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Kate Manne zeigt, wie stark der Hass auf Frauen ist | BR24

© Bayern 2

Die Philosophin Kate Manne untersucht in ihrem Buch "Down Girl - Die Logik der Misogynie" die Wurzeln des Frauenhasses. Sie beschreibt, wie unsere Gesellschaft auf Misogynie fußt, Frauenhass sei kein Fehlverhalten Einzelner.

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Kate Manne zeigt, wie stark der Hass auf Frauen ist

Die Philosophin Kate Manne untersucht in ihrem Buch "Down Girl" die Wurzeln des Frauenhasses. Es handele sich nicht um Fehlverhalten Einzelner, argumentiert sie: Unsere Gesellschaft fußt auf Misogynie.

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23. Mai 2014: Der Amokläufer Elliot Rodger beginnt seinen „Krieg gegen Frauen“, erschießt sechs Menschen, verletzt weitere 13 Personen und tötet sich am Ende selbst. In einem kurz zuvor geposteten Video gibt es eine aussagekräftige Begründung: „Mädchen schenkten Sex und Liebe anderen Männern, aber niemals mir“.

Ein 22-jähriger, der es als die Pflicht von Frauen ansieht, ihn zu lieben. Und der sie für ihre vermeintliche Missachtung mit dem Tod bestraft. Ein Einzelfall eines psychisch Kranken? Viele konservative Kommentatoren sahen es so. Was für die Soziologin Kate Manne kein Zufall ist. Misogynie, Hass auf Frauen ist für sie ein integraler Bestandteil unserer Kultur - ebenso wie das Leugnen dieses Faktums durch viele Männer. Anderenfalls müssten sie ihr eigenes Verhalten, ihre eigene Art und Weise zu leben hinterfragen. Und damit die Machtstellung, die die Gesellschaft ihnen immer noch zubilligt.

Das Buch „Down Girl – Die Logik der Misogynie“ ist selbst für die Autorin überraschenderweise die erste große Abhandlung über den Hass auf Frauen und seine Ursachen. Manne wertet viele soziologische Arbeiten aus, aber ebenso Artikel aus populären Zeitschriften. Außerdem reflektiert sie persönliche Erfahrungen. Etwa die, nur dann als Frau zuvorkommend behandelt zu werden, wenn sie nicht selbst Ansprüche stellt. Anhand vieler Belege zeigt sie: Es ist als Frau gefährlich, mit Männern zu konkurrieren. Sie reagieren darauf mit Gewalt.

Alte Rollenbilder wirken fort

Wie kommt es dazu? Frauen haben - laut Manne - einem Bild zu entsprechen: Sie sind fürs Gefühl zuständig und haben große Verdienste bei der Kinderbetreuung. Gleichzeitig sollen sie allen Männern für die Aufmerksamkeit dankbar sein, die diese ihnen gewähren, auch wenn es nur Riten der Anmache wie etwa Hinterherpfeifen sind. Und das soll Frauenhass sein? Ja – sagt Manne – weil diese Konventionen den Frauen eine Stellung unter dem Mann zuweisen. Misogynie, so Mannes Generalthese, sei ein gesellschaftliches Modell von Geben und Nehmen. Die Funktion von Frauen? Sie hätten Dienstleistungen zu erbringen: Aufmerksamkeit, Bewunderung, Sex, Kinder. Männer hingegen stünden Privilegien zu: Macht, Prestige, Respekt, Geld, Loyalität, Hingabe einer hochrangigen Frau.

© Suhrkamp Verlag

Kate Manne schreibt unter anderem für die New York Times und lehrt an der Cornell Universität

Heute hätten Frauen zwar mehr Möglichkeiten als je zuvor, aber dennoch wirkten diese eingefleischten Konventionen fort. Mannes Modell von Geben und Nehmen macht verständlich, warum Frauen etwa Männern öffentlich verzeihen, die sie misshandelt oder sogar vergewaltigt haben: Es passe besser in die Rollenklischees, einen Täter nachsichtig zu behandeln als ihn offen anzuklagen. Manne bringt hier einige wirklich schockierende Beispiele, etwa den Fall von Lisa Henning, die erst öffentlich ihren Mann der ehelichen Gewalt bezichtigt hat. Aber dann zu Kreuze kriecht, weil er als mächtiger Anwalt mehr Rückendeckung erhält als sie.

Wieso wählen Frauen einen Sexisten?

Manne gelingt es mit diesem Modell auch zu erklären, warum so viele Frauen Trump gewählt haben, obwohl er sie zu Objekten seiner sexuellen Bedürfnisse degradiert. Seine Wählerinnen seien Frauen aus dem konservativem Umfeld gewesen, die genau wussten, dass sie für ihre Unterwerfung mit Anerkennung in ihren Kreisen belohnt werden. Nach demselben Muster hätten sie der Machtfrau Hillary Clinton vorgehalten, sie beanspruche eine Machtposition, die besser ein Mann erfüllen würde.

Kate Mannes Buch ist ein Zwitter. Einerseits eine soziologische Arbeit, die Fakten zusammenträgt und bewertet. Andererseits ist sie eine Kampfschrift, die fordert, endlich den Hass auf Frauen als ein Gift zu begreifen, das sich in Anmachsprüchen wie in Amokläufen findet. Diese Kombination aus Wissenschaft und Gesellschaftskritik ist etwas, was wir dringend brauchen, um ein Gegengift zu entwickeln. Damit Frauen nicht mehr Opfer von Gewalt werden.

Kate Manne: "Down Girl - Die Logik der Misogynie" ist bei Suhrkamp erschienen.

© Suhrkamp Verlag/ Montage BR

Cover: Kate Manne. "Die Logik der Misogynie"

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