staatliche Grundschullehrerin ist heute im Ordinariat als Abteilungsleiterin im Ressort Bildung unter anderem für die Ausbildung von Religionslehrern zuständig.

    "Meine Freunde haben gesagt 'Ist ja crazy, wie kann man als Frau denn zum Arbeitgeber Kirche gehen?' Aber innerhalb des Ressorts Bildung sind sehr viele Frauen tätig, da gibt es keine Anfeindungen und mittlerweile finden es meine Freunde auch ziemlich cool." Franziska Pichler, Abteilungsleiterin im Ressort Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat

    Strukturen brechen

    Verantwortung übernehmen, miteinander reden, Kontakte knüpfen: Auf diese weiblichen Stärken könne die katholische Kirche nicht länger verzichten, findet Edda Hamm, die im Ordinariat in München für strategische Personalgewinnung zuständig ist. Nach den Missbrauchsskandalen könnten Frauen in der Kirche für mehr Transparenz sorgen – nicht nur im Ehrenamt, so Edda Hamm: "Die katholische Kirche ist eine patriarchale Institution, und Programme wie 'Kirche im Mentoring‘ wirken tatsächlich auch mit daran, diese Strukturen zu brechen."

    Frauen-Weihe erlauben?

    Mehr Mitsprache, sagt Edda Hamm, kann es jedenfalls nur durch strukturelle Veränderungen geben. Wenn die Weihe aber weiterhin eine Anforderung für viele Leitungspositionen in der katholischen Kirche bleibt, dann heißt das im Umkehr-Schluss: Die Kirche müsste entweder die Weihe der Frau erlauben oder für viele Stellen die Weihe nicht mehr zur notwendigen Voraussetzung machen.

    Welche Hoffnungen haben katholische Frauen, die sich für die Erneuerung der Kirche einsetzen? Wenn Mann UND Frau Gott ebenbildlich sind, wie können dann Frauen ihre Charismen gleichberechtigt einbringen? Welche Ziele haben diejenigen, die jetzt Führungspositionen übernommen haben? Wie erleben die Frauen an der Basis ihre Rolle, die Pastoralreferentinnen und Ministrantinnen in den Gemeinden? Wie stehen die Chancen der Frauen auf mehr Mitsprache? Antworten auf diese Fragen gibt es in der Katholischen Welt am 18.10.2020 auf Bayern 2 und hier zum Nachhören.