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Karriere-Ende: Michael J. Fox zweifelt an seinem Optimismus | BR24

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Mit 29 bekam er die Diagnose, seitdem leidet der Schauspieler unter einer fortschreitenden Parkinson-Krankheit. Jetzt schrieb er über seinen Kampf gegen dieses und andere Leiden, gegen Alkohol und Gedächtnisverlust – und hadert mit seiner Zuversicht.

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Karriere-Ende: Michael J. Fox zweifelt an seinem Optimismus

Mit 29 bekam er die Diagnose, seitdem leidet der Schauspieler unter einer fortschreitenden Parkinson-Krankheit. Jetzt schrieb er über seinen Kampf gegen dieses und andere Leiden, gegen Alkohol und Gedächtnisverlust – und hadert mit seiner Zuversicht.

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Unglaublich, wie viele Schicksalsschläge dieser Mann schon verarbeiten musste - und wie zuversichtlich er bisher dabei dennoch geblieben ist. Seine bisherigen Bücher hatten so optimistische Titel wie "Lucky Man", "Comeback - Parkinson wird nicht siegen" und "Was Lustiges passierte auf dem Weg in die Zukunft". Jetzt legte er mit "Keine Zeit ist wie die Zukunft" nach, sämtlich Anspielungen darauf, dass er als Hauptdarsteller mit der Film-Reihe "Zurück in die Zukunft" in den Jahren 1985 bis 1990 berühmt wurde.

Wegen Text-Schwächen musste er Karriere beenden

Inzwischen freilich, so ist es im "Hollywoodreporter" nachzulesen, fragt sich Fox, ob er es mit seinem Optimismus nicht übertrieben hat. Demnach schreibt er im vierten Band seiner Lebenserinnerungen, der in der Originalausgabe heute erscheint ("No Time Like the Future: An Optimist Considers Mortality"), dass er gelernt habe, "das Leben zu dessen Bedingungen zu akzeptieren", und bisher habe das auch ganz gut funktioniert, aber jetzt stelle er fest, dass ihn seine zuversichtliche Grundeinstellung auch nicht "retten" könne. Wegen zunehmendem Gedächtnisverlust musste er seine Karriere endgültig beenden. Ihm fällt es inzwischen schwer, Texte auswendig zu lernen, wegen der Zitter-Anfälle kann er auch nicht mehr Gitarre spielen und zeichnen. Stattdessen will er sich auf das Schreiben beschränken.

Im Vorwort seiner Memoiren erklärt er seine langjährige Erkrankung so: "Nach dreißig Jahren Parkinson habe ich mit dem Leiden eine Art Abrüstungsvertrag geschlossen. Wir haben eine gemeinsame Geschichte. Ich habe vor langer Zeit kapiert, dass sich die Kontrolle über den Verlauf von selbst ausschließt. Stattdessen habe ich mich auf eine Duldung verständigt, die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft voraussetzt. Parkinson ist wie die permanenten Knuffe und Stöße eines Boxers, die auszuhalten sind, wenn du trickst und ausweichst. Aber dann kommt der Kinnhaken, der dich auf die Matte legt."

© John Barrett/Picture Alliance

Michael J. Fox: Karriereende

Fox leidet nicht nur unter Parkinson, sondern wurde vor zwei Jahren auch wegen eines Tumors in der Nähe der Wirbelsäule operiert. Außerdem kämpfte er gegen eine Alkoholabhängigkeit: "Nachdem ich wieder eine Nacht durch gesoffen hatte, wachte ich auf dem Sofa liegend auf und sah meine Frau Tracy neben mir stehen. Ich hatte über den ganzen Teppich Bier verschüttet. Sie fragte mich nur: 'Ist es das, was du willst?'" So sei ihm allmählich klar geworden, dass ihm der Alkohol allenfalls kurzfristig beim Vergessen der Krankheit helfen konnte, aber das Leiden ihn so oder so lebenslang begleiten würde.

Gesichtsmimik nicht mehr unter Kontrolle

Aus der Serie "Chaos City", die von 1996 bis 2002 gedreht wurde und die in Deutschland ab 1997 auf Pro Sieben zu sehen war, stieg Fox aus, nachdem er wegen Parkinson seine Gesichtsmimik nicht mehr so unter Kontrolle hatte wie zuvor. Er sei stolz darauf gewesen, als Darsteller so mitzufiebern, dass die Bildregie sein Gesicht "jederzeit" zeigen konnte, auch, wenn er gerade keinen eigenen Text hatte. Diese Fähigkeit habe er dann verloren. Allerdings habe er sich vorgenommen, den "eingefrorenen Gesichtsausdruck" fortan in anderen Rollen gezielt einzusetzen, als "unergründliche, rätselhafte Persönlichkeit".

© United Archives/Picture Alliance

In seiner Glanzrolle in "Zurück in die Zukunft" (rechts)

Dankbar erinnert sich Fox an die Sitcom "Lass es, Larry!", die deutschsprachig ab 2008 auf Fox zu sehen war. Dort hatte er eine Gastrolle, die er als "befreiend" empfand: "Nach all den Jahren, in denen ich meine Symptome verstecken musste, Medikamente überdosierte, um meine Beweglichkeit zu gewährleisten, konnte ich in diesem Fall alles richtig rauslassen."

Probleme mit dem Rollstuhl

Berührend beschreibt Fox im neuen Buch seinen anfänglichen Widerstand gegen den Rollstuhl. Er habe es als "frustrierend und isolierend" empfunden, jemand anderem ausgeliefert zu sein: "Im Rollstuhl fühlte ich mich häufig wie ein Gepäckstück. Es wird von dir nicht erwartet, dass du viel sagst, es reicht, wenn du still da sitzt." Es habe gedauert, bis er den Rollstuhl als "Werkzeug" statt als "Tyrannen" betrachtet habe.

© Headline Publishers

Buch-Cover

Seine Auftritte in der Serie "Designated Survivor", auf Netflix abrufbar, empfand Fox als Tortur, wurde doch im Winter im kanadischen Toronto gedreht. Die vielen Wege in der riesigen Studiohalle hätten ihn stark belastet, selten habe er eine Szene ohne Unterbrechung durchstehen können: "Alles hat seine Zeit, und meine ist vorbei, wenn es darum geht, zwölfstündige Arbeitstage und sieben Seiten Dialog durchzustehen. Ich trete jetzt in einen zweiten Ruhestand ein. Mag sein, dass sich das ändert, wie sich alles ändert. Aber wenn das das Ende meiner Karriere ist, dann ist es halt so."

Als Motto für sein Buch hat sich Fox übrigens ein Zitat aus einem Roman von Stephen King entliehen: "Die Welt schickt am Ende einen miesen Aufpasser raus, um deinen Fortschritt aufzuhalten und dir zu zeigen, wer der Boss ist."

Michael J. Fox: "No Time Like the Future: An Optimist Considers Mortality", Headline-Verlag, 256 Seiten, 21,99 Dollar

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