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Kardinal Reinhard Marx

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    Kardinal Marx schließt erneuten Amtsverzicht nicht aus

    Nach seinem angebotenen Rücktritt und der Ablehnung durch Papst Franziskus, hat Kardinal Marx zu Reformen in der Kirche aufgerufen. In einem Schreiben an die Gläubigen seiner Diözese schließt er einen erneuten Amtsverzicht nicht aus.

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    Von
    • Martin Jarde

    Keinesfalls werde er "einfach weitermachen, als sei nichts geschehen". Das schreibt Kardinal Reinhard Marx in einem Hirtenbrief an die Gläubigen der Erzdiözese München und Freising, der am kommenden Wochenende in den Pfarreien bekannt gemacht wird. Nach seinem angebotenen Amtsverzicht und dem Antwortbrief von Papst Franziskus möchte der zu den mächtigsten Kirchenmännern in der Welt gehörende Marx nun noch stärker auf Reformen drängen.

    Missbrauch betrifft weit mehr als nur die direkten Opfer

    Einschneidend bleibe für ihn die Erkenntnis, "dass im Raum der Kirche so viele Menschen Unheil und Leid erfahren haben und nach wie vor daran schwer tragen", so Marx. Obwohl der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bereits im Jahr 2010 allgemein bekannt wurde, habe er erst in jüngerer Zeit zu verstehen begonnen, wie sehr sexuelle Gewalt neben den direkten Opfern, sich auch auf deren Familien und die Pfarreien auswirke.

    Marx: Werde prüfen, ob ich erneut Gespräch mit Papst suche

    Mit Blick auf die Gründe für seinen im Juni angebotenen Amtsverzicht stellt er fest: "Einschneidend bleibt für mich die Erkenntnis, dass im Raum der Kirche so viele Menschen Unheil und Leid erfahren haben und nach wie vor daran schwer tragen." Dabei schließt er auch einen erneuten Amtsverzicht nicht aus.

    "Wenn sich eine neue Situation ergibt oder veränderte Umstände (...) werde ich prüfen, ob ich nicht erneut das Gespräch mit dem Heiligen Vater suchen sollte." Kardinal Marx

    Rücktritt als Zeichen der Mitverantwortung

    Leider, so Marx, hätten viele Menschen "durch Unterdrückung, Einschüchterung und geistliche Arroganz das Evangelium oft nicht als befreiende und hoffnungsvolle Botschaft erfahren", sondern seien "eher in eine Angst vor Gott geführt worden". Sein angebotener Rücktritt sollte ein "Zeichen sein, dass ich für all das persönlich und als Amtsträger Mitverantwortung übernehmen muss", betonte Marx. Denn als Bischof stehe er für die Kirche ein, auch für Ereignisse, die in der Vergangenheit passiert seien.

    Kirche braucht Reformen - in Deutschland und weltweit

    Gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden und den diözesanen Gremien wolle er nun "nicht einfach zur Tagesordnung" übergehen. Seit Langem sei er "der Überzeugung, dass wir einen großen Epochenwandel erleben – nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft". Auf diesen Wandel müsse die katholische Kirche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit reagieren.

    Dabei sei klar, so Marx: "Wir brauchen Reform und Erneuerung in und für die Kirche." Diese Reformen sollten jedoch nicht zu einer Spaltung führen. Vielmehr müsse sich ein Sinn für die "Einheit in Vielfalt" in der Kirche entwickeln.

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