| BR24

 
 
© dpa-Bildfunk

Heiligsprechung Oscar Romeros

In dem kleinen zentralamerikanischen Land El Salvador wird Oscar Romero schon seit langem von der Mehrheit der Bevölkerung wie ein Heiliger verehrt. Doch sein Selig- und auch das Heiligsprechungsverfahren waren mit vielen Hindernissen und Verzögerungen verbunden. Sein Einsatz für die Rechte der Armen missfiel nicht nur der Oberschicht El Salvadors, auch im Vatikan gab es Widerstände.

Das "Wunder Romero"

Geboren in einer armen Familie, wollte Oscar Romero schon mit zwölf Jahren Priester werden. Nach seinem Theologiestudium in Rom wurde er 1942 zum Priester geweiht und kehrte anschließend nach El Salvador zurück. Dort wurde er als Seelsorger geschätzt, galt jedoch als sehr konservativ und zurückgezogen. Romero wollte die Kirche aus den wachsenden sozialen Konflikten in seinem Land heraushalten.

Das alles änderte sich von einem Moment auf den anderen, als Oscar Romero von der Ermordung des befreundeten Jesuiten Rutilio Grande erfuhr. Grande hatte sich für die Rechte der Armen stark gemacht und die Campesinos ermuntert, sich zu organisieren und bei den Großgrundbesitzern für eine gerechtere Landverteilung einzusetzen. Diesem Engagement stand Romero stets reserviert gegenüber. Doch der Mord an seinem Freund wurde zum Wendepunkt in Romeros Leben, zum "Wunder Romero", wie viele sagen: Der Bischof zog sich nicht mehr zu seinen Büchern zurück, sondern suchte fortan den Kontakt zu den Menschen.

"Ein Bischof muss immer viel von seinem Volk lernen."

Auf der Suche nach der Begegnung mit den Menschen, begab sich Romero in die entlegensten Winkel San Salvadors. Er besuchte Elendsviertel, nahm beschwerliche Fußmärsche auf sich und richtete in der erzbischöflichen Kurie eine Cafeteria ein, in der sich die Besucher zusammensetzen und plaudern konnten. Auch er setzte sich dazu, wenn es möglich war.

Hatte er früher seine Entscheidungen allein getroffen, ließ sich Oscar Romero nach seinem Gesinnungswandel von den unterschiedlichsten Leuten beraten: Er hatte drei verschiedene Beratergruppen für pastorale, juristische und politische Fragen und schrieb auch seine Hirtenbriefe nicht mehr allein. Für einen ließ er Fragebögen an die Gemeinden verteilen, für einen anderen machte er eine Umfrage unter Klerikern und Ordensleuten.

"Wir können nicht autoritär reden, sondern wir müssen zum dialogischen Nachdenken im Licht des Evangeliums einladen." Oscar Romero in einer Predigt

Damit verabschiedete er sich von einem autoritär-vertikalen Kirchenmodell zugunsten eines partizipativen Ansatzes. Mit diesem Schritt machte sich Romero nicht nur Freunde. Vor allem Mitglieder der reiche Oberschicht, die zuvor zu seinen Freunden zählte, wandten sich zum größten Teil von dem Bischof ab.

Von der Wohltätigkeit zu den Strukturen – der Schritt zur Befreiungstheologie

Oscar Romero sah die Christen in der Pflicht, nicht Komplizen des herrschenden Systems zu werden, das immer mehr Menschen in die Armut trieb: "Wir dienen den Armen nicht durch Paternalismus: Hilfe von oben nach unten. Nicht das möchte Gott, sondern eine Beziehung von Bruder zu Bruder."

Für Romero war es ein Wesensmerkmal der Kirche, sich den Armen zuzuwenden. Damit verstand er Kirche ganz im Sinne der Theologie der Befreiung, die in den 1950er Jahren in Lateinamerika entstanden war.

Romeros Engagement machte ihm viele Feinde, die von dem herrschenden System profitierten und ihre Interessen durch seine Bestrebungen bedroht sahen. Sie waren es, die am 24. März 1980 die Ermordung Romeros während einer Heiligen Messe veranlassten.

"Niemand wird deine letzte Predigt zum Schweigen bringen"

Bis heute leidet El Salvador unter Gewalt und sozialer Ungerechtigkeit, und trotzdem geht Hoffnung von Romero aus: Die Hoffnung das Veränderungen hin zu mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit möglich sind. Für diese setzte sich Romero bis zu seinem Tod ein.

Auch Papst Franziskus liegen diese Werte am Herzen. Somit war es für den Papst ein persönliches Anliegen, dass Oscar Romero nun heiliggesprochen wird. Für Franziskus war Romero ein "Märtyrer der Nächstenliebe" und ein vorbildlicher Bischof für eine arme Kirche für die Armen.