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Timothy Roller und Miriam Neumaier
© Deutsches Theater München
© Deutsches Theater München

Timothy Roller und Miriam Neumaier

Die Zuschauer sitzen gemütlich an Tischen, schlürfen Sekt und fragen sich, ob das wirklich geht: "Ein bisschen" heiraten? Vermutlich würde das mancher gern ausprobieren, speziell in New York, wo die Menschen generell keine Zeit haben und womöglich auch Hochzeiten nur teilweise erledigen können. Wie auch immer: Stephen Sondheim, Jahrgang 1930 und leidenschaftlicher New Yorker, schrieb wunderbare Lieder über die Unmöglichkeit der Liebe, über "dumme Menschen", "Girls of Summer", das Leben im Golfclub und Männer, die nebenbei auch gut Foxtrott tanzen können. Kurz und gut: Er ist seit vielen Jahrzehnten hingebungsvoller Fachmann für Beziehungs-Dramen und belesener Stadt-Neurotiker.

Kein hitverdächtiger Komponist

Das Problem: Sondheim ist zwar ein vielfach preisgekrönter und wirklich genialer Texter ("West Side Story"), , aber leider kein besonders hitverdächtiger Komponist. Im Broadway-Geschäft gilt er als bei weitem anspruchsvollster Musical-Autor, der nicht gerade den Mainstream-Geschmack bedient ("Sweeney Todd", "Assassins"). Insofern war der Liederabend "Heirat mich ein bisschen" mit Songs von Sondheim im Silbersaal des Deutschen Theaters bestens aufgehoben - klein, aber fein!

Seifenblasen und bunte Kreisel

Rund 75 Minuten lang präsentierten Miriam Neumaier und Timothy Roller, beide Nachwuchssänger von der Bayerischen Theaterakademie, allerlei Sondheim-Kostproben - mal melancholisch, mal frech, mal ironisch. In der Regie von Frieder Kranz wurde das eine unterhaltsame Angelegenheit, weil der ganze Saal bespielt wurde, einschließlich Seifenblasen, magisch leuchtender Kreisel, vieler Hüte und Konfetti. Neumaier und Roller wechselten rasant von Rolle zu Rolle, kokettierten, fabulierten, gestikulierten so lustvoll wie augenzwinkernd. Leider wirkt Sondheims Sprachwitz in der deutschen Übersetzung bisweilen schwerfällig - so durch und durch amerikanisch, wie er nun mal ist, wären die Originaltexte allemal lohnender gewesen.

Wieder am 31. März und 1. April, jeweils 20.00 Uhr.

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Gelehrte Mienen

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Achtung, Sondheim!

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