Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Kabarettistin, "Mama Bavaria" – Luise Kinseher zum 50. | BR24

© BR

Luise Kinseher wird 50

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kabarettistin, "Mama Bavaria" – Luise Kinseher zum 50.

Acht Jahre lang war sie die Mama Bavaria auf dem Nockherberg und teilte vielfach aus – dann nahm sie den Hut. Heute feiert Luise Kinseher, die einmalige Kabarettistin und hundertprozentige Bayerin, ihren fünfzigsten Geburtstag.

Per Mail sharen

Mit dem Münchner Nockherberg, wo sie beim Starkbieranstich die Mama Bavaria gab, hatte Luise Kinseher quasi auch den Gipfel des politischen Kabaretts erklommen. Acht Jahre lang las sie der Politprominenz die Leviten: dem Horst, dem Markus, der Ilse und wie sie alle heißen.

Acht Jahre als Mama Bavaria

Mit überschaubarem Erfolg, wie sie selbst ironisch anmerkt: "Ich hab' ja jetzt doch immer jahrelang diese hochoffiziellen Reden gehalten am Nockherberg. Ich hab' aufgehört. Es hat ja nichts genutzt."

"Ich trauere dem Nockherberg überhaupt nicht nach, ich hab' das acht Jahre lang gemacht und das Problem haben wir immer gehabt, dass es schwierig war, den richtigen Ton zu treffen, das ist die große Aufgabenstellung. Also ich bin ganz froh, dass ich mich damit jetzt nicht auseinandersetzen muss." Luise Kinseher

Andererseits ist die Mama Bavaria Luise Kinseher so sehr ans Herz gewachsen, dass sie die Figur nun in ihren Kabarett-Alltag integriert hat. "Mama mia Bavaria" heißt ihr aktuelles Solo.

"Wenn man dann nur noch als Mama angesprochen wird, macht das ja auch etwas mit einem als Künstler. Und ich dachte, da ist was drin, da kann ich was draus machen, das kann ich weiter ausgestalten - und da hat sich das dann für mich ganz natürlich ergeben." Luise Kinseher

Vielseitige Vollblutkomödiantin

"Bayern schaut ein bisschen aus wie ich - sanfte Hügel, hohe Berge und keine einzige flache harte Stelle." Die "waffenscheinpflichtige Erotik eines Vollweibs", hat ihr Kabarettkollege Sigi Zimmerschied einmal bescheinigt. Vor allem aber ist Luise Kinseher eine Vollblutkomödiantin, die in einer Vielzahl von Figuren brilliert, zum Beispiel auch als norddeutsche Rentnerin Helga Friese ("Ach, und mein Mann und ich, wissen Sie, wir sind uns in allem einig, seit Heinz alles vergessen hat"), oder als dauerbesoffene Schnapsdrossel "Mary from Bavary". Und auch im Fernsehen hat Kinseher ihre Qualitäten schon ausgespielt: In Franz Xaver Bogners Serie "München 7" zum Beispiel, wo sie als Polizeirevierleiterin Thekla Eichenseher zu erleben ist ("Ja freilich geht es um eine Beförderung, sonst würde ich doch nicht - ja, aber vielleicht kann ich ja später nochmal oder - oder auch nicht, ja. Wiederhören.")

Höhen und Tiefen des Lebens statt politischer Niederungen

Angefangen hat Luise Kinseher als Schauspielerin auf Georg Maiers Iberl Bühne in München. Aufgewachsen ist sie im niederbayerischen Geiselhöring, wo, wie sie scherzt, die Kinder mit dem Taufschein auch gleich das CSU-Parteibuch ausgehändigt bekämen - nur bei ihr habe es geheißen, die CSU sei schon voll. Vielleicht war sie deshalb eigentlich nie eine klassische Politkabarettistin. Statt sich in den Niederungen des politischen Tagesgeschäfts zu verlieren, tummelt sie sich in ihren Programmen gern in philosophischen Höhen, beschäftigt sich mit Themen wie Freiheit, Glück oder Zeit, Altern und Vergänglichkeit.

"Weißt du, andere Frauen in meinem Alter, die haben ein Haus, die haben Kinder - manche sogar einen erwachsenen Mann! Und natürlich Gewichtsprobleme. Ich hab' nur Gewichtsprobleme."

Ihr neues Thema: Heimat

Das politische Kabarett hat Luise Kinseher erst durch den Nockherberg für sich entdeckt. In ihrem aktuellen Programm setzt sie sich nun mit dem Thema Heimat auseinander. Das erlaubt ihr, sich wie gewohnt mit großen Menschheitsfragen zu beschäftigen und gleichzeitig in aktuelle Debatten einzumischen, wie sie es am Nockherberg gelernt hat.

"Heimat zu gestalten heißt natürlich nicht ausgrenzen, sondern feiern, leben und verbinden."

"Die bayerische Wahrheit beruht auf genau drei Prinzipien: dem bayerischen Äquivalenzprinzip - "Leben und leben lassen", der bayerischen Mengenlehre - "Hock di' her, dann samma mehr" - und dem bayerischen Gesetz der flexiblen Masse: "A bissl was geht immer!"

Bleibt zuletzt die Frage, wo eigentlich Luise Kinseher daheim ist - in Niederbayern, wo sie herkommt, oder in München, wo sie lebt. Vermutlich überall da, wo eine Kabarettbühne auf sie wartet.

"Ich hab' X-tausende von Vorstellungen schon gespielt. Bühne ist mein Leben, ich wüsste ja gar nicht, wo ich anderswo wohnen sollte, wenn nicht auf der Bühne."
Mehr zum Thema
  • Abschiede auf dem Nockherberg
  • Die besten Sprüche von der Nockherberg-Fastenpredigt
  • Luise Kinseher für mehr Begegnungsstätten mit Flüchtlingen
Sendung

radioWelt

Autor
  • Christoph Leibold
Schlagwörter