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Hostienstreit: Der kleine Unterschied zwischen Eucharistie und Abendmahl sorgt weiter für große Diskussionen

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    Eucharistie und Abendmahl: Große Sehnsucht – großer Streit

    Bei ihrem digitalen Treffen diskutieren die katholischen Bischöfe aktuell auch das Thema des gemeinsamen Abendmahls. Nirgends wird die Trennung zwischen evangelischer und katholischer Kirche deutlicher. Aber wo liegt da eigentlich das Problem?

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    Von
    • Birgit Rätsch
    • Martin Jarde

    Wir schreiben das Jahr 2021 nach Christus und noch immer bekommen Katholiken und Protestanten in meist getrennten Gottesdiensten während der Feier die Hostie gespendet. In der katholischen Kirche bezeichnet man das als Eucharistie, in der evangelischen Kirche als Abendmahl. Christen sind sie alle. Wo ist also das Problem?

    Die große Frage: Wie lange ist Jesus in den Hostien?

    Salesianerpater Alfons Friedrich, Seelsorger in München-Haidhausen stellt fest, dass in der sogenannten Rechtfertigungsfrage, also warum überhaupt Abendmahl gefeiert wird, mittlerweile große Einigkeit zwischen den Konfessionen herrsche. Aber es gebe eben immer noch Unterschiede.

    "Die Frage ist die, wie lange dauert die Gegenwart Jesu Christi? Die evangelische Kirche beschränkt die Gegenwart auf die Mahlfeier an sich. In der katholischen Kirche gehen wir davon aus, (...) dass die Gegenwart Christi in den geweihten Gaben bleibt." Pater Alfons Friedrich

    Die evangelische Kirche glaubt also, dass Jesus Christus während der Feier in den Hostien direkt anwesend ist, nach der Feier die Hostien aber einfach wieder ein Stückchen gebackenes Brot sind. Bei der katholischen Kirche sieht man das anders: Wenn die Hostie einmal vom Priester in der Eucharistiefeier gewandelt wurde, dann ist Jesus in ihr gegenwärtig und bleibt es auch. "Deshalb findet man auch in den katholischen Kirchen, den sogenannten Tabernakel, die Aufbewahrungsstätte für die Hostien", erklärt Pater Alfons Friedrich.

    Katholische Kirche: Bischöfe sind Nachfolger der Apostel

    Auch das Amtsverständnis ist unterschiedlich: Protestanten und Katholiken teilen zwar die Auffassung vom "Priestertum aller Gläubigen", also dass alle Christen durch die Taufe Anteil am "Priestertum Jesu Christi" haben. Die katholische Kirche nimmt aber - im Gegensatz zur evangelischen Kirche - für ihre Bischöfe in Anspruch, dass sie direkte Nachfolger der biblischen Apostel sind. Der Papst als Nachfolger des Apostels Petrus ernennt die Bischöfe, die Bischöfe weihen dann die Priester.

    In der katholischen Kirche darf daher nur ein geweihter Priester, der sich direkt auf die Nachfolge Jesu berufen kann, der Eucharistie vorstehen. Nur er kann Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln. Nicht-Katholiken bleibt die Kommunion - die geweihten Hostien - verwehrt.

    Evangelische Kirche: Jeder Getaufte kann Abendmahl leiten

    In der evangelischen Kirche dagegen ist jeder Getaufte eingeladen, am Abendmahl teilzunehmen und jeder Getaufte mit entsprechender Ausbildung kann das Abendmahl leiten.

    Der Präsident des Päpstlichen Ökumene-Rates, Kardinal Kurt Koch, lehnt daher eine Mahlgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten ab. Den Gläubigen scheint das mehrheitlich egal zu sein. Sie sehen zum Beispiel den ganz praktischen Aspekt, wie eine BR-Umfrage nach einem katholischen Gottesdienst in Pullach im Landkreis München zeigt: "Die Kirche sollte sich jetzt wirklich anstrengen, dass die Leute wieder in die Kirche gehen, weil der Glaube geht langsam verloren. Wenn man noch an solchen Sachen festhalten möchte, dann verlieren sie immer noch mehr Leute."

    "Bis vor kurzem war es ja, glaube ich, möglich, dass wir als Katholiken von evangelischer Seite aus dort teilnehmen durften, umgekehrt eher nicht. Jetzt glaube ich, ist wieder gar nix möglich, ich weiß nicht, ich kenne mich nicht mehr aus. Aber man muss auch nicht alles so ernst nehmen, wir sind ja selber alle erwachsen." BR-Umfrage nach Gottesdienst

    Gläubige Christen sehnen sich nach gemeinsamen Abendmahl

    Kein kritischer Gedanke zur Ökumene, alle Gefragten äußern sich positiv zu einem gemeinsamen Abendmahl. Eine weitere Umfrage in der Münchner Innenstadt, die nicht repräsentativ ist, aber ein Stimmungsbild zeigt: "Ich glaube, da könnte man eine Lösung finden, dass man das gemeinsam macht. Der Glaube ist ja im Prinzip der Gleiche", so ein Christ. Ein weiterer fügt hinzu: "Wir haben verschiedene Konfessionszugehörigkeiten, einer ist evangelisch, der andere ist katholisch, und wenn wir das gemeinsam feiern könnten, dann wäre das sehr schön."

    Vatikan befürchtet Verwässerung der Lehre

    Die Gläubigen sehen eher das Bedürfnis nach Gemeinschaft, weniger den theologischen Hintergrund. Rom legt nach wie vor sein Veto gegen ein gemeinsames Abendmahl, eine gemeinsame Eucharistie ein, fürchtet eine Verwässerung der Lehre. Zu viele Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis.

    Salesianerpater Alfons Friedrich glaubt, dass das gemeinsame Abendmahl kommen wird - es brauche einfach noch etwas Zeit. "Auf diesem Weg gibt es eben leider noch einige Stufen, die wir miteinander übersteigen müssen. Aber zumindest die Hoffnung haben wir, dass da etwas geschieht."

    Bischof Bätzing: Kommunion auch an evangelische Christen

    Für einen Lichtblick für alle, die sich ein gemeinsames Abendmahl wünschen, hat am Donnerstag der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing gesorgt. Auf der Pressekonferenz nach der Frühjahrsvollversammlung sagte er:

    "Wenn ein evangelischer Christ bei einer Messe vor den Altar tritt und die Kommunion möchte, dann werde ich sie ihm geben. Und so ist das Praxis in vielen katholischen Gemeinden." Bischof Georg Bätzing

    Eine allgemeine Einladung zur Teilnahme an der Eucharistiefeier bedürfe allerdings noch weiterer Schritte. Der Respekt vor der Gewissensentscheidung Einzelner sei jedoch davon unabhängig schon jetzt zu respektieren, so der Limburger Bischof.

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