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Katharina Wagner bleibt Festspielchefin in Bayreuth | BR24

© Nicolas Armer/dpa

Katharina Wagner

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    Katharina Wagner bleibt Festspielchefin in Bayreuth

    Der Vertrag mit der Wagner-Urenkelin wurde um fünf Jahre verlängert, obwohl sie auf dem Grünen Hügel nicht unumstritten ist. Vor allem ihre Inszenierungen brachten Traditionalisten gegen sie auf, aber auch viele Absagen von Sänger- und Regie-Stars.

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    Ihre Inszenierungen sind bei Wagner-Fans sehr umstritten, ihre bisherige Amtszeit kannte Höhe- und Tiefpunkte gleichermaßen, dennoch wurde der Vertrag von Katharina Wagner als Festspielchefin in Bayreuth jetzt um fünf Jahre verlängert, teilte der bayerische Kunstminister Bernd Sibler mit. Demnächst sollen die Unterschriften erfolgen. Damit wird die Wagner-Urenkelin bis 2025 die Geschicke auf dem Grünen Hügel wesentlich mitbestimmen, wenn auch nicht allein entscheiden, denn seit 2008 reden die Gesellschafter, darunter der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth, der Bund und die Freunde der Festspiele mit.

    140 Jahre Tradition

    Kunstminister Bernd Sibler kommentierte die Entscheidung für die Vertragsverlängerung in einer Pressemitteilung mit den Worten: "Mit Katharina Wagner bleibt die einzigartige Tradition, dass die Leitung der Bayreuther Festspiele seit über 140 Jahren bei der Familie des großen Komponisten Richard Wagner liegt, erhalten! In den vergangenen elf Jahren hat Katharina Wagner als Festspielleiterin die Richard-Wagner-Festspiele konsequent und künstlerisch weiterentwickelt. Es freut mich außerordentlich, dass Frau Wagner ihre erfolgreiche Arbeit auf dem Grünen Hügel fortsetzen kann."

    Die Festspielchefin zeigte sich "erfreut" darüber, dass sie ihre Arbeit für die Bayreuther Festspiele "kontinuierlich fortsetzen und weiterentwickeln" könne. Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe ergänzte: "Mit Katharina Wagner ist für die kommenden Jahre sichergestellt, dass die Bayreuther Festspiele durch ein Mitglied der Familie Wagner repräsentiert und geleitet werden. Eine solche Kontinuität über Generationen hinweg dürfte weltweit einmalig sein."

    "Diskurs Bayreuth"

    In den vergangenen Jahren modernisierte Katharina Wagner das Marketing und den Vertrieb der Festspiele, sorgte für Live-Übertragungen vor Ort und im Netz, begründete eine jährliche kindgerechte Inszenierung von Wagner-Opern und den "Diskurs Bayreuth", auf dem über Werk und Leben von Wagner diskutiert wird. Strittig sind zum Beispiel das Verhalten der Familie in der NS-Zeit, der radikale Antisemitismus des Komponisten und die Frage, wieweit die Opern darüber Auskunft geben können.

    Mit ihren bisherigen Inszenierungen hatte Katharina Wagner bei den Bayreuth-Pilgern wenig Glück: Ihre "Meistersinger von Nürnberg" galten hinter vorgehaltener Hand als "Kassengift", und auch an ihrer Deutung von "Tristan und Isolde" schieden sich die Geister. Manchem Wagner-Fan ist sie zu forsch und plakativ, so wird der eigentlich eher melancholische König Marke im "Tristan" - sonst eher Publikumsliebling - bei ihr zu einem düsteren Bösewicht, der seine Untertanen im Kerker mit Überwachungstechnik in Schach hält.

    Viele Absagen und Planungsprobleme

    Der letzte "Ring des Nibelungen" in der Regie von Frank Castorf sorgte für gewaltigen Aufruhr, nach einigen Spielzeiten allerdings auch für Zustimmung. Eher ein geteiltes Echo bekam der "Lohengrin" von Yuval Sharon. Hervorragende Kritiken erhielten dagegen Barrie Koskys "Meistersinger von Nürnberg" und der "Tannhäuser" von Tobias Kratzer aus der vergangenen Saison.

    Nicht in den Griff bekam Katharina Wagner die langfristige künstlerische Planung. Es hagelte Absagen, auch kurzfristige, von Sängern wie Anna Netrebko und Roberto Alagna, aber auch von Dirigenten wie Andris Nelsons und Regisseuren wie dem Letten Alvis Hermanis, der ursprünglich den "Lohengrin" übernehmen sollte. Mit der profilierten Regisseurin Tatjana Gürbaca, die eigentlich den nächsten "Ring" stemmen sollte, gab es Gespräche, aber keinen Vertrag. Ihr sollen die Probenzeiten zu kurz gewesen sein, es gab wohl auch künstlerische Differenzen um die Ausstattung. Deshalb musste Katharina Wagner Knall auf Fall einen anderen Regisseur für den monumentalen Vierteiler finden und berief den völlig unbekannten Valentin Schwarz, einen 30-jährigen Österreicher ohne jede Wagner-Erfahrung. Seine mäßige "Turandot" in Darmstadt ließ noch nicht auf den ganz großen Wurf schließen, im Juli 2020 wird sein "Ring" zeigen, ob er in der Lage ist, festspieltauglich zu inszenieren.

    Christian Thielemann regiert mit

    Gemessen an den Salzburger Festspielen gibt es in Bayreuth somit deutlich häufiger Querelen und Umbesetzungen. Dirigent Valery Gergiev konnte das Publikum mit seinem "Tannhäuser" im vergangenen Sommer nicht überzeugen und sorgte als Vielreisender mit wenig Bayreuth-Präsenz für Unmut. Der in Europa noch recht unbekannte finnische Dirigent Pietari Inkinen, der nächstes Jahr den "Ring" übernehmen soll, wird sich vor allem an seinem Kollegen Christian Thielemann messen lassen müssen, dem Bayreuther Musikchef, der als einziger Dirigent der Gegenwart alle zehn dort aufgeführten Wagner-Werke bereits interpretiert hat.

    Thielemann gilt als Vertrauter von Katharina Wagner, ist aber auch nicht eben unkompliziert. Er geriet schon mit vielen Intendanten aneinander, zuletzt mit Nikolaus Bachler im Streit um die Salzburger Osterfestspiele. Die Wagner-Expertise von Thielemann ist unbestritten, viele seiner Auftritte werden zu musikalischen Sternstunden. Er selbst behauptet, in Bayreuth bei anderen Produktionen nur dann seine Meinung zu sagen, wenn er von Dirigentenkollegen darum gebeten wird. So oder so muss Katharina Wagner ihn einbinden - leichter wird das in den nächsten fünf Jahren gewiss nicht. Und auch der Andrang der Zuschauer war in Bayreuth schon mal wesentlich größer: Hohe Eintrittspreise, veränderte Freizeitgewohnheiten, der Mangel an prestigeträchtigen Hotels in Bayreuth und eine gewisse Übersättigung mit Wagner-Opern lassen die Nachfrage schrumpfen.

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