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Jugendliche in Uniform: Was Pfadfindern ihre Kluft bedeutet | BR24

© BR / Anna Kemmer

Pfadfinder der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg

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    Jugendliche in Uniform: Was Pfadfindern ihre Kluft bedeutet

    Dass Pfadfinder eine Kluft tragen, hat auch Ursprünge im Militär, Robert Baden-Powell, Gründer der Bewegung, war schließlich ein britischer Kavallerie-Offizier. Doch was bewegt junge Leute heute dazu, freiwillig und gerne eine Uniform zu tragen?

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    "Pfadfinder, gibt es die noch?" Dieser Frage muss sich Lena oft stellen, "ich finde das sehr witzig, weil es die größte Jugendbewegung weltweit ist." Beim Wandern, Reisen oder bei Veranstaltungen tragen Lena und die anderen Pfadfinder der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg eine Art Uniform. Kluft heißt sie bei den Pfadfindern und sie ruft unterschiedliche Reaktionen hervor.

    Kluft steht für Zuverlässigkeit

    "Ich habe das Gefühl, dass wir manchmal belächelt werden", sagt Anna-Lena. Doch für Tom bedeutet die Kluft Privilegien: "Es ist leichter, eine Unterkunft zu finden. Der Bauer sagt, ihr könnt auf meinem Feld zelten, weil einfach klar ist: Pfadfinder verhalten sich anständig." In der Pfadfindergruppe aus Fürstenried im Münchner Westen gelten in Sachen Kluft strenge Regeln: Das Hemd gehört in die schwarze Hose gesteckt. Und diese darf keine Löcher haben.

    Kluft gegen soziale Unterschiede

    "Es kommt aus dem militärischen Kontext", verrät Lena. Pfadfinder-Gründer Robert Baden-Powell sei in London aufgewachsen, wo er Berührungspunkte mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten hatte. "In der Stadt hat er gesehen, dass man alleine an den Klamotten sieht, welcher Mensch zu welcher Schicht gehört."

    Nicht nur beim ersten Pfadfinder-Zeltlager 1907 im Süden Großbritanniens war das einer der Grundgedanken der Kluft: Auch heute noch soll sie soziale Unterschiede unter den Kindern und Jugendlichen unsichtbar machen. "Wir versuchen darüber aufzuklären", sagt Lena. "Die Kluft soll das Gemeinschaftsgefühl stärken, wir sind alle erst mal gleich." Klar gäbe es Unterschiede, bei der Farbe des Halstuches oder den Abzeichen auf der Kluft etwa und mit auffälligen Schuhen oder Schmuck könne jeder noch seine Individualität herausstreichen. "Aber wir haben alle den selben Gedanken, dass wir die Welt besser hinterlassen wollen."

    Die Welt besser machen

    Jeder soll persönlich sein Bestes geben, so das Pfadfinderversprechen. Die Kluft helfe dabei, meint Tom: "Mit Kluft achte ich mehr darauf, wie ich auftrete. Die Leute werden mein Benehmen auf die Pfadfinder zurückführen. Ich bin wahrscheinlich weniger flapsig."

    Weltweit gehören schätzungsweise 38 Millionen Kinder und Jugendliche den Pfadfindern an. Lena war auch schon mal auf einem Weltpfadfinder-Treffen, mit über 40.000 Teilnehmern aus 166 Ländern. "Diese Erfahrung kann man kaum beschreiben. Du drehst dich herum und bis zum Horizont sind Menschen. Das ist einfach so ein unglaubliches Gänsehaut-Feeling." Lena hat bei diesem Treffen Freunde aus vielen verschiedenen Ländern gewonnen, fremde Kulturen kennen und respektieren gelernt. "Es ist auch eine Friedensbewegung. Für mich ist das viel mehr als ein Hobby, es ist ein Lebensgefühl." Ein Lebensgefühl, das sie mit ihrer Kluft nach außen trägt.

    Programmhinweis: Mehr zum Thema am 1. Juli 2020 um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen.