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Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Eine Frau mit Mundschutz verfolgt einen Gottesdienst in der ansonsten fast menschenleeren St. Matthäuskirche in München.

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Karfreitag: Kirchen in Bayern begehen stillen Feiertag

Am heutigen Karfreitag gedenken Christen in ganz Bayern des Sterbens Jesu am Kreuz. Die Gottesdienste am Karfreitag werden in Stille gefeiert, ohne Glockengeläut, ohne Orgel. Und in Corona-Zeiten wird es in den Kirchen sogar noch stiller als sonst.

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Von
  • Markus Kaiser
  • Martin Jarde

Ein junger Mann, der den Körperbau eines Models hat, liegt friedlich auf einem weißen Laken. Während sein Gesicht lebendig, schlafend wirkt, ist seine nackte Brust blutig und verletzt, während seine Beine in Dunkelheit gehüllt bereits wie die eines Toten wirken.

Karfreitag: Kreuze in Kirchen mit Stoff verhüllt

"Man möchte eigentlich gar nicht von dem Gesicht wegschauen, weil das so friedlich und unverletzt aussieht und dann offenbart sich eben, dass die Schönheit des Menschen, seine Kraft, sein Leben verwundbar ist", sagt Pfarrer David Theil. Die Fotografie des spanischen Künstlers und Jesuiten Pepe Vives, übertragen auf vier Pergament-Tafeln, ist eine Station des Jugendkreuzwegs in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Ursula in München.

Hier ist schon alles für den Karfreitagsgottesdienst vorbereitet. Die Kreuze sind mit Stoff verhüllt. Eine symbolische Handlung, die Aufmerksamkeit erregen soll. Denn galt das Kreuz zur Zeit Jesu als Zeichen des Schreckens und Schandmal, ist es heute eines der vertrautesten religiösen Symbole, das wir als Kettchen sogar um den Hals tragen, erklärt Pfarrer Theil. "Und da ist der Gedanke, dass wir in all dem, was uns so gewöhnlich geworden ist, ein Stück wieder weg nehmen, um es neu in den Blick zu nehmen."

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Bildrechte: Martin Jarde

Jesus im Grab: Fotografie des spanischen Künstlers und Jesuiten Pepe Vives in St. Ursula

Gottesdienste ohne Orgel und Glockengeläut

Das neu in den Blick nehmen passiert bei der Enthüllung und Verehrung des Kreuzes im Gottesdienst. Dieser ist traditionell still gestaltet, ohne Orgelmusik und Glockengeläut. Die Stille am Karfreitag ist für Pfarrer Theil ein Ausdruck von Sprachlosigkeit. In der Bibel mit Blick auf die Kreuzigung Jesu, aber auch übertragen auf heute: Die Pandemie, Krankheit, Leid und Tod machen uns sprachlos, so David Theil.

"Dass wir an einen Gott glauben, der uns das Leiden nicht erspart und die Größe hat, das Leiden mit uns zu teilen. Das ist immer auch mit Stille verbunden." Pfarrer David Theil

Das merke man auch in der Trauerbegleitung oder wenn jemand mit einem schweren Schicksalsschlag hadert, so Theil. Das schwierigste sei, wenn Menschen anfangen, zu viel zu reden, zu viel zu erklären. "Sondern da ist es oft angesagt, dass ich lerne, mit einem Menschen das auszuhalten, die eigene Ohnmacht und Sprachlosigkeit – davon hat der Karfreitag sehr viel."

Brauchtum am stillen Feiertag: die Karfreitagsratschen

Doch es ist nicht alles still am Karfreitag. Gesang ist ohne Instrumente erlaubt – in Corona-Zeiten hier in St. Ursula wird allerdings nur ein Ensemble singen, die Gläubigen singen nicht. Und es gibt am Karfreitag traditionell auch richtigen Lärm: Die Karfreitagsratschen sind in diesem Jahr wie so viele Dinge aber vor allem im Netz zu hören. Was es damit auf sich hat?

Dieser Brauch sei in der katholischen Tradition entstanden, erläutert Pfarrer Theil. Normalerweise rufen die Glocken auf dem Kirchturm zum Gebet. "Und nachdem die Glocken von Gründonnerstags-Gloria bis Osternachts-Gloria nicht erklingen, brauchte man ein anderes Zeichen, um die Menschen zu rufen. Und daraus entstanden die Karfreitagsratschen."

Protestanten feiern Abendmahl – anders als Katholiken

Für Protestanten ist der Karfreitag ein ganz besonderer Tag. Anders als Katholiken wie die in St. Ursula, feiern evangelische Christen an diesem Tag das Abendmahl. Die Evangelische Kirche in Deutschland schreibt auf ihrer Webseite: "Im Angesicht des Kreuzes muss jeder Christ sich fragen, wie ernst es ihm mit seinem Glauben ist und ob er bereit ist, Jesus auf seinem Leidensweg zu folgen." Eine solche Selbstkritik könne allerdings nur üben, wer über dem Klagen das Frohmachende des Evangeliums nicht vergesse.

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Bildrechte: BR

Christen feiern heute Karfreitag. Die traditionellen Prozessionen müssen wegen der Pandemie ausfallen. Gottesdienste dürfen unter strengen Auflagen stattfinden. Der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm predigte in der Münchner Matthäuskirche.

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