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Katholiken ringen mit Papst-Wort zu Homo-Ehe | BR24

© Picture Alliance/ROPI/Maria Grazia Picciarella

Hat gut Lachen: Papst Franziskus.

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    Katholiken ringen mit Papst-Wort zu Homo-Ehe

    In einer neuen Doku über das Kirchenoberhaupt äußert sich Papst Franziskus wohlwollend über Homosexuelle. Aber nicht alle sehen darin die Forderung nach zivilen Lebenspartnerschaften. Die Kirche ist einmal mehr gespalten - auch in Deutschland.

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    Von
    • Simon Berninger

    Homosexuelle Menschen "haben das Recht, in einer Familie zu sein", sie haben "das Recht auf eine Familie". Mit diesen auf Spanisch geäußerten Worten hat Papst Franziskus für eine anhaltende Kontroverse innerhalb und außerhalb der katholischen Welt gesorgt. Besonders kontrovers dabei die Forderung des Papstes nach einem "ley de convivencia civil", was deutsche Medien allgemein mit "Gesetz für zivile Partnerschaften" übersetzt haben.

    Entsprechend sehen viele in den jüngsten Worten des Papstes den lang ersehnten Segen der katholischen Kirche zumindest für die zivile Homo-Ehe. Zugleich formieren sich auch solche, die den Wortlaut, wenn nicht gar die Autorität des Papstwortes anzweifeln: Der Papst stehe "nicht über dem Wort Gottes", der die Ehe zwischen Mann und Frau eingesetzt habe, kommentierte etwa der ehemalige Regensburger Bischof, Kardinal Ludwig Müller, bis 2017 Chef der Glaubenskongregation in Rom, in der italienischen Zeitung "Corriere della Sera".

    Filmpremiere in den Vatikanischen Gärten

    Also doch nichts verbindlich Neues aus der katholischen Kirche in Sachen Homosexualität? Wirklich neu sind die kontrovers diskutierten Worte des Papstes jedenfalls nur insofern, als sie nun erst öffentlich wurden. Die Äußerung fiel bereits im Mai 2019 in einem Interview der renommierten Journalistin Valentina Alazraki, jahrzehntelange Rom-Korrespondentin für den mexikanischen Fernsehsender Televisa.

    Damals habe man der Äußerung keinen Nachrichtenwert beigemessen, teilte der Fernsehsender nun mit, nachdem die Aufnahmen doch öffentlich wurden. Und zwar im Filmporträt "Francesco", worin sich der russische Regisseur Jewgeni Afinejewski des Interviews bediente. Sein Porträt über das katholische Kirchenoberhaupt feierte vergangenen Donnerstag Premiere - bei einem Filmfestival in den Vatikanischen Gärten, zwar nicht in Anwesenheit des Papstes höchstpersönlich, aber doch mit ranghohen Vertretern des Vatikan, darunter auch der Leiter des Päpstlichen Mediendikasteriums Paolo Ruffini.

    Vatikan schweigt sich aus

    In den offiziellen Vatikan-Medien unter Ruffinis Ägide wurde über die Papst-Aussagen jedoch gar nicht berichtet. Bislang fehlt auch eine offizielle Einordnung des Vatikan, was irritierte Katholiken am vergangenen Samstag gar auf dem Petersplatz in Rom plakatieren ließ: "Holy Father, we ask for clarity on same-sex unions": Heiliger Vater, wir bitten um Klarheit in Sachen Homo-Ehe.

    Zu den Papstworten wollten sich bislang auch die meisten deutschen Bischöfe nicht äußern, obgleich sie sich auf ihrem Synodalen Weg derzeit auch mit einer möglichen Öffnung für homosexuelle Partnerschaften befassen. Auf Anfragen der Frankfurter Sonntagszeitung hätten sich viele Bischöfe darauf berufen, den genauen Zusammenhang der Papstworte nicht zu kennen.

    Der derzeitige Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, sagte der Zeitung indessen, die Äußerungen von Franziskus seien zu deuten "im Licht der Lehre der Kirche, wie sie im Katechismus zusammengefasst ist und die der Papst offenbar selbst nicht infrage stellt, sondern bekräftigt". Ein Film sei auch kein Medium für eine verbindliche Verkündigung.

    Geistliche sollen "homosexuelle Kultur" nicht unterstützen

    Verbindlich und bis heute in Kraft war zuletzt eine Vatikan-Instruktion aus der Feder des emeritierten Papstes aus Deutschland, Josef Ratzinger, mit der er Geistliche verhindern wollte, die "Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine so genannte homosexuelle Kultur unterstützen".

    Dem steht nun de facto das Wort des amtierenden Papstes entgegen, und das umso mehr, da Franziskus‘ viel zitiertes "Wer bin ich, zu urteilen?" schon 2013 als Schritt in Richtung Toleranz von Homosexuellen gedeutet wurde. Und nun also noch ein Schritt weiter mit der Forderung an die Staaten der Erde, ein "ley de convivencia civil" für Homosexuelle einzuführen?

    "Der Papst spricht von einem zivilen Zusammenleben, nicht von einer zivilen Ehe", interpretiert der peruanische Kardinal Pedro Barreto den spanischen Wortlaut des Papstes derweil. So verstanden träfe das Recht, das der Papst von den Staaten fordert, nur den einzelnen Homosexuellen, der von Staat und Familie nicht entrechtet oder ausgeschlossen werden dürfe. In Ländern wie Uganda geschieht das nach wie vor mit der ideellen Unterstützung von katholischen Kirchenvertretern. Den Segen von ihrem obersten Kirchenführer haben sie nun aber zweifelsohne nicht mehr - zivile Homo-Ehe hin oder her.

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