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Azubi in einer Schlosserwerkstatt
© picture alliance/Ulrich Baumgarten

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Azubi in einer Schlosserwerkstatt

"Wie möchtet ihr gerne arbeiten?", lautet die Frage an diesem Nachmittag im Berufsbildungswerk Kirchseeon. Knapp zehn Jugendliche sprechen über autoritäre Chefs und Mitbestimmung der Mitarbeiter im Betrieb. "Wenn dein Chef sagt: Ich mag dich total gerne, deswegen darfst du jetzt 14 Stunden arbeiten, wie findest du das?", fragt Sebastian Petry, der den Gruppenleiterkurs leitet. Die Jugendlichen schauen sich gegenseitig an: 14 Stunden? "Nicht so gut", sagt ein Mädchen.

Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Die jungen Leute in Petrys Kurs machen ein "Berufsvorbereitendes Jahr". Der Sozialpädagoge kümmert sich um Jugendliche, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. "Weil es in der Schullaufbahn irgendwie nicht geklappt hat", sagt Petry, "sei es eine Lernbehinderung, der familiäre Hintergrund oder auch das Thema psychische Erkrankungen." Manchmal seien es aber auch einfach Schüler, die ein bisschen länger brauchen.

Sebastian Petry unterstützt die Jugendlichen dabei, herauszufinden, was sie einmal beruflich machen möchten und zeigt ihnen Wege dorthin auf. Die Übungen im Kurs beschäftigen sich mit Sozialkompetenz, Teamwork und den Umgang mit Konflikten in Gruppen. Petry will den Kursteilnehmern aber auch Mut machen. Denn ein großes Problem, so seine Beobachtung, sei ein mangelndes Selbstbewusstsein.

"Wenn junge Leute hier ankommen, könnte man denken, sie haben von der Gesellschaft einen Stempel auf die Stirn bekommen: Du passt nicht. Und dieses mangelnde Selbstbewusstsein ist wirklich ein Stolperstein." Sebastian Petry, Christliche Arbeiterjugend

Laut dem Deutschen Jugendinstitut blickt fast jeder zweite Jugendliche mit Hauptschulbildung verunsichert in die Zukunft. In Sebastian Petrys Kursen sitzen aber auch Abiturienten oder ehemalige Förderschüler wie Tim. Auch er war nach der Schule verunsichert, "weil sie geagt haben, dass ich auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Ausbildung schaffen würde", erinnert sich der heute 23-jährige. "Ich dachte, ich kann nichts und ich bin schlecht und dumm und so was."

Selbstbewusstsein stärken

Tim ist heute nur zu Gast. Er hat den Gruppenleiterkurs schon vor einigen Jahren absolviert. Sebastian Petry und die Christliche Arbeiterjugend, die CAJ, die sich als selbstständiger Jugendverband für Jugendliche in der Arbeitswelt einsetzt, haben ihn über Jahre hinweg unterstützt. Als Christ sieht Sebastian Petry den Menschen im Mittelpunkt und die Arbeit als sinnstiftend. Tim hat eine Ausbildung gefunden und in der Gastronomie gearbeitet, musste sich dann aber aus gesundheitlichen Gründen eine neue Arbeit suchen.

"Da war schon eine Orientierungslosigkeit bei dir", erinnert sich Sozialpädagoge Petry, "aber du hast nicht viel Anstoß gebraucht." Miteinander haben sie besprochen, wie es bei Tim weitergehen soll. Nach nur zwei Wochen hatte Tim dann eine Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Danach begann er eine Ausbildung als Sozialpfleger. Es habe nur ein paar Gespräche gebraucht, die ein bisschen Mut machen, so Sebastian Petry. Inzwischen hat Tim nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr eine Ausbildung zum Sozialpfleger begonnen. "Bisher läuft es ganz gut", sagt der 23-jährige.