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Von der Leyen: Juden in der Bundeswehr bekommen Militärrabbiner | BR24

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Die Bundeswehr wird für Soldaten jüdischen Glaubens Militärrabbiner einführen. Dazu solle ein Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden ausgehandelt werden, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Berlin mit.

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Von der Leyen: Juden in der Bundeswehr bekommen Militärrabbiner

Christliche Militärseelsorger gibt es in der Bundeswehr schon lange, auch wenn heute nur noch die Hälfte der Soldaten Christen sind. Jetzt soll es ein solches Angebot auch für Juden geben. Diese sind in der Bundeswehr eine Minderheit.

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Die Wehrpflicht in Deutschland ist bis auf weiteres aufgehoben. Bis in die dritte Generation der Holocaust-Nachfahren waren junge Juden sowieso vom Wehrdienst befreit. Daher sind bis heute nur wenige Juden in deutsche Kasernen eingerückt. Die Bundeswehr selbst gibt eine Schätzzahl von 300 Juden an. Und für die soll es bald eine eigene Militärseelsorge geben, sagt Ursula von der Leyen.

"Wir möchten wieder Militärrabbiner in unseren Reihen beheimatet wissen", so die Verteidigungsministerin, "wie bei der katholischen und evangelischen Militärseelsorge soll die Basis dazu ein Staatsvertrag sein, zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden in Deutschland als Partner." Denn auch jüdische Soldatinnen und Soldaten hätten ein Recht auf persönliche Begleitung.

Nur wenige Juden in der Bundeswehr

"Diese Bundeswehr steht für das veränderte Deutschland mit der inneren Führung", sagt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. "Heute sehen deutsche Jüdinnen und Juden die Bundeswehr als ihre Armee an." Die Bundeswehr sei ein Spiegel unserer Gesellschaft, meint die Ministerin.

Anders der jüdische Historiker Michael Wolfssohn: "Zu einer Berufsarmee, wie wir sie haben, kommen entweder hochmotivierte Idealisten, das ist meistens eine Minderheit", so Wolfssohn, der bis 2012 an der Universität der Bundeswehr München gelehrt hat. "Die Mehrheit sind aber diejenigen, die auf dem zivilen Arbeitsmarkt keine Beschäftigung finden." Darum sei nicht mit einem großen Ansturm von Juden in die Bundeswehr zu rechnen. Trotzdem unterstützt er die geplanten Militärrabbiner. "Auch wenn es nur zwei Juden in der Bundeswehr gäbe, wäre es selbstverständlich, ihnen Militärseelsorge zukommen zu lassen."

Staatsvertrag für Militärseelsorge

Die Soldaten seien konfrontiert mit Leid, Gewalt, bitterer Armut, Verwundung und Tod, so Ursula von der Leyen. "Viele Soldatinnen und Soldaten sind über lange Zeit von ihren Familien getrennt. Was ist der tiefere Sinn meines Lebens? Warum tu ich das hier alles? Was ist, wenn ich falle?" Bei solchen Fragen würden viele Soldaten einen Militärseelsorger aufsuchen.

Hinzu kommt der "Lebenskundliche Unterricht", also eine Art Ethik- und Religionsunterricht. Der sei auch dringend notwendig, sagt Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Der Militärische Abschirmdienst melde derzeit 450 Fälle mit Verdacht auf Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Der "Lebenskundliche Unterricht" könne da mehr Sensibilisierung gegen Antisemitismus bringen.

Darüber hinaus stelle sich die Frage, so Schuster, an wen sich Soldaten bei Verdachtsfällen oder Vorfällen wenden können. "Hier sollten die Soldaten ermutigt werden, auch kleine rechtsextreme oder rassistische oder antisemitische Vorfälle an ihre Vorgesetzten weiter zu geben. Sie dürfen dann nicht als Nestbeschmutzer oder Kameradenschweine gelten."

Demnächst sollen mindestens zwei Militärrabbiner in der Bundeswehr Dienst tun, ein liberaler und ein orthodoxer. Auch für Muslime ist ein seelsorgerisches Angebot geplant, es soll Militär-Imame geben.