BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Josefstag: Wenn Eltern als Job-Vorbild fehlen | BR24

© Simon Vornberger / Kolping München

In der Schreinerei der Kolping-Jobwerkstatt haben Jugendliche ein Jenga-Spiel selber gebaut.

Per Mail sharen

    Josefstag: Wenn Eltern als Job-Vorbild fehlen

    Wenn Jugendlichen Vorbilder fehlen, die sie fürs Thema Arbeit begeistern, fällt ihnen der Job-Einstieg häufig schwer. Trotz Fachkräftemangel. Die Kolping-Jobwerkstatt in Oberhaching versucht hier gegenzusteuern – nicht nur am 19. März, dem Josefstag!

    Per Mail sharen

    Josef, der Zimmermann und Vater von Jesus gilt als Patron der Arbeiter, insbesondere der Handwerker, außerdem ist er Schutzpatron der Jugendlichen. Darum nimmt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) den Josefstag am 19. März – seit 1969 kein gesetzlicher Feiertag mehr – jedes Jahr zum Anlass, um auf die Situation von Jugendlichen in der Arbeitswelt hinzuweisen. Das diesjährige Motto: Partizipation. Nur durch wirkliche Partizipation, so der BDKJ, könnten junge Menschen in die Arbeitswelt integriert werden. Und nur durch Arbeit ist eine vollständige Teilhabe an der Gesellschaft möglich.

    Große Enttäuschung

    Genau das versucht die Kolping-Jobwerkstatt in Oberhaching südlich von München. Den Weg in die Arbeitswelt zu finden, ist für Schulabsolventen schließlich nicht so einfach. Vor allem, wenn berufstätige Eltern als Vorbilder fehlen. Was kann man? Was traut man sich zu? Was will man machen? Jugendliche gegen Ende der Schulzeit haben viele Fragen. In der Kolping-Jobwerkstatt können Jugendlichen sich während eines zweiwöchigen Schülerpraktikums mit solchen Fragen beschäftigen. Zur Auswahl stehen die Bereiche Schreinerei, Hauswirtschaft oder Fahrradreparatur. Eine der Jugendlichen, die dort gerade hospitieren, wollte eigentlich in einem Kinderkrankenhaus ein Praktikum machen, hat aber eine Absage kassiert. Eine große Enttäuschung für die Schülerin: Es war ihre erste Bewerbung um ein Praktikum und so eine Absage demotiviert zutiefst, besonders dann, wenn man niemanden hat, der einem helfen kann.

    In der Jobwerkstatt werden die Praktikanten von Anfang an eingebunden. Dass sie hier am Arbeitsprozess teilhaben, ist dem Schreiner Thomas Jaud wichtig: "Wir geben ihnen kleine Aufgaben und Verantwortung, dass sie merken, ich bin wichtig, damit ein Auftrag ausgeführt wird. Das ist wunderbar und der Schüler ist stolz." Außerdem gibt es am Ende auch ein kleines Honorar – eine zusätzliche Motivation für die Schüler.

    Zweitname "Josef" ist Programm

    Auch Jaud hat den Eindruck, dass es einigen Jugendlichen an Vorbildern fehlt, sich überhaupt für Arbeit zu motivieren: "Ich habe das Gefühl, das Thema Berufswelt und Arbeit ist nicht so ein Thema in manchen Familien, das ist schade, da fehlt was." Sein Vorbild war sein Vater, sagt Jaud: "Weil mein Vater immer gearbeitet hat, aufgestanden ist und mir war klar, das gehört zum Leben und so wollte ich es auch." Ihm fiel darum der Einstieg ins Berufsleben nicht schwer.

    Der Alltag in der Jobwerkstatt ist für Thomas Josef Jaud daher mehr als ein Beruf. Und sein zweiter Vorname Josef ist für ihn Programm: Josef, der Patron der Arbeiter und Jugendlichen. Er nimmt all die Jugendlichen, die zu ihm in die Jobwerkstatt kommen, ernst und beantwortet gerne die Fragen der jungen Leute. Fragen zur Arbeitswelt und zum Erwachsensein, zum Leben, wie wichtig es ist, eine Beschäftigung zu haben, die auch noch Spaß macht: Das lernen Jugendliche zur Zeit auch bei geschlossenen Schulen.