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© Jüdisches Museum Franken
Bildrechte: Jüdisches Museum Franken

Ein Glanzbild-Gruß zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana mit der Aufschrift: "Möge dir ein gutes Jahr eingeschrieben sein".

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    Jüdische Glanzbilder: Die Poesie einer heilen Welt

    Glitzernde, bunte Papierbildchen mit Blumen, Tieren und Märchenfiguren - mit Glanzbildern wurden jahrzehntelang Poesiealben geschmückt. Dass es auch solche mit jüdischen Motiven gibt, zeigt eine Sonderausstellung im Jüdischen Museum Franken.

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    Von
    • Sabine Rauh-Rosenbauer
    • Elisabeth Tyroller

    Seit dem 19. Jahrhundert gibt es die sogenannten Glanz- und Oblatenbilder. Der Begriff Oblate geht auf hauchdünne essbare Bildchen auf Lebkuchengebäck zurück. Die wurden dann nach und nach durch bunte Papierbildchen, die Glanzbilder, ersetzt. Damit wurden Grüße zu Geburts- und Festtagen verschickt und Poesiealben geschmückt und Kinder sammelten und tauschten sie eifrig.

    Entstehung: Ein Gruß zum Neujahrsfest Rosch ha-Schana

    Eher unbekannt sind Glanzbilder, die Motive mit jüdischen Grüßen und Festen zeigen. Sie erlebten nur eine kurze Blütezeit: vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Weltwirtschaftskrise nach dem 1. Weltkrieg. Hergestellt wurden sie in kleinen Werkstätten in Deutschland, der Großteil von ihnen wurde allerdings in die USA exportiert. Denn dort lebten seit Mitte des 19. Jahrhunderts viele aus Deutschland und Osteuropa eingewanderte Jüdinnen und Juden. Ihre Entstehung verdanken die Glanzbilder mit jüdischen Themen der jahrhundertealten Tradition, zu Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahr, Grüße zu versenden.

    Anpassung an den Lebensstil der Gesellschaft

    Wie fast alle Oblaten spiegeln auch die jüdischen Oblaten eine heile Welt wieder, die bereits in der Entstehungszeit vielfach ein idealisierter Rückblick war. Die Frau in ihrem festlichen häuslichen Umfeld, brave Kinder mit dem Großvater auf dem Weg zur Synagoge – allerdings auch viele religiöse Szenen und Bilder biblischer Geschichten und Gestalten. Die Käufer der Oblaten entstammten dem gutsituierten jüdischen Bürgertum, das sich im Alltagsleben dem Lebensstil der nichtjüdischen Gesellschaft angepasst hatte. Deutlich machen das auch die Poesiealben, die nichtjüdische Menschen aus der Umgebung für die Ausstellung eingeschickt haben. All das wird nun in der ehemaligen Synagoge gezeigt.

    Die Ausstellung "Die Poesie der heilen Welt. Jüdische Oblaten und Glanzbilder aus früheren Zeiten" ist noch bis zum 28. November 2021 im Jüdischen Museum Franken in Schnaittach zu sehen.

    Mehr zum Thema "Jüdisches Leben in Bayern" am Mittwoch, 21. Juli 2021 in STATIONEN im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.