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Jung und mutig: Selbsthilfegruppe gegen Einsamkeit gestartet | BR24

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Jana Zeh hat die Selbsthilfegruppe "Ich bin nicht alleine" gegründet. Die 19-jährige Studentin weiß, wovon sie spricht. Sie kämpft seit Jahren mit psychischen Erkrankungen. Sie fühlte sich einsam und ausgeschlossen. Das wollte sie ändern.

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Jung und mutig: Selbsthilfegruppe gegen Einsamkeit gestartet

Jana Zeh hat die Selbsthilfegruppe "Ich bin nicht alleine" gegründet. Die 19-jährige Studentin weiß, wovon sie spricht. Sie kämpft seit Jahren mit psychischen Erkrankungen. Sie fühlte sich einsam und ausgeschlossen. Das wollte sie ändern.

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Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr kennt Jana das Gefühl von Einsamkeit. Für sie ist es ein Gefühl der Leere. Mutterseelenalleine fühlt sie sich, obwohl sie im kleinen Dorf Eggstätt in der Nähe des Chiemsees jeden kennt und viele Menschen um sich hat. Die Ärzte diagnostizieren psychische Erkrankungen: Depressionen, Essstörungen und das Borderline-Syndrom. Als eine Freundin von ihr auch an Depressionen erkrankt und nur mit Jana darüber sprechen will, hat sie die Idee, eine alternative Selbsthilfegruppe zu gründen, die Menschen, die in einer Lebenskrise stecken oder mit psychischer Erkrankung zu kämpfen haben, unterstützt.

Als 17-Jährige Aufruf im Internet gestartet

Als sich Jana in ihrem Zimmer einmal wieder ganz einsam fühlt, startet sie einen Aufruf in einem Rosenheimer Internetportal. "Ich habe geschrieben, dass ich selbst psychische Erkrankungen habe und ich mir jemanden wünschen würde, mit dem ich mich unterhalten kann. Und dass ich glaube, dass es in der Umgebung auch jemand gibt, dem es genauso geht." Dass daraus eine Selbsthilfegruppe entsteht, daran hatte sie nicht gedacht.

Selbsthilfegruppe "Ich bin nicht alleine" gegründet

15 Leute zwischen 17 und 75 Jahren mit unterschiedlichsten Störungen kamen zum ersten Treffen und wunderten sich, dass ein 17-jähriges Mädchen hinter dem Aufruf stand. Mittlerweile trifft sich die Selbsthilfegruppe "Ich bin nicht alleine" alle zwei Wochen am Sonntag in Prien. Jana Zeh will mit ihrer Gruppe anders arbeiten als das normalerweise in Selbsthilfegruppen üblich ist. Sie machen Ausflüge, es gibt Abende am Lagerfeuer und gemeinsames Singen und Musik hören. "Es sollen nicht die Probleme im Vordergrund stehen, sondern das Miteinander, die Freundschaften und die Verbindungen zueinander."

Ein Bildschirm kann kein Treffen ersetzen

Mit diesem Konzept hat Jana Zeh Erfolg. Bei einem Wettbewerb über besondere Initiativen von jungen Leuten auf dem Land "Local Heros. Landleben" gewann sie den ersten Preis. Durch die Corona-Krise kann sich die Gruppe derzeit nicht treffen, was für alle Beteiligten eine große Herausforderung ist. "Wir haben es auch online versucht, aber es ist nicht das Gleiche. Es ist seltsam, wenn man die ganze Zeit nur vor dem Bildschirm hockt. Wenn wir uns persönlich treffen, dann umarmen wir uns alle am Anfang, dann wird sich in den Arm genommen und unterhalten. So ein Bildschirm kann das niemals ersetzen."

Wann sich die Gruppe in Prien wieder treffen darf, steht noch nicht fest. Interessierte können sich bei Jana melden per Mail ichbinnichtalleine@gmail.com oder über Instagram, instagram.com/jana.c_mentalhealthblog.

Mehr zum Thema "Einsamkeit - Fluch oder Segen?" in der Sendung STATIONEN, am 3. Juni 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und im Anschluss in der BR-Mediathek.

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