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Kardinal Marx gründet Stiftung für Missbrauchsopfer | BR24

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"Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen", sagt der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. Deshalb hat sich der 67 Jährige entschieden, mit einem Großteil seines Privatvermögens eine Stiftung für Missbrauchs-Opfer in der Kirche zu gründen.

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Kardinal Marx gründet Stiftung für Missbrauchsopfer

"Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen", sagt der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. Deshalb hat sich der 67 Jährige entschieden, mit einem Großteil seines Privatvermögens eine Stiftung für Missbrauchs-Opfer in der Kirche zu gründen.

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Von
  • Tilmann Kleinjung

500.000 Euro steckt Reinhard Marx in die neu gegründete Stiftung. Sie trägt den lateinischen Namen "Spes et Salus", zu deutsch "Hoffnung und Heil". Um Wiedergutmachung oder Entschädigungen soll es nicht gehen. Vielmehr soll die Stiftung Betroffenen von Missbrauch einen "Weg zu Heilung und Versöhnung eröffnen".

In einer Videobotschaft erklärte Marx: Er sei jetzt in einem Alter, in dem man überlege: "Was geschieht mit dem, was ich an Geld habe?"

"Deswegen habe ich entschieden, dass ich mein Vermögen, das sich in den letzten Jahrzehnten in meinen Aufgaben als Institutsdirektor, Professor und Bischof angesammelt hat – und ich habe versucht verantwortlich mit dem Geld umzugehen -, einzubringen in diese Stiftung. Und ich hoffe, dass andere sich vielleicht anschließen." Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising

Prävention und Aufarbeitung

Dass ein Bischof privates Vermögen investiert und das auch öffentlich macht, ist in der Geschichte des Missbrauchsskandals bislang einzigartig. Marx hofft auf Nachahmer. Dabei soll die Stiftung das Engagement der katholischen Kirche in der Prävention sowie in der Aufarbeitung und Anerkennung des Leids ausdrücklich ergänzen. Marx geht es darum, Betroffene in einer "selbstbestimmten persönlichen Entwicklung" zu unterstützen.

Bei ihrer letzten Tagung hatte die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, Betroffenen deutlich großzügigere Anerkennungsleistungen als bisher auszuzahlen. Man will sich an der oberen Grenze der Schmerzensgeldtabelle orientieren – die liegt bei 50.000 Euro. Der neuen Stiftung von Marx geht es um den nicht bezifferbaren Schaden, den Missbrauchsopfer davontragen. Eine Erfahrung, die der Kardinal im Gespräch mit Betroffenen gemacht hat:

"Dass Menschen im Raum der Kirche ihren Glauben verloren haben, das begleitet mich seitdem, und die Frage ist: Können wir etwas tun, dass Menschen ihren Glauben wiederfinden." Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising

Vertreter der Kirche haben Menschen den Glauben ausgetrieben

Die Stiftung soll Initiativen, Projekte finanzieren, die die spirituelle Dimension des Missbrauchs in den Blick nehmen. Dazu gehört, dass Vertreter der Kirche Menschen ihren Glauben ausgetrieben haben. Begleitet werden die Projekte vom Zentrum für Kinderschutz an der römischen Gregoriana Universität. Hier arbeitet seit neuestem auch der frühere Generalvikar der Erzdiözese Peter Beer, der im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk klarstellt

"Es geht nicht darum, zu rekatholisieren, für Kirche zurückzugewinnen. Sondern es geht darum, Betroffenen zu ermöglichen, ihren Weg zu finden, sofern dies gewünscht ist und sie dabei zu unterstützen." Peter Beer, Zentrum für Kinderschutz, Gregoriana Universität

Erzbischof verdient 13.654 Euro monatlich

Die großzügige Stiftung des Kardinals stößt auf ein positives Echo. Von einer "edlen Tat" ist in sozialen Netzwerken die Rede oder: "Das könnte doch ein Anfang sein." Etwaige Fragen, warum ein Kirchenmann von einer halben Million Euro verfügt, beantwortet die katholische Nachrichtenagentur mit dem Hinweis: "Als Münchner Erzbischof ist Marx der staatlichen Besoldungsgruppe B 10 zugeordnet. Die aktuelle Tabelle weist ein Monatsbrutto von 13.654 Euro aus."

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