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Beuys-Schüler Anatol Herzfeld ist tot | BR24

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Anatol Herzfeld im Dezember 2015

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    Beuys-Schüler Anatol Herzfeld ist tot

    Verkehrspolizist, Beuys-Schüler, Puppenspieler – die Vita des Düsseldorfer Malers und Bildhauers Anatol Herzfeld ist so bunt wie sein Atelier auf der Insel Hombroich. Nach kurzer Krankheit ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

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    "Die Heimholung des Joseph Beuys": Mit dieser spektakulären Fluxus-Aktion schrieb Anatol Herzfeld 1973 Kunstgeschichte. In einem selbstgeschnitzten Einbaum überquerte der damalige Student zusammen mit seinem Professor den Rhein und brachte ihn von Oberkassel zum anderen Rhein-Ufer vor die Düsseldorfer Kunstakademie. Ein Jahr zuvor war Beuys vom damaligen Wissenschaftsminister Johannes Rau entlassen worden, weil er für die Öffnung der elitären Künstlerausbildung protestiert hatte.

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    "Die Heimholung des Joseph Beuys" am 20. Oktober 1973

    Im Jahr von Beuys‘ Entlassung nahm Herzfeld erstmals an der Kasseler Documenta teil. Drei Mal war er auf der bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst vertreten, 1977 fertigte er "Das Traumschiff Tante Olga" an, ein Gefährt aus Polyester, Holz und Draht, das einem gefalteten Papierschiffchen nachempfunden war. In ihm reiste Herzfeld, von einem Schleppkahn gezogen, in einwöchiger Fahrt vom Nordseebad Dangast über den Jadebusen, die Weser und die Fulda zur Eröffnung der documenta 6 nach Kassel. Mit dem Boot wollte der Botschafter der von ihm gegründeten Künstlergemeinschaft "Freie Akademie Oldenburg" die Träume von Kindern in die documenta-Stadt bringen. Heute steht das Traumschiff vor der Heinrich-Schütz-Schule in Kassel.

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    Die Skulptur "Das Traumschiff Tante Olga"

    1977 – ein Schicksalsjahr

    1977 war auch das Jahr, in dem Herzfeld seinen einzigen Sohn Heico bei einem Motorradunfall verlor. Ein schwerer Schlag für den Künstler, der hauptberuflich in Düsseldorf als Verkehrspolizist tätig war und mit einem Puppentheater an Schulen unter anderem Verkehrserziehung unterrichtete. "Die Wächter der Kinder" heißt auch eine Figurengruppe aus Metall, die im Casinogarten in Viersen steht.

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    "Die Wächter der Kinder" im Casinogarten in Viersen

    Metall zählte neben Holz und Stein zu den bevorzugten Materialien des Künstlers, der am 21. Januar 1931 im ostpreußischen Insterburg als Karl-Heinz Herzfeld geboren wurde und seinen Künstlernamen Anatol einer Romanfigur von Tolstoi entlieh. Neben Skulpturen fertigte der gelernte Kunstschmied über 6.000 Zeichnungen an. Viele seiner Arbeiten entstanden in seinem Atelier auf der Museumsinsel Hombroich, das er 1982 bezogen hatte. In seinem Testament hatte der Künstler festgelegt, dass das von ihm bewohnte Areal nach seinem Tod in den Besitz der Stiftung Hombroich übergeht. Die Stiftung muss Anatols Wirkstätte so belassen, wie sie sie zum Zeitpunkt seines Todes vorgefunden hat.

    Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Herzfeld am 10. Mai nach kurzer Krankheit im Alter von 88 Jahren.

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